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Finanzdynastien (16): Julius Bär : Von Heidelsheim an die Zürcher Bahnhofstraße

Die Vorfahren lebten im badischen Heidelsheim. Aber erst in der Schweiz wurde Julius Bär zu einer der bedeutendsten Bankiersfamilien. Im Jahr 2005 hat die Familie die Kontrolle über ihre Bank abgegeben - zugunsten größerer Entfaltungsmöglichkeiten.

          Früher hießen die Bärs auch Berle und im 17. Jahrhundert Dob. Und eigentlich stammt die Bankiersfamilie nicht aus Zürich, wie viele meinen, und auch nicht aus der Schweiz, sondern aus Heidelsheim in der Nähe des badischen Bruchsal. Dort kam am 2. Januar 1857 Isaac Bär als drittes Kind der jüdischen Familie Josef Lehmann und Rosina Therese Bär zur Welt.

          Jürgen Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Familie betrieb einen gutgehenden Handel mit Tierhäuten sowie einen Geldverleih. Im Alter von 40 Jahren änderte Isaac seinen Vornamen in Julius. Zu jenem Zeitpunkt war er schon ein erfolgreicher Bankier, den der Geldverleih von Jugend an viel mehr interessiert hatte als das Handelsgeschäft. Seine Ausbildung hatte Julius Bär im Augsburger Bankhaus von August Gerstle, einem Geschäftspartner seines Vaters, absolviert. Er machte rasch Karriere: Schon 1886, im Alter von 29 Jahren, trat der Heidelsheimer als Partner und Mitinhaber in das Bank- und Geldwechselgeschäft von Samuel Dukas & Co. in Basel ein.

          Schon im Gründungsjahr an der Börse

          Julius Bär wirkte zehn Jahre in der Stadt am Rheinknie. Dann ergriff er die Möglichkeit eines interessanten Wechsels nach Zürich. Dort hatte 1896 in der Kollektivgesellschaft Hirschhorn & Grob, die sich ebenfalls dem Geldwechsel widmete, Theodor Grob seinem Geschäftspartner Ludwig Hirschhorn eröffnet, dass er zum Jahresende ausscheiden wollte. Hirschhorn gewann als neue Partner den Zürcher Joseph Michael Uhl sowie seinen Schwager Julius Bär.

          Am 1. Oktober 1896 löste Hirschhorn, Uhl & Bär die frühere Hirschhorn & Grob ab. Nach dem Tod von Ludwig Hirschhorn wurde daraus 1901 die Kommanditgesellschaft Julius Bär & Co. Als Gründungsjahr bezeichnet die Bank allerdings das Jahr 1890, in dem Hirschhorn & Grob entstand; sie hat daher schon 1990 das hundertjährige Bestehen gefeiert.

          Die neuen Partner und nicht zuletzt Julius Bär erarbeiteten sich schnell einen guten Ruf in der Schweizer Bankenlandschaft. Ein Beleg hierfür stellt die Börsenzulassung in Zürich dar, die Julius Bär & Co. schon in ihrem Gründungsjahr erhielt. Der Inhaber und seine Ehefrau Marie hatten drei Söhne: Richard (Geburtsjahr 1892), Walter (1895) und Werner (1899). Walter und Werner sollten später ebenfalls in die Bank eintreten. Richard hingegen wählte die Laufbahn eines Physikprofessors.

          Flucht an die Wall Street

          Erst der Sohn Hans setzte in diesem Familienstamm die Bankierstradition fort. Dennoch war der Zusammenhalt eng. Im Jubiläumsbuch zum hundertjährigen Bestehen heißt es über die drei Brüder: „Mit ihren Gattinnen trafen sie sich jeden Sonntagabend im Zürcher Bahnhofbuffet zum Abendessen, und jeden Tag saßen die drei Ehepaare zum nachmittäglichen Tee in der Conditorei Chardon (am Paradeplatz) zusammen.“

          Nach Erstem Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise führte insbesondere der Zweite Weltkrieg in der Bank Julius Bär zu einem Einschnitt. Die Schweiz fürchtete einen möglichen Einmarsch Hitlers. Richard Bär, der Großvater des heutigen Verwaltungsratspräsidenten Raymond Bär, entschloss sich daher 1940 zur Emigration nach New York. Bestärkt wurde er in dieser Entscheidung nach den Worten von Raymond Bär durch besorgte Kunden, die sich und ihr Vermögen ebenfalls in die Vereinigten Staaten bringen wollten.

          Doch der Großvater starb kurz vor der Abreise, nur seine Witwe traf im Mai 1941 mit den vier Kindern in New York ein. Dort wurde sie, obwohl nicht vom Fach, an der Wall Street Präsidentin der wenige Monate zuvor gegründeten Baer Custodian Corporation, der ersten Auslandsgesellschaft des Geldhauses. Sohn Hans und die Geschwister hätten in Amerika die wichtigsten Lehrjahre absolviert, erzählt der Enkel in seinem Büro an der Zürcher Bahnhofstraße.

          Nach 90 Jahren an die Börse

          Nach Kriegsende kehrte Hans Bär in die Schweiz zurück und trat 1947 in die Bank ein. Später, nämlich 1980, übernahm er mit dem Börsengang der Bär Holding AG das Präsidium des Verwaltungsrats, das er bis 1996 innehatte. Es war das Jahr, in dem die Bär Holding AG in Julius Bär Holding AG umbenannt wurde und damit wieder klar auf den Gründer verwies. Neuer Verwaltungsratspräsident wurde Thomas Bär, der Bruder von Hans Bär, dem wiederum 2003 der gegenwärtige Amtsinhaber Raymond Bär als Vertreter der vierten Generation nachfolgte. Er wird nach seinen eigenen Worten im kommenden Jahr für eine weitere dreijährige Amtsperiode kandidieren.

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