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Euroraum : Deutsche Banken reduzieren ihre Risiken

Die Bankenstadt Frankfurt am Main Bild: Claus Setzer

Nicht nur deutsche, sondern auch französische Banken reduzieren ihre Engagements in den Euroländern. Morgan Stanley befürchtet eine „Balkanisierung“ des Bankenmarktes im Euroraum.

          Deutsche Banken haben in den vergangenen Jahren ihre Risiken in den Euroländern deutlich abgebaut. Wie aus aktuellen Statistiken der Bundesbank hervorgeht, gingen die Forderungen der deutschen Kreditwirtschaft gegenüber den übrigen 16 Staaten der Europäischen Währungsunion von Dezember 2009 bis Juni 2012 um 17 Prozent auf knapp 926 Milliarden Euro zurück.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Besonders deutlich fiel der Rückgang in den Krisenländern des Euroraums aus. Hatten deutsche Banken im Dezember 2009 gegenüber Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien noch Forderungen von 522 Milliarden Euro, waren es im Juni nur noch 283 Milliarden Euro. In Spanien sanken die Kredite deutscher Banken von 165 auf 97 Milliarden, in Irland von 174 auf 57 Milliarden, in Italien von 122 auf 94 Milliarden, in Portugal von 29 auf 14 Milliarden und in Griechenland von 32 auf 21 Milliarden Euro.

          Nach Angaben der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley hat sich das Risiko deutscher Banken gegenüber der Euro-Peripherie seit dem Jahr 2008 sogar von 522 auf 227 Milliarden Euro verringert. Dabei definiert Morgan Stanley das Risiko als die Differenz zwischen Forderungen und Verbindlichkeiten in den Euro-Krisenländern. Diese Finanzierungslücke der Tochtergesellschaften decken die Konzerngesellschaften in den jeweiligen Krisenländern ab. Zu den Verbindlichkeiten zählen auch die Kundeneinlagen der Tochtergesellschaften in diesen Ländern. So fordern die Aufsichtsbehörden in vielen Ländern auch eine stärkere Refinanzierung der Auslandsbanken vor Ort.

          Aus diesem Grund haben sich etwa die Tochtergesellschaften der Deutschen Bank in Italien und Spanien bei den jeweiligen Notenbanken im Zuge des zweiten Dreijahrestenders der Europäischen Zentralbank (EZB) 9 Milliarden Euro besorgt. Auch die Commerzbank hat sich so gegen einen Zerfall des Euroraums gewappnet. Denn wenn eine neue Währung in einem der Krisenländer eingeführt werden muss, würden die Wertänderungen der Forderungen an die dortigen Kunden sowie der Verbindlichkeiten gegenüber der lokalen Notenbank gleich ausfallen.

          Morgan Stanley befürchtet einen Zerfall in nationale Märkte

          Nach den Statistiken der Bundesbank haben die deutschen Banken in den Euro-Krisenländern ihre Verbindlichkeiten zwischen Dezember 2009 und Juni 2012 um 18 Prozent auf 56 Milliarden Euro erhöht. In Spanien nahmen die Schulden von 6,5 auf 12,3 Milliarden Euro zu und in Italien von 16,4 auf 20,9 Milliarden Euro. Insgesamt stiegen die Verbindlichkeiten der deutschen Kreditwirtschaft in den übrigen 16 Euroländern um 5 Prozent auf 321 Milliarden Euro.

          Eine ähnliche Entwicklung wie die deutschen Banken haben laut Morgan Stanley auch die französischen Banken vollzogen. Hier reduzierte sich das Risiko, also die Differenz zwischen Kredit- und Schuldenbestand, in den fünf Euro-Krisenländern zwischen 2008 und Mai 2012 von 800 auf 489 Milliarden Euro. Die Analysten von Morgan Stanley erwarten, dass diese Entwicklung weitergehen wird. Die Vorstände der Banken würden derzeit über Strategien diskutieren, wie die Risiken innerhalb der Währungsunion weiter reduziert werden könnten. Morgan Stanley befürchtet eine „Balkanisierung“ des Bankenmarktes im Euroraum. Darunter verstehen die Analysten den Zerfall in einzelne nationale Märkte.

          Deutlich gestiegen ist die Abhängigkeit der Banken in der Euro-Peripherie von der EZB. Spaniens Banken haben sich in den beiden Langfristtendern bei der Notenbank nach Angaben von Morgan Stanley 333 Milliarden Euro besorgt. Insgesamt haben sie von der EZB Mittel über 402 Milliarden Euro erhalten. Das sind knapp 11 Prozent der gesamten Bilanzsumme. Diese Kennziffer hat vor den beiden EZB-Langfristtendern bei weniger als 5 Prozent gelegen.

          Im Juli gingen die Kundeneinlagen spanischer Banken um 74 Milliarden Euro zurück. Seit März haben die Kunden 147 Milliarden Euro abgezogen. Italienische Banken haben von der EZB 283 Milliarden Euro erhalten. Danach folgen französische Institute mit 176 Milliarden Euro. Deutsche Banken haben von der EZB laut Morgan Stanley 79 Milliarden Euro abgerufen.

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