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Finanzdynastien (11) : Vom Raubritter zum Wohltäter

1932: Zweimal John D. Rockefeller Bild: AP

Der Name Rockefeller steht für unermesslichen Reichtum. John D. Rockefeller baute mit harten Methoden ein Ölimperium auf. Seine Nachfahren zehren bis heute davon. Ihr Vermögen haben sie wie andere Dynastien längst breit gestreut.

          5 Min.

          Wer wäre nicht gerne „reich wie Rockefeller“? Der Name der amerikanischen Dynastie steht sprichwörtlich für unermesslichen Reichtum - und ist offenbar die perfekte Identität für einen Hochstapler. Seit Wochen sorgt in Amerika ein mysteriöser Mann für Aufregung, der sich als „Clark Rockefeller“ ausgibt und behauptet, er sei ein Nachfahre des legendären Ölbarons John D. Rockefeller.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Mann geriet wegen der Entführung seiner Tochter in die Schlagzeilen und wird mittlerweile sogar mit einem Mord in Verbindung gebracht. Nach und nach stellte sich heraus, dass er nichts mit der Öldynastie zu tun hat, sondern in Wirklichkeit aus Oberbayern kommt und im Laufe seines Lebens in Amerika eine ganze Reihe verschiedener Identitäten angenommen hat.

          Reicher als Gates und Buffett zusammen

          Den Namen Rockefeller trug er besonders lange - und kam viele Jahre damit durch. Nun, da er als Schwindler aufgeflogen ist, ist der öffentliche Rummel um den „falschen Rockefeller“ gewaltig. Das zeigt, dass der Name bis heute einen Ruf wie Donnerhall hat.

          Amerikas Präsident Gerald Ford (r) mit seinem Vize Nelson Rockefeller im Jahr 1974
          Amerikas Präsident Gerald Ford (r) mit seinem Vize Nelson Rockefeller im Jahr 1974 : Bild: AP

          John D. Rockefeller ist mit seinem im neunzehnten Jahrhundert geschmiedeten Ölimperium Standard Oil zu einem der schillerndsten Unternehmer aller Zeiten geworden. Er gilt als der reichste Mensch, der jemals gelebt hat. Sein Vermögen auf dem Höhepunkt seines Reichtums würde nach Schätzung der Zeitschrift „Forbes“ heute fast 320 Milliarden Dollar entsprechen, wenn man die Inflation berücksichtigt. Das stellt die Superreichen von heute wie den Investor Warren Buffett oder Microsoft-Mitgründer Bill Gates in den Schatten, die in der aktuellen Forbes-Liste mit 62 Milliarden und 58 Milliarden Dollar geführt werden.

          Ruppiger und skrupelloser Wohltäter

          Rockefeller wurde nicht nur berühmt für den Reichtum an sich, sondern für die Skrupellosigkeit, mit der er zu Geld kam. Kritiker nannten ihn einen der industriellen Raubritter (“Robber Barons“) aus dem neunzehnten Jahrhundert, die ihr Vermögen auf dem Rücken von anderen gemacht und ihre Wettbewerber mit ruppigen Methoden ausgeschaltet haben.

          Daneben gibt es aber auch das ganz andere Bild des Wohltäters: John D. Rockefeller hat einen großen Teil seines Geldes für karitative Zwecke hergegeben, er gilt als einer der Urväter der Philanthropie. Vom gigantischen Vermögen, das John D. Rockefeller geschaffen hat, zehren auch seine Nachfahren noch heute. Keiner seiner Erben hat eine ähnliche unternehmerische Leistung vollbracht, aber viele Mitglieder der Rockefeller-Familie sind zu einflussreichen Figuren in Wirtschaft und Politik geworden.

          Von Süßwaren zum Öl

          Die Rockefellers haben ihre Wurzeln in Deutschland, der ursprüngliche Name war „Rockenfeller“. Im Jahr 1723 wanderte Johann Peter Rockenfeller aus Neuwied nach Amerika aus, John D. Rockefeller ist sein Urururenkel. John wurde im Jahr 1839 geboren, er wuchs als zweites von sechs Kindern in einfachen Verhältnissen auf.

          Seine Geschäftstüchtigkeit hat er schon als Kind unter Beweis gestellt: Er kaufte billig Großpackungen von Süßigkeiten und verkaufte die Ware dann in kleineren Mengen mit Gewinn an seine Geschwister weiter. Mit 16 Jahren arbeitete er als Buchhalter in einem Kommissionshaus, in dem mit Lebensmitteln gehandelt wurde. Ein paar Jahre später machte Rockefeller sein eigenes Handelshaus auf.

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