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Finanzkrise : Ackermann warnt Politik vor Eingriffen

IIF-Chef Ackermann ruft dazu auf, „nach vorne zu schauen” Bild: ©Helmut Fricke

Nationale Alleingänge in der Regulierung könnten eine Stabilisierung der Weltwirtschaft verhindern und zu Protektionismus führen, befürchtete Ackermann auf der Jahrestagung des internationalen Bankenverbandes IIF in Peking. Die Krise sei noch lange nicht ausgestanden.

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          Die Großbanken gehen wieder in die Offensive. Von Demut aufgrund ihrer Rolle in der Finanzkrise ist auf der Jahrestagung des Branchenverbandes Institute of International Finance (IIF) in Peking nichts zu spüren. „Wir müssen jetzt nach vorne schauen“, sagte Josef Ackermann, Vorsitzender des Direktoriums des IIF. Er warnte vor einer Überregulierung durch die Politik und einem Verfall der Chancengleichheit auf den Finanzmärkten durch staatliche Eingriffe. Eine Beeinflussung des Geschäftes und der Aufstellung der Banken lehnte der Verband am gestrigen Donnerstag kategorisch ab: „Lassen Sie mich unterstreichen, dass wir es als nicht hilfreich empfinden, Reformen etwa auf Themen wie die Größe einzelner Banken oder den Zweck ihres Geschäftes auszurichten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank in seiner Rolle als IIF-Chef.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Verband war 1983 als Antwort auf die internationale Schuldenkrise gegründet worden und zählt mehr als 370 Mitgliedsunternehmen. Seinem Anspruch, Krisen künftig verhindern zu können, wurde er indes nicht gerecht: „Niemand hat das vorhergesehen. Wir haben nicht geahnt, dass das Vertrauen in so kurzer Zeit zusammenbricht und Investoren in einen vollkommenen Streik treten würden“, sagte Ackermann mit Blick auf den Tiefpunkt der Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers Mitte September vergangenen Jahres.

          Die Krise trifft die Schwellenländer besonders hart

          Nun sieht der IIF eine wachsende Gefahr der Zersplitterung des internationalen Finanzsystems durch nationale Alleingänge in der Regulierung. „Wir haben gesehen, dass eine Reihe von Maßnahmen, die einzelne Regierungen ergriffen, um ihre nationalen Finanzinstitutionen zu stärken, zu einer nicht intendierten Stärkung der Heimatbasis führten. Das könnte die Anstrengungen unterminieren, die Weltwirtschaft zu stabilisieren“, warnte Ackermann die Politiker vor nationalen Alleingängen. „Solche Initiativen können Ineffizienzen hervorrufen und das gesamte globale System schwächen. Das gilt insbesondere dann, wenn sie andere Nationen zur Vergeltung verleiten.“ Ackermann ließ keinen Zweifel daran, dass er die Politik mit ihren Antworten auf die Krise auf einem falschen Weg sieht. „Die Trends, die wir heute immer stärker sehen, könnten ein protektionistisches Umfeld schaffen, das alle schädigte, wenn sie sich fortsetzten“, warnte Ackermann. Er forderte eine Kehrtwende: „Wir glauben, dass nun gehandelt werden muss, um die Nabelschau zu beenden.“

          Die IFF geht von niedrigeren Nettokapitalzuflüssen in Schwellenländer wie Brasilien aus

          Bei aller Deutlichkeit in der Ablehnung politischer Eingriffe lassen die Bankiers allerdings auch keinen Zweifel am Ernst der Lage aufkommen. William R. Rhodes, als Chef der angeschlagenen Citibank Ackermanns Stellvertreter im IIF, sprach von der „größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“. Der Verband sieht nur eine graduelle Besserung. „Im kommenden Jahr erwarten wir ein weltweites Wirtschaftswachstum von 2 Prozent, nach einem Schrumpfen um 3 Prozent in diesem Jahr“, sagte Ackermann. „Wir stehen weiterhin vor gewaltigen Herausforderungen - wir müssen das Vertrauen wiedergewinnen, unsere Institutionen stärken und dafür Sorge tragen, dass sie dazu beitragen, neue Arbeitsplätze zu schaffen.“

          Mit besonderer Härte trifft die Krise die Schwellenländer. Der IIF verringerte am Donnerstag seine Vorhersage für die Kapitalzuflüsse in die Schwellenmärkte noch einmal. Hatte er im Januar noch mit 165 Milliarden Dollar Nettokapitalzufluss in diesem Jahr gerechnet, geht er nun nur noch von knapp 141 Milliarden Dollar aus. Im vergangenen Jahr aber hatte der Vergleichswert noch bei 392 Milliarden Dollar gelegen, 2007 war es der Rekordwert von 888 Milliarden Dollar gewesen. Dabei spielen hier die Staaten und multilateralen Organisationen auch aus Sicht der Bankiers eine entscheidende Rolle: „Trugen institutionelle Geldgeber 2007 nur 3,5 Prozent zum Strom in die Schwellenländer bei, dürfte sich deren Anteil in diesem Jahr auf 35 Prozent verzehnfachen“, sagte Rhodes.

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