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Europäische Rentenfonds : Manager meiden die Peripherie

Bild: F.A.Z.

Die hohen Renditen von Staatsanleihen erscheinen verlockend - aber nur für die wenigsten Manager europäischer Rentenfonds. Viele haben sich komplett von ihren Beständen getrennt, die wenigsten kehren vorsichtig zurück.

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          Anleihen aus Staaten der europäischen Peripherie locken derzeit mit hohen Renditen. Das gilt zumindest für Privatanleger. Folgt man dagegen den Ergebnissen der jüngsten Branchenanalyse von Standard & Poor's Fund Services, so haben diese Versuchungen auf die Manager von europäischen Rentenfonds nur wenig Anziehungskraft.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Verlauf des Jahres 2010 hätten die meisten ihre Investments in der europäischen Peripherie verringert, es sei denn, die Anlageregeln oder die Bindung an den Refernzindex (Tracking-Error) habe das nicht zugelassen.

          Die Meisten scheuen das Risiko

          Sandor Steverink, Manager des von Delta Lloyd L Bond Euro Fund, der in Staatsanleihen aus dem Euroraum anlegt, trennte sich schon zu Jahresbeginn von allen Anleihen aus den betroffenen Staaten. Denn Steverink ist der Ansicht, dass die Risiken der Anlagen höher seien als ihn der Verzicht auf die entsprechenden Papiere kosten würde.

          Bild: F.A.Z.

          Andere Manager begannen dagegen im vierten Quartal wieder in kleinen Volumina in der Peripherie zu investieren. Johnny Debuysscher, der den Petercam Bonds EUR managet, ist dagegen ein Euro-Optimist. Er übergewichtet Anleihen aus der Peripherie: Die Kosten einer Umschuldung seien höher als die von Rettungsaktionen, so seine Ansicht.

          Liquiditätsfallen und Alternativen

          Doch die Möglichkeiten, in Peripherie-Anleihen zu investieren, halten sich derzeit in Grenzen. Das mussten einige Manager feststellen, die während des Jahres aus taktischen Gründen zeitweilig Positionen hielten. Mit dem Absinken der Liquidität des Marktes reduzierten sich ihre Spielräume. In der Falle sitzen dagegen Fonds wie der spanische Sabadell BS Fondtesero Largo Plaza. Dieser muss zu jeder Zeit mindestens 70 Prozent des Fondvolumens in spanischen Staatsanleihen anlegen.

          Für die meisten Manager stellte sich so die Frage nach Alternativen. Einige griffen dabei zu Unternehmensanleihen aus den Peripheriestaaten, vor allem von Banken, aber auch von Telekommunikations- und Versorgungsunternehmen. Das aber hatte seine Grenzen: Irische Bankanleihen oder Schuldverschreibungen spanischer Sparkassen wollte schlicht niemand haben. Gefragter waren da Anleihen der BBVA oder der Banco Santander, deren internationale Ausrichtung als Puffer gegen Erschütterungen auf dem Heimatmarkt galt.

          Andere Manager wählten zunächst italienische Staatsanleihen. Denn das Land wurde als nicht betroffen betrachtet, obwohl die Renditebewegungen eine Ansteckungsgefahr andeuteten. Im Dezember aber, so die leitende S&P-Analystin Kate Hollis, seien die Manager vorsichtiger geworden- So befürchtet etwa Ella Hoxha, Managerin des Invesco European Bond Fonds, dass Italien 2011 unter Ansteckungsproblemen leiden könnte.

          Institutionelle amerikanische Anleger meiden die Periherie

          Hinzu komme, dass institutionelle Kunden auf Nimmer Sicher gehen und ihre Aufträge ändern: gefragt seien vor allem bei Amerikanern nicht mehr Anlagen im Euroraum schlechthin, sondern nur noch im Euroraum unter Ausschluss der Peripherie.

          Doch das alles Ansichtssache ist, zeigt eine Feststellung von S&P: Allgemein herrsche bei Managern die Tendenz vor, vorzugsweise im Heimatland zu investieren. Spanische Manager hatten spanische Anleihen übergewichtet, österreichische Manager österreichische Rentenpapiere und französische Manager entsprechend französische Anleihen. Dies galt sowohl für pfandbriefähnliche Anleihen als auch Bank- und Staatsanleihen.

          Diese Feststellung gibt zu denken, denn eine Präferenz für das Heimatland ergibt nicht unbedingt viel Sinn für europäische Rentenfonds. Ob dies aber Ausdruck einer gefühlsmäßigen Bindung, einer mangelhaften Informationsbeschaffung oder gar einer wie auch immer gearteten Verpflichtung zur Staatsfinanzierung ist, lässt sich auch nicht beantworten.

          „Bei den Marktbewegungen 2010 ging es in erster Linie um die Peripheriestaaten“, sagt Kate Hollis. Auch für 2011 erwarteten die Manager, dass dies ein Thema bleiben wird, doch werde das Zinsrisiko mehr Bedeutung erlangen, vor allem wenn die Rentenmärkte von einer Verschärfung der Geldpolitik der EZB ausgingen. Damit hält sich der Optimismus in Grenzen. denn obwohl alle Marktteilnehmer hofften, dass die Schwankungsfreudigkeit der Märkte 2011 geringer werden wird, seien sie auf ein weiteres schweres Jahr vorbereitet.

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