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Finanzdynastien (12): Oppenheimer : Diamantenzaren mit deutschen Wurzeln

Nicky Oppenheimer konnte die Macht nach dem Fall der Sowjetunion nicht aufrecht erhalten Bild: picture-alliance / dpa

Seit fast hundert Jahren sind die Oppenheimers die reichste Familie Südafrikas. Ihr Vermögen haben sie vor allem mit Edelsteinen gemacht. Doch ihr Diamantenkartell ist zerbrochen, und langsam bröckelt der Einfluss der Dynastie.

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          Manche nennen sie die „Königsfamilie Südafrikas“. In der Tat sind die Oppenheimers seit fast hundert Jahren die reichste Familie des Landes. Gold und Diamanten verdanken sie ihr Milliardenvermögen. Über drei Generationen hinweg beherrschten sie den weltweiten Handel mit den Edelsteinen.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Doch der Einfluss nimmt ab. Das von den Oppenheimers kreierte Diamantenkartell ist zusammengebrochen. Auch aus dem Rohstoffkonzern Anglo-American, einst von einem Oppenheimer gegründet, hat sich die Familie fast vollständig zurückgezogen. Damit neigt sich nicht nur die Geschichte einer der mächtigsten Dynastien der Welt dem Ende zu, sondern auch ein letzter Rest Kolonialgeschichte in Südafrika.

          Wie zu Kolonialzeiten

          Die Oppenheimer-Familie residiert seit drei Generationen im Johannesburger Vorort Parktown, nicht weit von den Straßen entfernt, die in den Zeiten des Gold- und Diamantenrausches eine ähnliche Rolle spielten wie heute die Wall Street. Ein schmuckloses Tor ohne Namensschild führt zu dem 16 Hektar großen Anwesen. Es wird nur nach Anmeldung für Besucher geöffnet.

          Kaum jemand würde hinter dem Tor mehrere im kapholländischen Stil errichtete Herrenhäuser und opulente Gärten vermuten. Eine Bronzestatue von Renoir steht herum, in versteckten Teichen schwimmen Koi-Fische, ein 24 Meter langer Wasserfall rauscht im „japanischen Garten“. Wäre nicht die Autobahn in der Nähe, man würde sich wie auf einem Landgut zu Kolonialzeiten fühlen.

          Verdeckte deutsche Wurzel

          Ihre Wurzeln haben die Oppenheimers in Deutschland, genauer im hessischen Friedberg. Ernest Oppenheimer wurde 1902 im Alter von 22 Jahren von seinem Arbeitgeber, einem Edelsteinhändler, in das damalige Diamanten-Mekka nach Kimberley geschickt. Viele Abenteurer versuchten in dieser Zeit ihr Glück in Südafrika.

          Ernest Oppenheimer bewies besonderes Geschick. Innerhalb von wenigen Jahren schaffte er es nicht nur, Bürgermeister der Stadt zu werden. Viel entscheidender sollte für seine Zukunft der Erwerb mehrerer Goldminenrechte auf dem südafrikanischen East Rand sein. Um diese zu nutzen, gründete er 1917, unterstützt von der amerikanischen Bank JP Morgan, Anglo-American - den lange Zeit größten Rohstoffkonzern der Welt. Der Name sollte die deutschen Wurzeln verdecken, denn Oppenheimer selbst hatte während des Ersten Weltkriegs mit Ressentiments gegen die Deutschen zu kämpfen.

          Das Syndikat

          Von den Diamanten wollte der junge Deutsche jedoch nicht lassen. Als das Förderunternehmen De Beers, 1880 von Cecil Rhodes gegründet, in Schwierigkeiten geriet, stieg Oppenheimer ein. Drei Jahre später wurde er Chairman. Bis heute wird dieser Posten in der Familie von Generation zu Generation weitergereicht.

          Den Grundstein zur Weltmacht jedoch legte der passionierte Unternehmer mit der Gründung der Vertriebsorganisation Central Selling Organisation (CSO), einem Kartell, das jahrzehntelang bis zu 90 Prozent des weltweiten Diamantenmarktes kontrollierte. Kritiker nannten es das „Syndikat“.

          Der Verkauf erfolgte nach einem festen, noch heute bestehenden Ritual. De Beers ließ Rohdiamanten aus aller Welt nach London verschiffen. Dort wurden sie in kleine Schächtelchen verpackt und zu bestimmten Terminen an Großhändler und Schleifer weitergereicht. Den Inhalt der Schächtelchen und den Preis diktierte De Beers. Aus dem Kartell auszuscheren schien unmöglich.

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