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Finanzdynastien (1): Die Medici : Der Finanzierung der Päpste verdankten sie ihren Reichtum

Giovanni di Bicci de' Medici Bild: GFDL

Keine andere Bankiersfamilie in der europäischen Geschichte war der dynastischen Idee so verfallen wie die Medici. Sie transformierten wirtschaftliche in politische Macht. Obwohl ihre Bank unterging, retteten sie ihre Adelsherrschaft.

          5 Min.

          Keine andere Bankiersfamilie in der europäischen Geschichte war der dynastischen Idee so verfallen wie die Medici. In ihrer Grablege haben sie dem Anspruch, Macht und Einfluss für Generationen zu sichern, Ausdruck verliehen: In der Kuppel symbolisiert ein gemaltes Horoskop die dynastische Vorbestimmung der Familie. Von diesem Gedanken war das Handeln der Medici beherrscht.

          Judith Lembke
          Redakteurin im Ressort „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fast alles, was wir heute mit dem Namen verbinden, lässt sich auf ihn zurückführen: Großer Reichtum, politische Intrigen, kluge Heiratspolitik, Mäzenatentum - all das diente letztlich nur dazu, die hervorragende Stellung der Familie für die Nachkommen festzuschreiben. Das ist besonders erstaunlich, weil die Medici keineswegs dem Adel entstammten, sondern der bürgerlichen Mittelschicht. Außerdem sprach im 14. Jahrhundert nicht viel dafür, dass sie innerhalb weniger Dekaden zur reichsten und mächtigsten Sippe von Florenz aufsteigen würden, war es mit der Familie im späten Mittelalter doch eher bergab gegangen.

          Nähe zum Pontifex maximus hilft der Familie

          Giovanni di Bicci de' Medici, der Begründer der Bank, wurde 1360 in eine wohlhabende, aber keineswegs reiche Familie geboren. Wie viele andere Bankiersfamilien zu der Zeit lag der Ursprung des Unternehmens im Tuchhandel, der jedoch gegenüber den Finanzgeschäften an Bedeutung verloren hatte. Zunächst arbeitete Giovanni di Bicci in einer Bank, die einem entfernten Cousin gehörte, und stieg dort schnell zum Partner und Leiter der römischen Filiale auf.

          Lorenzo der Prächtige
          Lorenzo der Prächtige : Bild: GFDL

          1397 kehrte der aufstrebende Medici-Spross nach Florenz zurück und gründete dort mit zwei Teilhabern eine eigene Bank. Einer der Partner stieg jedoch schon nach ein paar Monaten wieder aus - ein Schritt, den er bereut haben wird, starb er doch im Schuldgefängnis, während seine ehemaligen Partner zu den reichsten Bürgern von Florenz aufstiegen. Ihr Vermögen machten die Medici vor allem als Finanziers des Papstes - und zwar zu einer Zeit, als Zinsnahme von der katholischen Kirche offiziell noch verdammt wurde. Andererseits war die Kurie von dem Wirken der Bankiersfamilien abhängig, denn nur mit Hilfe ihres weitgespannten Filialnetzes konnte sie die Abgaben der Gläubigen aus ganz Europa eintreiben.

          Die Nähe zum Pontifex maximus verhalf der Familie nicht nur zu Ansehen, sondern verschaffte ihr auch ordentliche Gewinne. Die Medici erhielten von der Kurie Provisionen für getätigte Geschäfte und entschieden bei der Vergabe von Pfründen und Ämtern schon bald mit. Mehr als die Hälfte ihres Gewinns erwirtschaftete die Bank unter Giovanni di Bicci am Tiber, und auch später dienten die römischen Geschäfte der Bank als finanzielle Basis.

          In Florenz waren die Medici vor allem im Kreditgeschäft tätig, das wegen des Wucherverbots jedoch als Wechselgschäft getarnt war. Die Gewinne investierte der Bankgründer vor allem in Grundbesitz. Das versprach zwar nur eine niedrige Rendite, aber viel Sozialprestige, lebte doch der gesamte europäische Adel vor allem von der Landrente. Auch politisch war Giovanni di Bicci in der Florenzer Stadtregierung aktiv, zog die Fäden jedoch vor allem im Hintergrund. Am Sterbebett gab er seinen Söhnen mit auf den Weg, sie sollten "das Auge der Öffentlichkeit" meiden, um keine Missgunst zu erregen - wenige letzte Ratschläge sind wohl so wenig befolgt worden.

          Ab 1429 leitete sein Sohn Cosimo der Ältere die Geschäfte. Er führte die Medici-Bank, die von nun an nicht einmal mehr sechzig Jahre existieren würde, in ihre Blütezeit und begründete den späteren Einfluss der Familie. Als Cosimo die Gesellschaft übernahm, konnte sie mit ihrem Vermögen den Bardi oder Peruzzi, den großen Florentiner Banken des 13. und 14. Jahrhunderts, noch lange nicht das Wasser reichen. Ihre Struktur war den untergegangenen Bankhäusern jedoch überlegen: Während die Bardi und Peruzzi seinerzeit bankrott gingen, weil die Bank als Ganzes für die Schulden jeder einzelnen Filiale haftete, hatte die Medici-Bank erstmals eine Holding-Struktur: Jede Niederlassung agierte als eigene Gesellschaft, 40 Prozent der Anteile gehörten dem Filialleiter, der Rest den Medici. Allerdings haftete weder die Familie noch die Zentrale in Florenz, sondern eine eigens gegründete Dachgesellschaft.

          Cosimo spann auch das enge Beziehungsnetz, auf dem die Macht der Medici beruhte: Er perfektionierte ein System der Einflussnahme und Kontrolle, das dem der Mafia nicht unähnlich ist, die sogenannte Patronage. Im ihrem Zentrum steht der Patron, der seine Schützlinge auf verschiedene Weise fördert. Er verschafft ihnen Ämter, Pfründe und gute Beziehungen und hilft ihnen über finanzielle Engpässe hinweg. Als Gegenleistung muss der Klient in seiner jeweiligen Position zum Vorteil des Patrons handeln und dessen Macht und Prestige mehren.

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