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Finanzkrise : 1471 Milliarden Dollar sind perdu

Finanzdistrikt Wall Street (in New York) Bild: REUTERS

Seit Beginn der Krise leiden vor allem Banken unter Wertberichtigungen und Kreditausfällen. Die Aufnahmen neuen Eigenkapitals belaufen sich auf 1236 Milliarden Dollar. Kapitalgeber sind vor allem Regierungen und Staatsfonds.

          Die im Sommer 2007 ausgebrochene Krise hat bislang innerhalb der Finanzkrise Verluste von 1471 Milliarden Dollar verursacht. Das zeigt eine Zusammenstellung der Nachrichtenagentur Bloomberg. Unter der Bezeichnung Verluste addiert sie die bilanzierten Wertberichtigungen und Kreditausfälle. Sollte der Internationale Währungsfonds (IWF) mit seiner Schätzung von Gesamtverlusten über rund 4000 Milliarden Dollar recht behalten, käme der größere Teil der Ausfälle auf die Finanzhäuser erst noch zu. Der IWF hat in seine Schätzung die noch anfallenden Belastungen aus dem Konjunktureinbruch, der den Banken weitere Kreditausfälle bescheren dürfte, einbezogen.

          Die Daten zeigen, dass die Krise vor allem die Finanzhäuser in den Vereinigten Staaten getroffen hat, aber auch in Europa eine Spur der Verwüstung hinterließ. Die asiatischen Finanzhäuser sind hingegen von der Krise bislang kaum erfasst worden. Eine Aufgliederung nach Unternehmenstypen sieht die Banken und Wertpapierhäuser bislang mit Einbußen von 1042 Milliarden Dollar belastet.

          Deutsche Banken stehen im Vergleich noch gut da

          Auf die Versicherer entfallen 243 Milliarden Dollar, wobei der Katastrophenfall AIG alleine 90 Milliarden Euro verschlang. Die dritte Kategorie erfasst spezialisierte Finanzunternehmen wie die amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die beide zusammen auf Wertberichtigungen und Kreditausfälle von 186 Milliarden Dollar kommen.

          Eine Auflistung der am schwersten geschädigten Banken zeigt die großen amerikanischen und britischen Häuser an der Spitze sowie die schweizerische UBS. Im Vergleich dazu stehen die deutschen Banken noch gut da, wenn man alleine die Wertberichtigungen und Kreditausfälle betrachtet. Da viele der betroffenen deutschen Banken nicht groß und/oder schwach kapitalisiert sind, reichen im internationalen Vergleich nicht sehr hohe Verluste bereits aus, um sie an den Rand der Existenz zu bringen. Die Einbußen von 14 Milliarden Dollar etwa waren für die IKB eindeutig zu viel.

          Die Statistiken zeigen aber auch, dass die Finanzhäuser seit Beginn der Krise sehr viel Eigenkapital aufgenommen haben, um die Einbußen auszugleichen. Verlusten von 1471 Milliarden Dollar stehen Kapitalzuflüsse von 1236 Milliarden Dollar entgegen. Diese stammen aus unterschiedlichen Quellen. In der ersten Phase der Krise stellten arabische und ostasiatische Staatsfonds Mittel bereit. So erhielt die schweizerische UBS mehrere Milliarden Dollar von der GIC, einem Staatsfonds aus Singapur, sowie von einem nicht näher bezeichneten Fonds aus dem arabischen Raum. Die Staatsfonds zeigen seit einiger Zeit jedoch kein großes Interesse mehr an Bankbeteiligungen. Zum einen haben sie mit vorhandenen Beteiligungen Verluste erlitten, und zum anderen verlagert sich ihr Interesse in Richtung von Schwellenländern.

          Kritik an Staatsfonds Temasek

          Öffentlicher Kritik sieht sich der in Singapur beheimatete Staatsfonds Temasek ausgesetzt. Er hatte im ersten Quartal 2009 eine Beteiligung an der Bank of America verkauft und dabei nach Schätzungen von Fachleuten einen Verlust von rund 3 Milliarden Dollar realisiert. Seitdem ist der Kurs der Bank of America deutlich gestiegen. Ein erheblicher Teil der Kapitalaufnahmen der Banken stammt jedoch von heimischen Regierungen. So erhielt die Commerzbank 18 Milliarden Euro vom deutschen Staat. Die amerikanische Regierung zwang ihren Großbanken sogar Eigenkapital gegen deren Willen auf. Seit einigen Wochen ist es amerikanischen Banken dank der Erholung der Aktienkurse gelungen, sich privates Eigenkapital zu beschaffen.

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