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Finanzinstrumente : Das Derivategeschäft nimmt weiter sprunghaft zu

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist der Markt für derivative Finanzinstrumente weiter gewachsen. Zins-Kontrakte haben hierbei den größten Anteil. Gleichzeitig steigt das Kontrahentenrisiko.

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          Der Markt für derivative Finanzinstrumente ist nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auch im Jahre 2007 sprunghaft gewachsen. Das gesamte Nominalvolumen an ausstehenden Kontrakte nahm um 44 Prozent auf 596 Billionen Dollar (rund 380.000 Milliarden Euro) zu. Über ähnliche Größenordnungen hatte unlängst auch der Verband der Swaphändler ISDA berichtet. Banken und institutionelle Anleger nutzen diese Derivate teils zur Absicherung von Risiken, teils aber auch zu gewagten Spekulationen, zumal das Derivategeschäft mit vergleichsweise geringem Einsatz an Eigenkapital betrieben werden kann.

          Eine besonders starke Zunahme verzeichneten Credit Default Swaps (CDS), eine Art handelbarer Kreditversicherung. Ihr Gesamtvolumen hat sich im Jahr 2007 von 28,7 auf 57,9 Billionen Dollar sogar verdoppelt. Mit solchen Kreditversicherungen kann man sich entweder gegen den Ausfall von Krediten einzelner Unternehmen absichern oder aber auch gegen Kreditausfälle bei mehreren Unternehmen, wobei diese Kredite dann zu „Körben“ zusammengefasst sind (siehe Grafik). Zu der starken Zunahme habe beigetragen, dass mit der Finanzkrise der Bedarf an Absicherungsgeschäften gestiegen sei, erläuterten Fachleute.

          Gleichzeitig steigt das Kontrahentenrisiko

          Mit der wachsenden Verbreitung der derivativen Kontrakte ist aber andererseits auch das sogenannte Kontrahentenrisiko gestiegen, also das Risiko, dass Teilnehmer an diesem Markt ihren Zahlungsverpflichtungen aus diesen Geschäften nicht nachzukommen vermögen (F.A.Z. vom 14. April). Nach Angaben von Fachleuten waren solche Besorgnisse ein Grund dafür, dass Geschäftspartner Mitte März binnen Stunden mehrere Milliarden Dollar von der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns abzogen.

          Als Bear Stearns deshalb zahlungsunfähig zu werden drohte, orchestrierte die amerikanische Notenbank Fed die Rettung der Bank. Die Fed hatte offenbar befürchtet, dass die Abwicklung von Tausenden Derivategeschäften, die Bear Stearns eingegangen war, den gesamten Markt in ein Chaos hätte stürzen können.

          Zins-Kontrakte haben den größten Anteil am Derivatemarkt

          „Wäre Bear Stearns in die Insolvenz geschlittert, hätte wegen des exorbitanten Kreditderivate-Geschäfts des Instituts niemand die Folgen für das internationale Finanzsystem abschätzen können“, sagte Jochen Sanio, der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, unlängst. Der Fall Bear Stearns habe eine neue Doktrin ins Leben gerufen, sagte Sanio weiter: „Too connected to fail - zu stark vernetzt, als dass man das Institut untergehen lassen könnte.“

          Nach den BIZ-Statistiken, die das außerbörsliche Derivategeschäft erfassen, haben Zins-Kontrakte den größten Anteil am Derivatemarkt. Das Gesamtvolumen der Zinsderivate stieg 2007 von 292 auf 393 Billionen Dollar. Das Volumen der Devisenderivate nahm von 40 auf 56 Billionen Dollar zu, dasjenige von Aktien- und Rohstoffderivaten von 15 auf 17,5 Billionen Dollar. Das Nominalvolumen überzeichnet allerdings die tatsächlichen Risiken um ein Vielfaches.

          In der Werteveränderung der Kontrakte besteht das Risiko

          Das eigentliche Risiko besteht nämlich nur in der Wertveränderung der Kontrakte; jeweils einer der beiden Partner eines Derivate-Kontrakts muss dem anderen diese Wertveränderung als Ausgleich zahlen. Dieser sogenannte Bruttomarktwert der Kontrakte nahm 2007 laut BIZ von 9,7 auf 14,5 Billionen Dollar zu. Besonders stark stieg der Bruttomarktwert bei Credit Default Swaps, der sich von 470 Milliarden auf 2 Billionen Dollar erhöhte. Für die BIZ erklärt sich dies zum Teil damit, dass die Risikoprämien für Kreditversicherungen im Zuge der Finanzkrise stark gestiegen sind.

          Auch der Bruttomarktwert überzeichnet die Risiken noch, da viele Geschäftspartner vereinbart haben, gegenseitige Verbindlichkeiten aus Derivategeschäften miteinander aufzurechnen (“Netting“). Das so berechnete Bruttokreditengagement ist laut BIZ im Jahre 2007 von 2,0 auf 3,3 Billionen Dollar gestiegen.

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