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Finanzkonzern Fubus pleite : Anleger verlieren 600 Millionen Euro

Von der Staatsanwaltschaft durchsucht: Sitz der Fubus-Tochtergesellschaft Infinus in Dresden Bild: dpa

Mehr als 28.000 Anleger müssen sich wohl darauf einstellen, einen Großteil ihres investierten Geldes zu verlieren. Schon wieder vernichtet ein Betrugsfall Kapital und Vertrauen. Es geht um Lebensversicherungen, Gold - und Gier.

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          Die mehr als 28.000 Anleger der Fubus-Gruppe müssen sich auf den weitgehenden Verlust ihres Kapitals einstellen. Zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Dienstag machte ihnen der vom Amtsgericht Dresden bestellte Verwalter Bruno Kübler jedenfalls wenig Mut. Wenigstens 80 Prozent ihres Anlagebetrages und damit in der Summe mehr als 600 Millionen Euro gelten demnach als verloren. Die Auszahlung des Rests dürfte einige Jahre dauern.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Das Insolvenzverfahren über die Fubus-Gruppe ist in seiner Komplexität und wirtschaftlichen Bedeutung das vielleicht schwierigste Verfahren in meiner fünfunddreißigjährigen Verwalterpraxis“, sagte Kübler am Dienstag in Dresden, und das will etwas heißen. Kübler gilt doch als einer der profiliertesten Insolvenzverwalter in Deutschland. Schon das Schaubild über die Verflechtungen der Fubus-Gruppe (Future Business KGaA) gibt einen Eindruck der Komplexität. Zahlreiche Tochter-, Schwester- und Muttergesellschaften sind miteinander verbunden, ideale Voraussetzungen für ein Schneeballsystem.

          Verdacht auf Kapitalanlagebetrug, Betrug und Bilanzfälschung

          Im November kam der Verdacht auf Kapitalanlagebetrug, Betrug und Bilanzfälschung auf. Die Staatsanwaltschaft Dresden veranlasste nicht nur die Verhaftung von sechs Konzernmanagern, sondern beschlagnahmte nahezu die gesamten Geschäftsunterlagen. Eine umfassende Sichtung konnte bisher nicht erfolgen, schließlich handelt es sich um 1.300 Umzugskartons und diverse sichergestellte Aktenschränke. Einer der Inhaftierten wurde mittlerweile unter Auflagen aus der Justizvollzugsanstalt Zwickau entlassen, da er mit der Staatsanwaltschaft kooperieren will. Insgesamt wird gegen zehn Personen ermittelt, darunter auch die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer der Gesellschaft.

          Zunächst hatte sich die im Jahr 2000 gegründete Gesellschaft im Geschäft mit Lebensversicherungen umgetan. Zielgruppe waren offenbar Kunden, die ihre Lebensversicherung mit Verlusten kündigen mussten. Fubus sprang ein und machte ein Angebot über dem Rückkaufspreis. Der Anleger bekam das Geld jedoch oft nicht in bar, sondern mit ihm wurden Folgegeschäfte vereinbart und insbesondere Orderschuldverschreibungen an ihn verkauft. Diese Papiere mit unendlicher oder fester Laufzeit garantierten Zinszahlungen zwischen 5 und 9 Prozent im Jahr.

          Der Vorwurf, ein Schneeballsystem aufgebaut zu haben

          Später schloss Fubus vermehrt über Mitarbeiter selbst großvolumige kapitalgebundene Lebensversicherungen ab. Vermittler war die Fubus-Tochtergesellschaft Infinus. Sie erhielt hohe Abschlussprovisionen. Diese waren berechnet auf die gesamte Vertragslaufzeit von durchschnittlich 30 Jahren und als Vorschuss gezahlt schon bei Zahlung des ersten Monatsbeitrags. Versicherungspartner waren unter anderem die Ergo-Gruppe und die Gothaer Versicherung. Die Fubus-Gruppe bekam frische Liquidität, konnte damit die Zinsforderungen aus den Orderschuldverschreibungen begleichen und die Bilanz aufhübschen und so besser für ihre Orderschuldverschreibungen werben.

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