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Exotenmärkte : Traumhafte Gewinne gesucht

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Nach wie vor sind die Emerging Markets aussichtsreich - nicht nur die dritte Generation, auch ihre Vorfahren. Die Analysten von BCA Research ziehen Parallelen zur Wall Street der späten neunziger Jahre: Damals ratterten die Vereinigten Staaten als Konjunkturlokomotive der Welt voran, die Unternehmen waren dynamisch, der Dollar stark. Geringe Inflation und niedrige Zinsen beschleunigten den Aufschwung, indem sie den Konsumenten und Unternehmen einen Kauf- und Investitionsrausch erlaubten. Anleger aus aller Welt wollten mit von der Partie sein und am Boom verdienen.

Hausse könnte noch einen langen Atem haben

Die Schwellenländer steckten in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre dagegen in einer schweren Krise. „Heute ist genau das Gegenteil wahr“, glaubt BCA-Stratege Arthur Budaghyan. „Die Vereinigten Staaten und die Schwellenländer haben ihre Rollen getauscht.“ Während in den neunziger Jahren für Anleger kein Weg an Wall Street vorbeiführte, seien nun die Emerging Markets erste Wahl. Die These ist gewagt, wird aber vom Internationalen Währungsfonds gestärkt. Der stellt in seinem jüngsten Ausblick fest, dass die Weltwirtschaft in diesem und dem kommenden Jahr um jeweils 4,9 Prozent wachsen wird, obwohl die Konjunktur in Amerika empfindlich abkühlt und das Volkseinkommen der Industrieländer nur um 2,5 und 2,7 Prozent wachsen dürfte. Die Schwellenländer machen das mit ihrem hohen Wachstumstempo von mehr als sieben Prozent wett.

Wenn das stimmt, könnte die Hausse in den Emerging Markets noch einen langen Atem haben. Denn mangels phantastischer Renditen in Amerika und Westeuropa werden Anleger wohl weiter in die Ferne schweifen. Dafür spricht auch die Bewertung: Obwohl die Aktienindizes der Schwellenländer Dax und Dow längst abgehängt haben, sind sie noch immer günstiger bewertet. Einzelne Börsen sind allerdings schon extrem heiß gelaufen. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis im kleinen Litauen bei rund 30, in Peru über 40. Andere Märkte wie Thailand dagegen sind mit einem KGV von elf recht billig.

„Einige Millionen Euro können eine Rally einläuten“

Noch kann die Rally der Exoten als Aufholprozess verbucht werden. Aber die Skepsis wächst, ob die dritte Welle der Emerging Markets nicht in eine Spekulationswelle mündet. Selbst die Profis sehen Parallelen zum Neuen Markt. Zumindest in den kleinen Emerging Markets machen sich die Anleger ihre Hausse selbst. „Einige Millionen Euro können im Baltikum oder in Kroatien eine Rally einläuten“, sagt ABN-Amro-Experte Koch.

Die Anleger manövrieren sich da in eine gefährliche Situation. Sie investieren ihr Geld am liebsten in Märkte, die schon bestens gelaufen sind. „Mit unserem Vietnam-Zertifikat haben wir diese Erfahrung gemacht: Der Zustrom wurde umso größer, je stärker der Markt gestiegen ist“, sagt auch Ferdinand Haas von der DWS. „Bis es krachte.“

Wer 100 Prozent im Jahr verdienen will, der muss auch mal einen Einbruch um 30 Prozent verkraften können. Andernfalls bleiben ja immer noch die Garantiezertifikate.

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