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Finanzkrise : Es trifft die Millionäre

Bild: F.A.Z.

Auch an den Reichen ist die Wirtschaftskrise nicht spurlos vorübergegangen: Weltweit ist die Zahl der Millionäre von elf auf neun Millionen zurückgegangen. Auch die verwalteten Vermögen sind 2008 deutlich gesunken.

          Die Finanzkrise hat die Zahl der Millionäre im vergangenen Jahr von weltweit 11 auf rund 9 Millionen zurückgehen lassen. Betuchte Kunden mussten durchweg Vermögensverluste hinnehmen. Dagegen konnten Privathaushalte mit einem Vermögen von weniger als 100 000 Dollar sogar im Krisenjahr 2008 durchschnittlich noch kleine Zuwächse verzeichnen. Das ist das Ergebnis einer jährlichen Untersuchung der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG), der die Analyse von Finanzhäusern verwalteter privater Kundenvermögen zugrunde liegt. Diese Untersuchung umfasst die Finanzvermögen, aber nicht Realvermögen wie Immobilien oder Edelmetalle.

          Demnach ist die Summe der verwalteten Kundenvermögen zwischen Ende 2007 und Ende 2008 in der Welt um 11,7 Prozent auf 92,4 Billionen Dollar zurückgegangen. Besonders stark waren die Einbußen in den Vereinigten Staaten, wo sich die Vermögen um 21,8 Prozent auf 29,3 Billionen Euro reduzierten, während der Rückgang in Europa nur 5,8 Prozent ausmachte. Die amerikanischen Vermögen waren wegen der im Vergleich hohen Aktienquoten besonders stark getroffen. Im Ergebnis übertreffen die in Europa verwalteten Vermögen mit 32,7 Milliarden Euro die amerikanischen Vermögen.

          Kunden wollen einfache Finanzprodukte

          Nach den Beobachtungen von Boston Consulting haben viele Privatkunden mit einer stärkeren Nachfrage nach einfachen Finanzprodukten zur Vermögenssicherung auf die Krise reagiert, die den Verwaltern nur geringe Margen einbringen. „Selbst wenn die Risikoneigung wieder zunimmt, werden die Kunden damit fortfahren, ein weitaus höheres und verständlicheres Serviceniveau zu verlangen“, heißt es in der Studie.

          Als Folge der Krise haben viele Anleger nicht nur Aktienbestände abgebaut, sondern sich auch von anderen Formen des Finanzvermögens wie Anleihen getrennt. „Die Krise hat nicht nur Zuflüsse in diese Anlageklassen begrenzt. Sie hat auch Abflüsse ausgelöst“, schreiben die Autoren von BCG: „Einige Investoren mussten Vermögen nutzen, um Schulden zurückzuzahlen. Andere wandelten ihr Finanzvermögen in handfestere Aktiva wie Immobilien oder Gold um.“

          Schere zwischen Arm und Reich etwas kleiner

          Die Finanzkrise hat die starke Ungleichverteilung der Vermögen ein wenig eingeebnet, an den grundsätzlichen Verhältnissen aber nichts verändert. Im Jahre 2008 hielten 15 Prozent der Privathaushalte 85 Prozent des Gesamtvermögens. Die „etablierten Reichen“ mit Einzelvermögen von mindestens 5 Millionen Dollar mussten prozentual die größten Verluste hinnehmen: Ihre Vermögen gingen zusammengefasst um 22 Prozent auf 17,7 Billionen Dollar zurück. Allerdings erfassen die Statistiken nicht die weniger marktgängigen Aktiva wie Luxusvillen, Juwelen und Kunst, die man in den Vermögen vieler „etablierter Reicher“ findet.

          Die Aussichten sind nach der Ansicht der Boston Consulting Group bescheiden. Sie erwartet, dass erst im Jahre 2013 das Niveau von vor der Krise wieder erreicht wird. Auch mit Blick auf die Hausse an den Aktienmärkten seit dem vergangenen Frühjahr gibt sich die Studie vorsichtig: „Die ökonomischen Indikatoren legen eine Korrektur der wichtigen Aktienmärkte nahe.“ Zudem könne die steigende Arbeitslosigkeit viele Menschen veranlassen, zumindest zum Teil von ihren Ersparnissen zu leben.

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