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Ethik-Fonds : „Siemens ist nicht akzeptabel“

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Body Shop hatten wir nicht im Portfolio. Aber beim Stahlunternehmen Arcelor war es so: Arcelor war akzeptabel, Mittal nicht. Darum mussten wir aussteigen. In einem solchen Fall lassen uns die Investmentregeln sechs Monate Zeit, um die Aktie zu verkaufen. Ferrovial war ein weiterer Fall: Als die Spanier den britischen Flughafenbetreiber BAA übernommen haben, mussten wir aussteigen, denn Luftfahrt ist für uns ein Tabu. Dazu kommen die Einnahmen aus dem Duty-Free-Verkauf von Alkohol und Tabak.

Ein großer Unterschied zu vielen anderen Fonds ist der Ausschluss von Unternehmen, die „nicht akzeptable Geschäfte“ finanzieren. Bedeutet das, dass Sie in keinen Finanzdienstleister investieren dürfen?

Es gibt nur wenige Ausnahmen. Sie können ja nur bei den wenigsten Banken detailliert überprüfen, wem sie Geld für welche Zwecke leiht.

Dadurch schrumpft Ihr Anlageuniversum ziemlich zusammen.

Allein die Finanzdienstleister machen 25 bis 30 Prozent der Marktkapitalisierung in unserem Vergleichsindex MSCI World aus. Auch die Pharmabranche ist fast komplett ausgeschlossen, dieser Sektor macht etwa acht Prozent aus. Alles in allem können wir nur in 22 Prozent der MSCI-World-Werte investieren.

Sie schließen sogar explizit Unternehmen aus, die Muttermilch-Ersatz „unethisch“ vermarkten. Warum das?

Es gibt Unternehmen, die Ihre Werbung für Muttermilch-Ersatz in Westeuropa eingestellt haben, diese Produkte zum Beispiel in Afrika aber weiterhin vermarkten. Dort geben einige Frauen ihr weniges Geld für diese Produkte aus, obwohl sie ihre Kinder stillen könnten. Diese Vermarktungspraxis ist unserer Meinung nach nicht in Ordnung.

Sie haben nicht nur Ausschlusskriterien, sondern auch Positivfaktoren.

Genau. Dazu zählen zum Beispiel Umweltschutz und gute Arbeitsbedingungen. Wir wollen Unternehmen unterstützen, die die Grundbedürfnisse des Menschen befriedigen. Wir lehnen aber nicht nur unethische Firmen ab und unterstützen gute, sondern versuchen auch, Unternehmen dazu zu bringen, ihre soziale Verantwortung besser als bisher wahrzunehmen.

Wer entscheidet eigentlich, welches Unternehmen die Ethik-Kriterien erfüllt?

Unser Investmentprozess ruht auf drei Säulen. Zunächst überwacht ein unabhängiger Beraterkreis mit Ethik-Experten aus Wirtschaft und Nicht-Regierungsorganisationen die Investmentpolitik. Dieses Gremium trifft sich alle drei Monate und diskutiert zum Beispiel, wie der Fonds mit neuen Entwicklungen umgehen soll. Gentechnik spielte vor 20 Jahren, als der Fonds aufgelegt wurde, zum Beispiel noch keine Rolle. Oder nehmen Sie das Thema Biokraftstoffe. In Brasilien, einem der größten Produzenten, wird zum Teil Regenwald abgeholzt, um Energiepflanzen anbauen zu können. Hier muss also differenziert werden, auch wenn das Thema Biokraftstoffe für uns natürlich interessant ist.

Einzelne Unternehmen kann dieses Gremium aber wohl kaum unter die Lupe nehmen?

Nein, dafür haben wir 15 Mitarbeiter im Team für „Governance and Sustainable Investment“ (GSI). Dieses Team entscheidet, welche Unternehmen die Ethik-Kriterien erfüllen.

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