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Falk-Fonds : „Es war auch ein Stück Trauerarbeit“

  • -Aktualisiert am

Mehr als diese Geldschnipsel waren auch die Anteile der Falk-Fonds nicht wert Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Abwicklung der Falk-Fonds steht vor dem Abschluss. Damit nähert sich ein bitteres Kapitel für geschädigte Anleger nach mehr als 2000 Gerichtsverfahren einem Ende.

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          Ein trauriges Kapitel deutscher Kapitalmarktgeschichte nähert sich seinem Ende: Mehr als 2000 Gerichtsverfahren sind abgeschlossen, 18 Millionen Euro mussten Anleger an den Insolvenzverwalter zahlen, und mehr als 3000 Anleger sind um eine Erfahrung reicher und um viele tausend Euro ärmer geworden. Damit ist die Abwicklung der Münchener Falk-Gruppe mehr oder weniger abgeschlossen - 80 geschlossene Immobilienfonds mit einem Wert von 3,2 Milliarden Euro hatte die Gruppe aufgelegt, bevor sie 2005 in die Insolvenz schlitterte.

          „Es war auch ein Stück Trauerarbeit“, sagt Rechtsanwalt Josef Nachmann, der zuständige Insolvenzverwalter, der eine unangenehme Aufgabe hatte: Er musste von vielen tausend Anlegern Geld zurückverlangen, welche die Falk-Fonds an sie ausgeschüttet hatten. Der Grund dafür: Viele der Ausschüttungen der Falk-Fonds an Anleger waren nicht durch Gewinne gedeckt, sondern wurden aus dem Vermögen der Fonds geleistet. Auf diesem Weg, so die nun mehrheitliche Auffassung der Gerichte, haben die Anleger ihre durch die Anteilszeichnung erbrachte Einlage wieder zurückerhalten, womit ein Anspruch auf Wiederauffüllung des Haftungskapitals bestand. Vereinfacht gesagt, haben die Fonds also heimlich Haftungskapital an die Anleger ausgeschüttet, das der Insolvenzverwalter zur Befriedigung der Forderungen der Gläubiger dann bei den Anlegern eintreiben musste.

          Insolvenzverwalter bekam meistens Recht

          Für die Falk-Anleger war das ein böses Erwachen. Nicht nur, dass sie zusehen mussten, wie ihr Fonds in die Insolvenz gerät, nun wurden sie auch noch vor Gericht gezerrt und dazu verdonnert, Ausschüttungen, welche der Fonds an sie geleistet hat, wieder herauszugeben.

          Bei den Falk-Fonds Nummer 71, 68 und 59 gab es gütliche Einigungen; hier wurden den Anlegern Vergleiche angeboten: Der Insolvenzverwalter verzichtete auf einen Teil der Forderungen, wenn die Anleger sofort und freiwillig zahlten. Bei mehr als 2000 säumigen Anlegern allerdings landete die Sache vor Gericht, in den meisten Fällen wurden laut Nachmann Vergleiche geschlossen. Immerhin hätten 17 der insgesamt 23 deutschen Oberlandesgerichte fast durchgängig zugunsten des Insolvenzverwalters entschieden.

          Falk, einer der größten Anbieter geschlossener Immobilienfonds in Deutschland, scheiterte an mehreren Dingen: zunächst einmal daran, dass der Gesetzgeber anfing, den Sumpf der Steuersparmodelle auszutrocknen - jenen Sumpf, in dem Falk auf Jagd auf Anleger ging. Falk köderte Anleger mit üppigen Steuervorteilen; die in Aussicht gestellten Renditen waren äußerst aggressiv berechnet. Als weiteres Lockangebot gab Falk Mietgarantien für die von den Fonds erworbenen Objekte; über die Güte dieser Mietgarantie haben sich die Investoren offenbar wenig Gedanken gemacht. Und um die Vertriebsmaschinerie so richtig in Schwung zu bringen, so sagen Kenner der Szene, wurden dem Vertrieb üppige Provisionen gezahlt - ein weiterer Kostenfaktor, der die Wirtschaftlichkeit der Fonds belastete. „Das System Falk hat nur in der Vorwärtsrolle funktioniert“, sagt Nachmann. Gelegentlich machte das böse Wort vom Schneeballsystem die Runde.

          Verschiedene Fehler führten zum Aus

          Wie immer bei solchen fein austarierten Systemen genügt oft ein Windstoß, um diese Konstruktion ins Wanken zu bringen. Im Fall Falk kam eher eine ganz steife Brise. Der schleichende Niedergang der Renditen auf dem deutschen Immobilienmarkt, ein schlechtes Händchen beim Einkauf neuer Immobilien, hohe Kosten und der Niedergang der Steuersparmodelle brachten das System Falk zum Einsturz.

          Kenner der Verhältnisse sprechen davon, dass Falk sehr vertriebsorientiert war und darauf angewiesen war, frisches Geld einzusammeln, um die Mietgarantien der Altfonds zu bedienen. Doch bei nachlassenden Renditen geriet der Vertrieb ins Stocken, und nahezu ganz zum Erliegen kam der Absatz neuer Fonds - womit Falk die Mittel ausgingen. Nach einer Reihe kreativer Ideen zur Generierung neuer Mittel - unter anderem wurden Anleger mit einem Erbbaupachtfonds und einem Zinsfonds geködert, um Geld einzusammeln - war dann 2005 Schluss. Bitter für die Anleger und ein bitteres Fazit von Insolvenzverwalter Nachmann: „Die schrecklichsten Dinge, die im Prospekt erwähnt wurden, sind auch eingetroffen.“

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