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Finanzkrise : Das Ende lässt weiter auf sich warten

  • Aktualisiert am

Weiter nicht rosig erscheint die Zukunft der UBS Bild: AFP

Mit schwachen Ergebnisausweisen und ohne konkreten Ausblick rufen UBS und Hypo Real Estate am Dienstag die Finanzkrise wieder ins Gedächtnis. Doch auch positive Signale werden gesehen. Eine Positionierung für das Ende der Krise erscheint möglich - doch mit viel Vorsicht.

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          Krisen erscheinen in der Rückschau immer monolithisch. Irgendwann brechen sie aus, halten eine Zeitlang an und ebben dann ab. Das ist historisch gesehen nicht falsch, steckt man jedoch in einer Krise mitten drin, so erscheint sie aufgrund des kurzfristigeren Horizonts zyklisch.

          Das trifft auch für die anhaltende Finanzkrise zu, die sich in den vergangenen Wochen scheinbar entspannte. Doch wenigstens seit gestern bekannt wurde, dass die Bank of America möglicherweise für 24 Milliarden Dollar an Schulden des übernommenen Hypothekenfinanzierers Countrywide Financial nicht geradestehen wird (Countrywide-Gläubiger könnten leer ausgehen), erscheint die Krise wieder gravierender.

          Milliardenverluste nicht neu

          Diesen Eindruck bestätigen auch die Ergebnisse der beiden Banken, die am Dienstag Geschäftsergebnisse für das erste Quartal vorlegten, und deren Namen stärker als der manch anderen Instituts mit der Krise verknüpft ist, allen voran die Schweizer UBS.

          Bild: FAZ.NET

          Die UBS gilt als die in Europa am stärksten von der amerikanischen Kreditkrise betroffene Bank. Bislang musste die größte Schweizer Bank mehr als 37 Milliarden Dollar abschreiben. Um die Verluste auszugleichen und erhöhte die Bank das Kapital in zwei Schritten um
          13 Milliarden und um 15 Milliarden Franken.

          Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres verzeichnete die Bank einen Verlust von 11,54 Milliarden Franken. Das ist insofern nicht neu, als die UBS bereits am Morgen des ersten April mit der Nachricht schockiert hatte, auf vorläufiger Basis einen Verlust von 12 Milliarden Franken verzeichnet zu haben, der auf Abschreibungen aus dem Engagement in Hypothekenkredite minderer Qualität von 19 Milliarden Franken zurückzuführen sei (vgl. Kursverfall der UBS-Aktie könnte sich dem Ende nähern).

          Deutlich geringere Mittelzuflüsse

          Das erste Quartal habe sich „aus diversen Gründen“ schwierig gestaltet, heißt es von der UBS. Die Abwärtsspirale am Markt für amerikanische Hypotheken und damit zusammenhängende Instrumente, rückläufige Kapitalmarktaktivitäten, eine drastische Verminderung des M&A-Volumens sowie fallende Wertschriftenkurse und eine Abschwächung des Dollars sowie des Pfunds gegenüber dem Franken.

          Zwar gibt es in der Bilanz keine weiteren bösen Überraschungen mehr, aber die Ergebnisse sehen im Urteil der Marktbeobachter nicht wirklich rosig aus. Experten äußerten sich insbesondere besorgt über einen Nettoneugeldabfluss von 12,8 Milliarden Schweizer Franken. Auch Vorstandschef Rohner äußerte sich unzufrieden mit dem Zufluss an neuem Geld in der Vermögensverwaltung für reiche Kunden. Die netto beschafften 5,6 Milliarden Franken sind deutlich weniger als in früheren Quartalen. Das Global Asset Management, wo etwa Fonds betreut werden, verlor netto 16,5 Milliarden Franken. Die Bank spüre die Krise, hieß es dazu im Aktienmarkt. Im Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäft sind 1,9 Milliarden Franken abgeflossen. Analysten hatten mit neun Milliarden Franken Neugeld in der Vermögensverwaltung gerechnet.

          Anhaltend schwierige Bedingungen

          Dennoch erklärte die Bank, in den meisten Geschäftsbereichen habe sich die Ertragslage zufriedenstellend entwickelt, was nicht unbedingt einleuchtet. Indes zeigten sich auch die Analysten gnädig. Aus Sicht der Bank Wegelin dürften die Anleger gar etwas aufatmen. Denn entgegen den wilden Spekulationen in der Presse, habe die UBS keine weiteren Abschreibungen vorgelegt.

          Ob dies auch in Zukunft so bleibe, sei allerdings offen. Zwar will die UBS bis Mitte 2009 konzernweit rund 5500 der derzeit rund 83.500 Stellen streichen, davon bis Jahresende 2600 Stellen im Investment Banking, wo die hohen Verluste anfallen. Dennoch, so Wegelin, scheine der Ausblick alles andere als rosig zu sein, allzumal man mit weiteren Mittelabflüssen im zweiten Quartal rechnet.

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