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Finanzdynastien (3): Die Welser : Die vergebliche Suche nach dem sagenhaften Reich des Goldes

Das Wappen der Welser Bild: Public Domain

Die Welser waren eine der mächtigsten Handels- und Finanzdynastien. In die Weltgeschichte gingen sie mit ihrem Versuch ein, in Südamerika ein legendäres Goldreich zu entdecken. Ihr Bündnis mit den Habsburgern und ein Mangel an Unternehmertalenten führte sie in den Untergang.

          Im Frühjahr 1546 tauchten in El Tocuyo, einem Nest im Westen Venezuelas, zwei Totgeglaubte auf: Philipp von Hutten und Bartholomäus Welser der Jüngere waren fünf Jahre zuvor mit einem Trupp von 100 Männern in das unerschlossene Landesinnere aufgebrochen, um das sagenhafte Goldreich El Dorado zu suchen.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Wegen ihrer langen Abwesenheit galten die Männer als verschollen, und als sie mit etwa 30 verbliebenen Gefährten wieder die Zivilisation erreichten, waren sie aufrührerischen Spaniern, die in der Zwischenzeit die Kontrolle über Venezuela übernommen hatten, äußerst unwillkommen. Denn Philipp von Hutten und Bartholomäus Welser der Jüngere standen für den Machtanspruch der Augsburger Kaufmannsfamilie Welser auf Venezuela, die dort seit dem Jahre 1528 mit Billigung der Krone in Madrid die Statthalterschaft ausübte.

          Grausames Ende eines Machtkampfs

          Die Aufrührer lösten das Problem auf radikale Weise: In der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1546 wurden von Hutten und Welser grausam ermordet. Man hackte ihnen mit einer stumpfen Machete die Köpfe ab, ohne sie, wie es bei einem regulären Todesurteil üblich gewesen wäre, vorher ihre Sünden beichten zu lassen. Auch wenn der Anführer der Mörderbande später öffentlich gehenkt und gevierteilt wurde, hatten die Welser das Machtspiel um ihren südamerikanischen Besitz endgültig verloren. Die Niederlage war der Anfang vom Ende einer großen Kaufmanns- und Finanzdynastie, die ihren Anfang in Augsburg genommen hatte.

          Das Hauptschloss der Welser in Neunhof

          Augsburg war im späten Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit eine der wichtigsten deutschen Wirtschafts- und Finanzmetropolen. Die Stadt am Lech beherbergte eine große Zahl erfolgreicher Kaufmannsfamilien, von denen die Fugger und die Welser über ihre Konkurrenz hinausragten. Doch während die Fugger lange Zeit als neureiche Außenseiter betrachtet wurden, waren die Welser anerkannte Vertreter der Kaufmannschaft in Augsburg, wo sie wichtige politische Ämter übernahmen. Wie viele erfolgreiche Familien ihrer Zeit begannen die Welser im Warenhandel, zu dem erst später Finanzgeschäfte hinzutraten.

          Am Anfang stand die freundliche Übernahme

          Der Name Welser erschien erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1246, ihren Aufstieg nahm die auch in Nürnberg mit einem Unternehmen ansässige Familie allerdings erst im 15. Jahrhundert, als sie eine starke Präsenz im europäischen Handel mit Baumwolle, Barchent (ein in Mischgewebe aus Baumwolle auf Leinenkette), Gewürzen und Seide sowie im Bergbau und in der gewerblichen Produktion unter anderem von Textilien besaß. Da die Welser damals enge Beziehungen nach Italien unterhielten, wo sich gerade das Bankwesen entwickelte, betrieben sie auch Finanzgeschäfte. So lassen sich Verbindungen zur Bank der berühmten Familie Medici nachweisen.

          Die Blütezeit der Welser begann mit einer freundlichen Übernahme. Im Jahre 1479 heiratete ein Welser-Spross, Anton, in die Memminger Kaufmannsfamilie Vöhlin ein, die weitgespannte Handelsbeziehungen pflegte, aber unter einem Nachfolgeproblem litt. Besaß die gemeinsame Gesellschaft Welser & Vöhlin zu Beginn noch fast 20 Teilhaber, so wussten die Welser die Macht in ihre Hand zu bekommen. Um das Jahr 1517 herum war Anton Welsers Sohn Bartholomäus der Ältere (1484 bis 1561), der bedeutendste aller Welser, mehr oder weniger alleiniger „Regierer“, wie man es damals nannte, der nun wieder in Augsburg ansässigen Gesellschaft. Sie trug jetzt auch seinen Namen: „Bartholomäus Welser und Gesellschaft“.

          Finanziers der Bestechung

          Kurz zuvor hatte die schicksalhafte Hinwendung der Welser nach Spanien und Portugal begonnen. Die Iberische Halbinsel war dabei, Italien den Rang der führenden südeuropäischen Handelsmacht abzulaufen, nachdem Kolumbus im Jahre 1492 Amerika entdeckt hatte (das er für Indien hielt) und Vasco da Gama im Jahre 1497 einen Seeweg in das richtige und wegen seiner Gewürze begehrte Indien ausfindig machte, indem er um die Südspitze Afrikas herumfuhr.

          Wer jedoch als deutsches Handelshaus in großem Stil Geschäfte in Spanien machen wollte, brauchte enge Beziehungen zum dortigen Herrscherhaus - und das waren die Habsburger, die damals nicht nur ihr Kernland Österreich, sondern bedeutende Teile Europas kontrollierten und deswegen beständig in kostspielige Kriege mit rivalisierenden Mächten wie Frankreich verwickelt waren.

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