https://www.faz.net/-gv6-7nyne

Finanzkonzern Fubus pleite : Anleger verlieren 600 Millionen Euro

Von der Staatsanwaltschaft durchsucht: Sitz der Fubus-Tochtergesellschaft Infinus in Dresden Bild: dpa

Mehr als 28.000 Anleger müssen sich wohl darauf einstellen, einen Großteil ihres investierten Geldes zu verlieren. Schon wieder vernichtet ein Betrugsfall Kapital und Vertrauen. Es geht um Lebensversicherungen, Gold - und Gier.

          4 Min.

          Die mehr als 28.000 Anleger der Fubus-Gruppe müssen sich auf den weitgehenden Verlust ihres Kapitals einstellen. Zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Dienstag machte ihnen der vom Amtsgericht Dresden bestellte Verwalter Bruno Kübler jedenfalls wenig Mut. Wenigstens 80 Prozent ihres Anlagebetrages und damit in der Summe mehr als 600 Millionen Euro gelten demnach als verloren. Die Auszahlung des Rests dürfte einige Jahre dauern.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Das Insolvenzverfahren über die Fubus-Gruppe ist in seiner Komplexität und wirtschaftlichen Bedeutung das vielleicht schwierigste Verfahren in meiner fünfunddreißigjährigen Verwalterpraxis“, sagte Kübler am Dienstag in Dresden, und das will etwas heißen. Kübler gilt doch als einer der profiliertesten Insolvenzverwalter in Deutschland. Schon das Schaubild über die Verflechtungen der Fubus-Gruppe (Future Business KGaA) gibt einen Eindruck der Komplexität. Zahlreiche Tochter-, Schwester- und Muttergesellschaften sind miteinander verbunden, ideale Voraussetzungen für ein Schneeballsystem.

          Verdacht auf Kapitalanlagebetrug, Betrug und Bilanzfälschung

          Im November kam der Verdacht auf Kapitalanlagebetrug, Betrug und Bilanzfälschung auf. Die Staatsanwaltschaft Dresden veranlasste nicht nur die Verhaftung von sechs Konzernmanagern, sondern beschlagnahmte nahezu die gesamten Geschäftsunterlagen. Eine umfassende Sichtung konnte bisher nicht erfolgen, schließlich handelt es sich um 1.300 Umzugskartons und diverse sichergestellte Aktenschränke. Einer der Inhaftierten wurde mittlerweile unter Auflagen aus der Justizvollzugsanstalt Zwickau entlassen, da er mit der Staatsanwaltschaft kooperieren will. Insgesamt wird gegen zehn Personen ermittelt, darunter auch die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer der Gesellschaft.

          Zunächst hatte sich die im Jahr 2000 gegründete Gesellschaft im Geschäft mit Lebensversicherungen umgetan. Zielgruppe waren offenbar Kunden, die ihre Lebensversicherung mit Verlusten kündigen mussten. Fubus sprang ein und machte ein Angebot über dem Rückkaufspreis. Der Anleger bekam das Geld jedoch oft nicht in bar, sondern mit ihm wurden Folgegeschäfte vereinbart und insbesondere Orderschuldverschreibungen an ihn verkauft. Diese Papiere mit unendlicher oder fester Laufzeit garantierten Zinszahlungen zwischen 5 und 9 Prozent im Jahr.

          Der Vorwurf, ein Schneeballsystem aufgebaut zu haben

          Später schloss Fubus vermehrt über Mitarbeiter selbst großvolumige kapitalgebundene Lebensversicherungen ab. Vermittler war die Fubus-Tochtergesellschaft Infinus. Sie erhielt hohe Abschlussprovisionen. Diese waren berechnet auf die gesamte Vertragslaufzeit von durchschnittlich 30 Jahren und als Vorschuss gezahlt schon bei Zahlung des ersten Monatsbeitrags. Versicherungspartner waren unter anderem die Ergo-Gruppe und die Gothaer Versicherung. Die Fubus-Gruppe bekam frische Liquidität, konnte damit die Zinsforderungen aus den Orderschuldverschreibungen begleichen und die Bilanz aufhübschen und so besser für ihre Orderschuldverschreibungen werben.

          Der Vorwurf an die Beschuldigten lautet, ein Schneeballsystem aufgebaut zu haben, bei dem ständig neue Geschäfte nötig sind, um alte Verpflichtungen begleichen zu können. Die Staatsanwaltschaft spricht von künstlichen Erträgen. Dieselbe Funktion hatten Goldsparpläne, in die externe Anleger, aber vor allem die Fubus-Gruppe selbst, seit dem Herbst 2011 investieren konnten. Auch hier wurden 12 Prozent Anschaffungsnebenkosten auf Basis der 30 Jahre Laufzeit schon zu Beginn fällig. Der Insolvenzverwalter äußerte nun erhebliche Zweifel, dass mit diesen Geschäftsfeldern nachhaltig und ausreichend Renditen erzielt werden können, um die gegenüber den Anlegern garantierten Zinsversprechen zu erfüllen.

          Im Durchschnitt hat eine Forderung ein Volumen von 27.000 Euro

          Es bestünden konkrete Anhaltspunkte, dass mindestens seit dem Jahr 2009 falsche Jahresabschlüsse aufgestellt und fälschlicherweise hohe Gewinne ausgewiesen wurden. Gewinne aus fiktiven, konzerninternen Geschäften könnten nicht als werthaltig erachtet werden. Der Insolvenzverwalter hat insgesamt Forderungen von Anlegern aus Orderschuldverschreibungen von 667 Millionen Euro ermittelt. Seit dem 2. August 2013 hatte die Gesellschaft keine Orderschuldverschreibungen mehr begeben dürfen, da die Bafin den Emissionsprospekt nicht mehr genehmigt hatte.

          Von Juni bis November gelang es der Gesellschaft dennoch, weitere 54 Millionen Euro bei rund 2.500 Anlegern über Nachrangdarlehen einzuwerben. Angesichts des Niedrigzinsumfeldes schien eine Verzinsung mit 5 bis 8 Prozent verlockend. Hinzu kommen Genussrechte und Genussscheine mit Verzinsungen von 5 bis 7 Prozent im Volumen von 49 Millionen Euro. Insgesamt bestehen Forderungen in Höhe von 787 Millionen Euro von etwa 29.000 Anlegern. Im Durchschnitt hat eine Forderung damit ein Volumen von rund 27.000 Euro. Inklusive aller Tochtergesellschaften kommt der Insolvenzverwalter auf ein Volumen von rund einer Milliarde Euro und etwa 40.000 Anleger.

          Eine Yacht, teure Autos, Uhren und Goldbarren

          Vermögen, um die Forderungen der Anleger zu begleichen, konnte der Insolvenzverwalter bislang jedoch kaum finden. Aus den Versicherungen rechnet der Verwalter mit Vermögenswerten von rund 109 Millionen Euro, hinzu kommen Edelmetallbestände von gerade einmal 10 Millionen Euro, Immobilien im Wert von 17 Millionen Euro und Barguthaben von 13 Millionen Euro, alles in allem also etwa 150 Millionen Euro. Zudem wird geprüft, inwieweit Vorstände und Gesellschafter auch persönlich haftbar gemacht werden können.

          Gegen den persönlich haftenden Gesellschafter der Fubus-Gruppe, Jörg Biehl, wird jedoch wohl im April ein Privatinsolvenzverfahren eröffnet. Eine Yacht, teure Autos, Uhren und Goldbarren wurden schon beschlagnahmt. Die Inhaber der Genussrechte und Genussscheine sowie der Nachrangdarlehen dürften aufgrund ihrer Nachrangigkeit komplett leer ausgehen, es sei denn, es können Ansprüche wegen betrugsbedingter Schäden geltend gemacht werden. Für die Orderschuldverschreibungen geht der Insolvenzverwalter davon aus, dass etwa ein Fünftel der Forderungen beglichen werden kann.

          Mehrere Millionen verloren hat dadurch wohl auch die „Ordensgemeinschaft der Armen-Brüder des heiligen Franziskus Sozialwerke e.V.“ aus Düsseldorf, die in der Altenpflege und Obdachlosenhilfe tätig ist und viel Geld bei der Gesellschaft angelegt hatte. Die Orderschuldverschreibungen wurden in 4.852 Serien begeben. Für die Gläubiger jeder Serie muss nun eine Gläubigerversammlung durchgeführt werden. Insolvenzverwalter Kübler wird die 4.852 Versammlungen in einem Termin abhalten, am 13. Mai in der Messehalle in Dresden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          SPD-Dynastie: Familie Siebel im „stadtbauraum“, einer Veranstaltungsstätte  am früheren Kohleschacht Oberschuir in Gelsenkirchen.

          Politische Prägung : Wählen wie die Eltern

          Welcher Partei wir bei einer Wahl unsere Stimme geben, hängt auch mit der Prägung durch das Elternhaus zusammen. Oder gerade nicht? Drei Ortsbesuche.
          Im Fernsehen, wie hier beim letzten Triell, traten die Kandidaten mit offenem Visier an. Im Netz wird aus dem Hinterhalt geschossen.

          Hetze im Internet : Der schmutzige Wahlkampf

          Sie finden der Kampf ums Kanzleramt zwischen Baerbock, Laschet und Scholz sei eine müde Sache, langweilig und gebremst? Die Kampagnen im Netz zeigen etwas anderes.
          Das Kohlekraftwerk Mehrum, daneben Windräder

          Energie : Preisrekorde gefährden Green Deal

          Strom und Gas sind so teuer wie lange nicht. Für die EU-Kommission kommt das zur Unzeit – und einige Länder haben schon Notfallpläne verabschiedet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.