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Ethik-Fonds : „Siemens ist nicht akzeptabel“

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Die konkrete Entscheidung, welche Aktie ins Portfolio kommt, trifft aber immer noch das Fondsmanagement?

Selbstverständlich. Wenn wir ein Unternehmen interessant finden, das noch nicht überprüft wurde, fragen wir beim GSI-Team an. Fresenius Medical Care hätte ich gerne in den Fonds genommen, doch das GSI-Team stellte fest, dass Fresenius nicht ohne Tierversuche auskommt. Diese Aktie kommt für uns also nicht in Frage.

Kostet diese Überprüfung nicht wichtige Zeit?

Klar kostet das Zeit. Aber manchmal, etwa bei Börsengängen, kann es auch ganz schnell gehen. Dann haben wir schon nach zwei oder drei Tagen eine Antwort des GSI-Teams. So wächst unser Anlageuniversum Schritt für Schritt immer weiter.

Im Vereinigten Königreich gibt es inzwischen schon 550 Unternehmen, die für Ihren Fonds in Frage kommen, im restlichen Europa sind es nur rund 140. Sind britische Unternehmen ethischer als festlandeuropäische?

Nein, das liegt natürlich daran, dass F&C seine Wurzeln in Großbritannien hat. Außerdem spielt ethische Geldanlage in London schon länger eine Rolle. Inzwischen wächst unser Anlageuniversum außerhalb Großbritanniens schneller.

In Japan und im restlichen Asien kommen bislang nur etwa 30 Aktien für ihren Fonds in Frage. Das ist doch sehr wenig.

In Asien verstehen viele Unternehmen nicht, was wir von ihnen wollen. Auch in Japan wurden wir vor einigen Jahren noch gefragt: „Corporate Governance? Was ist das?“ Das ändert sich aber langsam. Inzwischen hat unser GSI-Team auch die ersten Unternehmen aus Schwellenländern positiv geprüft. Der Prüfprozess ist aber noch ungleich umständlicher und langwieriger als in Westeuropa oder Amerika.

Wie sieht es mit deutschen Unternehmen aus?

In Deutschland sind wir recht stark investiert. Große Werte im Portfolio sind zum Beispiel Solarworld, Q-Cells, Rhön Klinikum und Petrotec.

Gerade Petrotec hat seit dem Börsengang im November enttäuscht. Die Aktie kam zu 17 Euro auf den Markt und kostet inzwischen 15 Euro.

In der Tat war die Performance bisher nicht gut. Gerade bei Unternehmen aus dem Sektor der erneuerbaren Energien sehen wir uns aber als langfristigen Investor. Und auf lange Sicht hat die gesamte Branche enormes Potential. In unserem Portfolio hat sie ein Gewicht von etwa zwölf Prozent.

Auf welche anderen Trends setzen Sie?

Recht stark investiert sind wir außerdem in den Branchen Biolebensmittel, Gesundheitsvorsorge, Bildung und öffentlicher Verkehr.

Bleibt für die Anleger zu hoffen, dass sich die Aktien dieser Branche künftig besser entwickeln. Im vergangenen Jahr war die Performance Ihres Fonds schließlich enttäuschend. Sie blieben hinter dem Vergleichsindex MSCI World zurück.

2006 war ein hartes Jahr. Besonders im zweiten und dritten Quartal liefen Minen-, Pharma- und Finanzwerte besonders gut - das sind alles Aktien, die wir nicht halten dürfen. Trotzdem: Auf Sicht von drei, fünf, zehn und zwanzig Jahren hat unser Fonds in Pfund gerechnet den MSCI World geschlagen. Wer ethisch investiert, muss also nicht auf Rendite verzichten.

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