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Finanzaufsicht in Frankfurt : Die Wacht am Main

Wachturm: Die Aufseher der EZB sitzen im Frankfurter Japan-Center. Bild: Müller, Verena

In Frankfurt siedeln sich immer mehr Aufsichtseinrichtungen an. Die Politik frohlockt. Schon nennt sich die Stadt Aufsichtsmetropole. Aber was hat sie davon?

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          Solche Momente genießen sie in Frankfurt. Gleich zwei Landesminister sind aus Wiesbaden angereist, der grüne für Wirtschaft, Tarek Al-Wazir, und der schwarze für die Finanzen, Thomas Schäfer, und zudem noch der Parlamentarische Staatssekretär aus dem Bundesfinanzministerium, Michael Meister. Sie alle sind in das oberste Stockwerk des schicken Westhafenturms gekommen – des „Gerippten“, wie der Frankfurter in Anlehnung ans Apfelweinglas sagt –, um den versammelten Journalisten den gleichen Satz in unterschiedlichen Worten in die Blöcke zu diktieren: Heute ist ein guter Tag für den Finanzplatz Frankfurt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es galt an diesem Tag im April, die Ansiedlung der Geschäftsstelle der Gleif in der Mainmetropole zu feiern – der ersten „global-supranationalen Institution in Frankfurt“. Was die Global Legal Entity Identifier Foundation genau macht, ist kompliziert zu erklären, aber dass am Ende jeder Finanzdienstleister in der ganzen Welt von ihr eine eindeutige Identifikationsnummer aus Frankfurt erhält, das ist den Standortstrategen ganz wichtig. Denn wieder ist mit ihr eine zentrale Einrichtung, die die Finanzwelt nach der großen Krise sicherer machen soll, an den Main gezogen.

          Neuer Beiname für Deutschlands Finanzmetropole

          „Aufsichtsmetropole“ ist der neue Beiname, den die Standortvermarkter dem wichtigsten deutschen Finanzplatz zugedacht haben. Und er passt. Während die Großbanken der Stadt international bestenfalls im Mittelfeld spielen und vom Börsenhandel in der Stadt nicht mehr viel übrig ist, kann sie doch inzwischen eine ganze Reihe wichtiger Aufsichtsinstitutionen aufweisen.

          Die Bundesbank und ein Teil der Bafin sitzen schon lange hier. Mit der Finanzkrise wurde für die Bankenrettung noch die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung, die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa und der bei der EZB angesiedelte Systemrisikorat in der Stadt gegründet. Allein in diesen Institutionen hat die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in einer Studie aus dem vorigen Jahr gut 1300 Aufseher in der Stadt gezählt.

          Seit November vergangenen Jahres residiert hier nun auch noch die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank, die 123 systemrelevante Institute des Euroraums überwachen soll. 1000 Mitarbeiter aus ganz Europa sitzen seither im Japan-Center mitten im Bankenviertel. Nach allem, was zu hören ist, werden es eher mehr als weniger, weil das Aufgabenpensum doch gewaltig ist. 60 bis 70 Mitarbeiter, die teilweise noch für die verschiedenen nationalen Aufsichtsbehörden arbeiten, kümmern sich dort jeweils um eine Bank. Gerade zu Anfang müssen sich die Kollegen erst einmal auf gemeinsame Standards einigen und versuchen, die besten Methoden zusammenzutragen. Inzwischen, so ist zu hören, sind die Standards in einem 1000 Seiten starken Werk vereint, der „Aufsichts-Bibel“, wie sie bei der EZB sagen.

          Hoffen auf neue Arbeitsplätze

          Die Helaba-Volkswirte, deren Studie halb Analyse, halb Standortmarketing ist, kommen zu dem Schluss: „Mit dem Ausbau der europäischen Regulierungs- und Aufsichtsarchitektur schärft der Finanzplatz Frankfurt zunehmend sein Profil und avanciert nun endgültig zur Aufsichtshauptstadt im europäischen Finanzwesen.“ Doch ein solcher Titel allein bringt wenig. So äußern sie auch, was viele in der Stadt hoffen, dass nämlich rund um die Aufsichtsbehörden selbst noch weitere Arbeitsplätze entstehen. „Nah dran zu sein an den relevanten Entscheidungsprozessen und ,en passant‘ Kontakte pflegen zu können erhöht für Finanzinstitute den Anreiz, in Frankfurt präsent zu sein“, heißt es in der Studie weiter.

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