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Exchange Traded Funds : Indexfonds - aber welche?

Die Ernte kann sehr unterschiedlich ausfallen Bild: Jan Bazing

Einfach den Index kaufen: So sind ETFs gemacht. Kaum eine Geldanlage wurde so schnell so beliebt. Doch nicht jeder Fonds ist wirklich sicher.

          3 Min.

          Kaum eine Geldanlage ist in den vergangenen Jahren so schnell so beliebt geworden wie Indexfonds. Auch unter dem Kürzel ETF (Exchange Traded Funds) bekannt, ist das Bauprinzip der Fonds denkbar einfach: Wer den Indexfonds auf den Deutschen Aktienindex kauft, dessen Geld entwickelt sich so wie der Dax - nicht besser und nicht schlechter. Auch die Gebühren sind niedrig, weil keine teuren Analysten und Fondsmanager gebraucht werden.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das leuchtet nicht nur Anlageprofis ein, sondern auch vielen Privatanlegern. In zehn Jahren haben die ETFs ihr Volumen von zwei Milliarden Euro auf 160 Milliarden gesteigert.

          Die Kunden mochten Swap-basierte Fonds

          Kein Wunder, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Banken von dem Ansturm auf ETFs profitieren wollten. Doch weil es nicht viele bekannte Indizes gibt, ist auch die Zahl der ETFs begrenzt. Die Banken sind aber auf neue Ideen gekommen. Plötzlich gab es nicht nur ETFs, sondern auch ETCs („Exchange Traded Commodities“, also Rohstoffe) und ETNs („Exchange Traded Notes“, ähnlich wie Zertifikate).

          Nicht mal die ETFs selbst blieben so, wie sie waren. Bald nämlich merkten die Fondsgesellschaften, dass ein ETF sehr aufwendig werden kann. In manchem Index stecken 500 verschiedene Aktien. Immer alle davon in kleinen Mengen zu kaufen, ist ziemlich teuer. Und wenn sich der Index ändert, muss man alles auch noch umschichten.

          In Deutschland haben Index-Fonds an Bedeutung gewonnen

          Also dachten sich die ETF-Manager einen anderen Weg aus: Sie kauften gar nicht den Index, der auf dem Fonds stand, also zum Beispiel den Dax. Stattdessen kauften sie irgendwelche anderen Wertpapiere - zum Beispiel Anleihen von deutschen Landesbanken oder Aktien von japanischen Firmen. Dann schlossen sie einen sogenannten „Swap“ ab. Das ist ein Geschäft mit einer Bank, das bedeutet: Die Bank bekommt das Geld, das die Wertpapiere des Fonds verdienen- und der Fonds bekommt dafür von der Bank das Geld, das der Aktienindex bringt. Solche Fonds heißen im Finanzdeutsch „Swap-basiert“.

          Die Kunden mochten diese Swap-basierten Fonds. Denn weil die so leicht zu verwalten sind, sind auch die Gebühren ein bisschen niedriger. Das kann schon mal den Unterschied zwischen 0,55 Prozent Jahresgebühr und 0,75 Prozent ausmachen - bei den günstigen ETSs sehen schon kleine Unterschiede groß aus.

          Doch dann kam das „Financial Stability Board“, die Weltvereinigung der Börsenregulierer. Sie sagte: Swap-basierte ETFs sind gefährlich. Denn wenn die Banken Pech haben, steigt der Dax zu sehr - dann müssen sie zu viel Geld auszahlen und gehen pleite.

          Auch für Anleger haben Swaps ein Risiko: Wenn die Bank pleitegeht und ihren Swap nicht bezahlen kann, haben Anleger eben nicht den Dax im Fonds, sondern beispielsweise Anleihen deutscher Landesbanken. Das kann einen großen Verlust bringen. Zwar sind die Fonds laut dem Gesetz so eingestellt, dass sie in so einer Situation nur zehn Prozent ihres Wertes verlieren können. Aber ob das im Ernstfall tatsächlich klappt, weiß niemand.

          Schwierig und teuer

          Plötzlich schienen die Anleger unsicher zu werden. Im Herbst zogen sie aus Swap-basierten ETFs Milliarden ab, wie die Deutsche Bank vorrechnete, zum Beispiel aus denen des Anbieters Lyxor, der zur französischen Bank Société Générale gehört und der mit dieser Bank auch seine Swap-Vereinbarungen getroffen hat.

          Das Geld floss zum Teil in ETFs, die tatsächlich alle Aktien aus einem Index kaufen - im Finanzdeutsch: die „voll replizierenden“ ETFs.

          War das die große Einsicht in die Gefahren der ETFs - hatten die ETF-Besitzer etwa Angst um die europäischen Banken und um ihre Swaps?

          Anders argumentiert Lyxor. „Die erste Entscheidung der Kunden ist, in welchen Index sie investieren wollen“, sagt Lyxor-Europachef Simon Klein: Zuletzt seien die Anleger vor allem aus den Schwellenländern ausgestiegen. Und gerade die Schwellenländer-ETFs würden nun mal häufig mit Hilfe von Swaps konstruiert. Schließlich sei es in Schwellenländern oft schwierig und teuer, an die vielen unterschiedlichen Aktien zu kommen. Umgekehrt lässt sich ein Dax-ETF recht leicht vollständig nachbauen. Denn im Dax stecken nur 30 große deutsche Unternehmen, deren Aktien problemlos zu bekommen sind.

          Sind die Swap-ETFs tatsächlich die schlechtere Wahl? Muss ein ETF immer die richtigen Aktien im Depot haben, oder reicht es, wenn sich am Ende das Geld meistens richtig entwickelt? Lutz Johanning, Professor an der Privatuniversität WHU in Vallendar, hält diesen Anspruch für zu hoch, dass immer die Dax-Aktien in einem Dax-Fonds stecken - Anleger könnten solche Fonds gar nicht finden. Denn selbst wenn ein Fonds alle Aktien aus dem Dax kaufe, verleihe er sie hinterher bald an andere Fonds und verdiene an der Leihgebühr noch Geld für die Anleger. Auch das bringe Risiken. „Während der Finanzkrise ist es auch schon mal passiert, dass verliehene Aktien nicht zurückgekommen sind“, sagt Johanning.

          Doch die Swap-ETFs findet Johanning deshalb nicht unbedingt besser. Zwar hätten sie in den vergangenen, schlimmen Börsenjahren keine Probleme gemacht. „In den bisherigen Krisen ist nichts passiert, aber man weiß nicht richtig, wie es wird.“

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