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Finanzdynastien (14): Lazard : Der Picasso der Finanzbranche

In einer Zeit, in der die Rothschilds in Paris an Einfluss verloren, wurde Lazard zum bedeutendsten französischen Privatbankhaus mit erstklassigen Verbindungen zu französischen Industrie- und Handelsunternehmen. Als Berater und Finanzier war Lazard unter anderem am Aufbau von Konzernen wie LVMH (Luxusgüter), Danone (Nahrungsmittel) und Cap Gemini (Software) beteiligt. Gleichzeitig pflegte das Bankhaus seine engen Beziehungen zur Pariser Politik.

Enges Netzwerk

Die eng gesponnenen Netzwerke von David-Weill und seinen Pariser Partnern bewährten sich vor allem während der Privatisierungswelle der Jahre 1986 bis 1988. Damals begann eine bürgerliche Regierung mit dem Wirtschafts- und Finanzminister (und späteren Premierminister) Edouard Balladur zahlreiche zuvor von Sozialisten und Kommunisten verstaatlichte Unternehmen zu verkaufen.

Allerdings wollte die Regierung verhindern, dass wichtige französische Unternehmen bei dieser Gelegenheit in Auslandsbesitz fallen würden. Also schuf man das Konzept der „noyaux durs“, der harten Aktionärskerne: Die privatisierten Unternehmen wurden mit Minderheitsbeteiligungen zuverlässiger französischer Aktionäre ausgestattet.

In der Praxis wurden die Privatisierungen von einem jungen Ministerialbeamten namens Jean-Marie Messier in enger Zusammenarbeit mit der Banque Lazard organisiert. Spätestens seit jener Zeit galt Lazard in Paris als eine im Geheimen wirkende Finanz-Großmacht. Bald darauf holte Lazard den umtriebigen Messier als Partner zu sich, der aber nicht blieb, sondern mit Unterstützung durch Lazard den Medienkonzern Vivendi zuerst aufbaute und später nahezu in den Bankrott führte.

Der „letzte Imperator“ der Wall Street

Nach dem Tode André Meyers setzte Michel David-Weill, den man an der Wall Street als „den letzten Imperator“ bezeichnete, mit der Zusammenführung der drei Häuser Lazard einen alten Traum um. Zuerst übernahm er neben dem Pariser auch die Leitung des New Yorker Hauses; einige Jahre später kaufte er von Pearson die Londoner Lazard-Bank zurück.

Lazard schien sich auf einem neuen Höhepunkt zu befinden, doch in Wirklichkeit hatte längst ein Niedergang eingesetzt. Dafür verantwortlich war die Organisation des Unternehmens als Partnerschaft. Neben der Familie David-Weill, die an der Kontrolle festhalten wollte, waren wichtige und immer wieder einmal untereinander zerstrittene Mitarbeiter an der Bank beteiligt. Auf diese Weise konnte das Bankhaus niemals so viel Eigenkapital mobilisieren wie die als Aktiengesellschaften verfassten großen amerikanischen Investmentbanken.

Lazard blieb zwar eine Referenz im Beratungsgeschäft (für das man kein Eigenkapital braucht), aber umfangreiche Kredit- und Kapitalmarktgeschäfte konnte die Bank nicht stemmen. Damit drohte sie auf den Status einer Nischenbank zurückzufallen.

Kein Nachfolger unter den Kindern

Außerdem besaß Michel David-Weill, der sich wie seine engen Partner dem Rentenalter näherte, ein Nachfolgeproblem: Unter seinen Kindern befand sich kein geeigneter Nachfolger. Ein Versuch mit seinem engagierten, aber eigenwilligen und undisziplinierten Schwiegersohn Edouard Stern ging völlig schief. Stern verließ Lazard bald wieder und wurde später in Genf von einer Geliebten erschossen. „Sie sind alle in einem biblischen Alter“, kommentierte ein Pariser Bankier mit Blick auf das Trio David-Weill, Roger und Bernheim. „Das ist ja wie im Vatikan.“

Die letzten Jahre unter David-Weill waren eine Zeit der Lähmung: Da die Nachfolge lange ungeklärt blieb, verließen ambitionierte Mitarbeiter das Haus. Eine angedachte Fusion mit Lehman Brothers kam nicht zustande. Schließlich holte David-Weill im Jahre 2001 den schillernden New Yorker Investmentbanker Bruce Wasserstein zu Lazard und überließ ihm die Macht.

Wasserstein, der zuvor sein eigenes Finanzhaus an die Dresdner Bank in Frankfurt verkauft hatte, mobilisierte zunächst einmal die Truppen, indem er erfolgreichen Mitarbeitern hohe Boni auszahlte, während Alteigentümer wie die Familie David-Weill geringere Dividenden als früher erhielten.

Schließlich stellte Wasserstein Lazard vom Kopf auf die Füße: Er brachte die Bank an den Aktienmarkt und kaufte mit dem Erlös die Familie David-Weill und einige ihrer Freunde aus. Heute ist Lazard eine mittelgroße, durchaus angesehene Investmentbank, die ihre Verbindungen zu den Gründern des Hauses gekappt hat.

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