https://www.faz.net/-gv6-qes8

Expertengespräch : Brasilien bleibt stark

  • Aktualisiert am

Bild: HSBC

Sorgen um das Wachstum Lateinamerikas machen sich manche Investoren, die eine Rezession in den Vereinigten Staaten befürchten. Doch während dies Mexiko zuschaffen machen dürfte, bleibt die brasilianische Wachstumsstory intakt, meint Luiz Ribeiro, Fondsmanager bei HSBC.

          4 Min.

          Schwellenländer sind für viele Anleger derzeit immer noch eines der interessantesten und ertragreichsten Investment-Themen. Ob Indien-, Indonesien- oder Türkei-Fonds, in den vergangenen Monaten gehörten diese Anlagen zu den erfolgreichsten Fonds-Kategorien.

          Mit dabei, wenn auch nicht ganz vorne sind Lateinamerika-Fonds, die es im Schnitt in den vergangenen zwölf Monaten immerhin auf ein Plus von rund 30 Prozent brachten. Doch wer über Lateinamerika spricht, spricht beileibe nicht über den ganzen Kontinent, sondern letztlich nur über einige wenige Länder.

          Wirtschaftspolitik Argentiniens geht in die falsche Richtung

          Die Gruppe der unterentwickelten Länder wie den Guyanas oder Paraguay, das, wenn überhaupt vor allem durch Schmuggel von sich reden macht, ist für Aktienanleger ebenso wenig interessant wie die Staaten der Chavez-Fraktion, Venezuela, Bolivien und Ecuador, die auf ihrem neo-sozialistischen Pfad wenig Investitionsmöglichkeiten bieten.

          Bild: HSBC

          Folgt man Luiz Ribeiro, Manager des Brazil-Equity- und des Latin-American-Freestyle-Fonds der britischen Gesellschaft HSBC, so engt sich das Feld im kommenden Jahr noch weiter ein. Denn mit Ausnahme Brasiliens haben die anderen Märkte zumeist doch einen Haken.

          In Argentinien missfällt dem Brasilianer die Grundrichtung der makroökonomischen Politik. Allein die offizielle Inflationsrate belaufe sich derzeit bereits auf zehn Prozent und werde sich wohl im kommenden Jahr auf 15 Prozent beschleunigen. Die verwendeten Instrumente zur Bekämpfung wie Preiskontrollen seien ungeeignet und hätten in einigen bereichen bereits zu Knappheiten geführt.

          Stagnierende Metallpreise könnten peruanische Aktien bremsen

          Mittelfristig werde man nicht umhin können, die Politik deutlich zu ändern und etwa die Zinsen zu erhöhen und den Pesokurs zu liberalisieren. Das werde sicher schmerzlich werden. Derzeit unter der Regierung Kirchner sieht der Manager aber keine Tendenz dazu. Und dieses unklare Szenario machen den Markt weiter unattraktiv, der ohnehin klein sei und nicht viele Investitionsmöglichkeiten biete.

          Klein sind andere Märkte auch, zeigten sich aber zumindest in der Vergangenheit erheblich attraktiver. Peru etwa, wo die Gewinne je Aktie im laufenden Jahr um knapp 40 Prozent stiegen und damit deutlich stärker als im Schnitt der Schwellenländer. Indes sind die Prognosen für 2008 eher bescheiden. Mit einem im Durchschnitt prognostizierten Zuwachs von 5,8 Prozent soll das Gewinnwachstum noch hinter das japanische zurückfallen. Ursache seien, so Ribeiro, die Aussichten auf stagnierende Metallpreise. Und Minenwerte haben für Peru eben zentrale Bedeutung. Dennoch ist er für die Wirtschaft des Andenstaates recht optimistisch. Der lokalen Wirtschaft gehe es gut, nicht zuletzt dank der florierenden Exportwirtschaft.

          Mexiko von Vereinigten Staaten belastet

          Weiniger positiv gestimmt ist der Manager für Mexiko. Zwar dürfe man die Auswirkungen der amerikanischen Konjunkturschwäche für die Weltwirtschaft im allgemeinen nicht überbewerten. Für Mexiko hingegen habe sie höhere Bedeutung, schließlich gehen 85 Prozent der mexikanischen Exporte in die Vereinigten Staaten. Er hält noch einige Enttäuschungen für möglich. Das Gewinnwachstum könne noch schwächer ausfallen und trotz einer Bewertung des Marktes mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,4 sei es zu früh, um hier einzusteigen. Zudem rechnen die Analysten im kommenden Jahr mit einem Anstieg des Kurs-Gewinn-Verhältnisses auf knapp 14 - ein Unikum in Lateinamerika.

          Katy Dobson, Fondsmanagerin des Threadneedle Latin America Fund rechnet schon für 2007 mit einer rückläufigen Wachstumsrate, allzumal die darbende Bauwirtschaft in den Vereinigten Staaten zu geringeren Geldtransfer nach Mexiko führt und dort den Konsum spürbar bremst.

          Brasilien - die entscheidende Größe

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In einem mobilen Impfzentrum im sächsischen Markkleeberg lässt sich eine Bürgerin am 10. Mai 2021 gegen Covid-19 impfen.

          Repräsentative Studie : Was die Sachsen über Corona denken

          Ist Sachsen ein Land der „Querdenker“? Ja und nein, ergab eine repräsentative Studie. Besonders weit gehen die Meinungen bei Leuten auseinander, die selbst eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben.
          Ein Containerschiff läuft aus dem Hafen von Yantian aus

          Hafen von Yantian : Mega-Stau lähmt den Welthandel

          Unternehmen warten jetzt schon wochenlang auf Waren. Nun droht ein noch größerer Engpass als nach dem Stillstand im Suezkanal: Der Verkehr im Containerhafen Yantian in Shenzhen ist zur Hälfte lahmgelegt.
          Der Kiessee: Göttingen ist laut der EU-Umweltagentur EEA die deutsche Stadt mit der besten Luftqualität.

          Rangliste : Wo die Luft am besten ist

          Wie steht es um die Luftqualität in Städten Europas? Diese Frage beantwortet die EU-Umweltagentur mit einer Liste von mehr als 320 Städten. Wo landen die deutschen Vertreter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.