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Expertenumfrage : Wohin mit dem Geld?

Bild: picture-alliance / dieKLEINERT.d

Wohin mit dem Geld? Eine Luxusfrage, die sich aber nicht wenige Deutsche derzeit stellen. Grund genug für FAZ.NET, diese Frage an deutsche und europäische Profis weiterzureichen.

          Wer kein Geld hat, hat Probleme. Wer Geld hat auch. Die häufigste Frage, die heute Bankberatern gestellt wird, ist: Was mache ich mit dem Geld? FAZ.NET hat zehn deutsche und europäische Anlageexperten befragt, was sie 2014 mit dem Geld machen. Wie sie Aktien sehen. Und die Schwellenländer. Was sie gegen Risiko unternehmen. Und was schlimmstenfalls passieren kann.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gewisse Trends sind unverkennbar. Erkenntnis Nummer eins: An Aktien geht wohl kein Weg vorbei. Denn auf Festgeld und Anleihen gibt es weiter kaum Zinsen. Und wenn es etwas mehr gibt, werden die Anleger Anleihen verkaufen. Das lässt die hohen Kurse fallen, was die Anleger mehr kosten wird, als es ihnen bringt, rechnet Maarten Geerdink vom belgischen Vermögensverwalter Petercam vor. Selbst ohne Zinsanstieg seien die Aussichten bescheiden. Ein Wort, das öfter fällt, wenn es um die Aussichten von Anleihen guter Bonität geht.

          So richtig überzeugt von Aktien sind die Vermögensverwalter, Strategen und Fondsmanager nicht. „Keine Anlageklasse ist so richtig super-attraktiv“, sagt etwa Hartwig Kos von der britischen Fondsgesellschaft Barings. „2014 wird wohl ein Jahr der eher langweiligen Renditen.“ Was die Aussichten von Aktien angeht, bringt es Max Schott vom deutschen Vermögensverwalter Schott Sand auf den Punkt: „Die tief hängenden Trauben sind geerntet.“

          Es wird also schwierig. Aber wo sollen sie sich hinwenden? Die Ansichten sind geteilt, aber so geteilt wieder auch nicht. Zwei Regionen werden empfohlen, der eine Favorit ist Japan. „Der aktuelle Abwertungstrend des Yen bringt vielen Unternehmen deutliche Gewinnzuwächse. Im Gegensatz zu den meisten anderen Märkten ist der Treiber damit hauptsächlich ein Anstieg der Gewinne.“, sagt Flemming Larsen von der dänischen Fondsgesellschaft Jyske Invest.

          Der andere Favorit ist  – Europa.  „Wegen der Aufholeffekte und der Bewertung ist für uns der Euroraum am attraktivsten.“, sagt Stefan Freytag von der Deutschen Oppenheim, dem größten Family Office hierzulande.

          Nicht einfach, aber auch kein Jahr des Schreckens

          Wer unter dem Strich mit der Rendite zufrieden sein will, muss  zwangsläufig mehr Risiken eingehen. Als besonders riskant gelten einigen die Schwellenländer. „Meines Erachtens ist hier große Vorsicht geboten.“, sagt Hans Hurschler vom Hedgefonds FRM. „ Die Schwellenländer werden voraussichtlich am stärksten unter dem so genannten Tapering der amerikanischen Notenbank leiden. Hinzu kommen in einigen Schwellenländern strukturelle Probleme.“ Andere sehen da eher Chancen. „Jetzt wieder!“, sagt Michael Kohlhase vom gleichnamigen Vermögensverwalter kurz und bündig, wenn gefragt, ob Anlagen in Schwellenländern noch empfehlenswert seien. Vielfältig sind die Rezepte, wie man mit dem Risiko umgehen kann: Hedgefondsstrategien, Hochzinsanleihen, Pfandbriefe, Wandelanleihen, um nur einige zu nennen.

          Kann auch einiges so richtig schiefgehen? Und ob. Die Vielfalt der schlimmsten Szenarien ist groß. Schwellenländerkrise, Zusammenbruch des chinesischen Finanzsektors, ein abermaliges Aufflammen der Eurokrise oder ein Vertrauensverlust in die Politik der Notenbanken sind nur einige der möglichen Schrecken. Und selbst ein besonders starkes Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten könnte nachteilig sein, meint William de Vijlder von der französischen Investmentbank BNP Paribas. Das könne die Anleiherenditen beträchtlich steigen lassen und den Aktienmärkten einen Dämpfer verpassen.

          Aber für sehr wahrscheinlich halten die meisten der Experten die „Worst-Case-Szenarien“ meist nicht. Und man kann nicht nur in Angst leben. Für den Fall einer dramatischen Haushaltskrise in den Vereinigten Staaten empfiehlt etwa Tom Mermuys von der belgischen Fondsgesellschaft  KBC nur noch, ein tiefes Loch zu graben und sich darin zu verstecken. „Und natürlich kann es auch immer Krieg, Terroranschläge oder große Naturkatastrophen geben.“

          Wer viel fragt, bekommt viele Antworten. Das ist nicht schlecht, denn es hilft, den eigenen Blick zu schärfen und das eigene Urteil zu verbessern. Das soll dieses Themenpaket von F.A.Z.NET leisten.

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