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ETF : Indexfonds haben ihr bestes Jahr seit der Finanzkrise

  • -Aktualisiert am

Bild: REUTERS

ETF setzen ihren Siegeszug fort und ziehen mehr als 173 Milliarden Euro neues Anlagegeld an. Es gibt allerdings auch Verlierer.

          3 Min.

          Indexfonds haben lange als der Billigheimer unter den Geldanlagen gegolten. Doch allmählich machen sie auch etablierten Anbietern Angst. Indexfonds - im Englischen Exchange Traded Funds genannt und deshalb häufig auch als ETF bezeichnet - haben im vergangenen Jahr ihren Siegeszug mit unverminderter Geschwindigkeit fortgesetzt. „2013 war das drittstärkste Jahr in der Geschichte der ETF“, heißt es in einem Bericht von Blackrock über die Entwicklung der Branche im vergangenen Jahr. Die amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock ist über ihre Marke iShares Marktführer im Geschäft mit Indexfonds.

          „Das weltweite Mittelaufkommen von 235,5 Milliarden Dollar wurde nur in den Jahren 2007 und 2008 übertroffen“, heißt es in dem Bericht weiter. Umgerechnet rund 173 Milliarden Euro neues Geld hat die Branche somit bei den Anlegern rund um den Erdball angezogen. Damit wurde das Jahr 2013 das beste Jahr weltweit für die Branche der Indexfonds seit Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008.

          Es gibt auch Sorgen

          Freilich ist das Vermögen, das Anleger in Indexfonds verwalten, noch relativ gering. Es beläuft sich nach Blackrock-Angaben auf 2,4 Billionen Dollar. In traditionellen Investmentfonds sind - Geldmarktfonds ausgenommen - 19,5 Billionen Dollar angelegt. Damit machen beide Produktkategorien zusammen nur rund ein Drittel der weltweiten Marktkapitalisierung der Aktienmärkte aus, deren Größe Blackrock mit 62,1 Billionen Dollar beziffert.

          Sorgen macht vielen Anbietern herkömmlicher Fonds jedoch das schnelle Wachstum, mit dem die Indexfonds-Branche wächst. Um gerade einmal 1,9 Prozent sei im vergangenen Jahr das Vermögen gewachsen, das in traditionellen Investmentfonds verwaltet wird, teilte zuvor der europäische Fondsverband Efama mit. Das Mittelaufkommen der Branche lag laut Blackrock im vergangenen Jahr bei 10,8 Prozent. Schon das zweite Jahr in Folge läge das Mittelaufkommen bei mehr als 200 Milliarden Dollar netto, jubeln die Autoren der Blackrock-Studie.

          Sicher, noch bringt die Branche wenig Gewicht auf die Waage - das verwaltete Vermögen macht 12 Prozent dessen aus, was traditionelle Fondsanbieter verwalten. Doch Indexfonds treiben die Branche zusehend vor sich her. Denn anders als herkömmliche Fondsgesellschaften versprechen die Anbieter von Indexfonds den Anlegern nicht, besser als der Gesamtmarkt abzuschneiden - ein Versprechen, das ohnehin nur wenige Anbieter herkömmlicher Fonds halten können.

          ETF sollen ihren Referenzindex - beispielsweise den Dax oder den Euro Stoxx 50 - auch gar nicht übertreffen, sondern nur dessen Verlauf so genau wie möglich abbilden. Dafür werden die Anleger nicht mit den Kosten für hoch bezahlte Fondsmanager oder teure Analysten belastet. Während deutsche Privatanleger für einen Aktienfonds häufig eine Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent zahlen, liegt sie bei ETF auf die marktgängigen Aktienindizes bei 0,1 bis 0,2 Prozent. Das überzeugt viele Anleger, vor allem jene, die sich am Index orientieren und keinen Wert auf eine besonders raffinierte Auswahl von Einzeltiteln legen.

          Der große Verlierer sind die Schwellenmärkte

          Als erster größerer Anbieter herkömmlicher Fonds hatte Blackrock reagiert und im Juni 2009 der britischen Bank Barclays den ETF-Anbieter iShares abgekauft. Andere Fondsgesellschaften haben nachgezogen. Im vergangenen Jahr legte die Deutsche Bank ihre Fondsgesellschaft DWS und den ETF-Anbieter DB X-Trackers in ihrem neuen Geschäftsfeld DeAWM zusammen. Die Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassen, übernahm ETF-Lab. Dieser Indexfondsanbieter war zwar immer schon im Universum der Sparkassen angesiedelt, aber außerhalb der Deka.

          Unter den großen deutschen Fondsgesellschaften weigern sich bisher Allianz Global Investors und die Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Indexfonds selbst anzubieten. Damit sind sie nicht allein. Viele internationalen Fondsgesellschaften, beispielsweise Franklin Templeton oder Fidelity, stehen ohne eigenen Anbieter da.

          Der große Verlierer im vergangenen Jahr waren die Schwellenmärkte. Nach der Ankündigung von Ben Bernanke, des bald scheidenden Gouverneurs der amerikanischen Notenbank Fed, im vergangenen Frühsommer, die Geldpolitik irgendwann einmal etwas weniger expansiv zu gestalten, zogen viele Anleger Geld aus Schwellenmärkten ab und lösten dort einen heftigen Kurssturz aus.

          Das verschob auch die Gewichte auf dem Markt für Indexfonds. In ETF auf amerikanische Aktien flossen im vergangenen Jahr 148 Milliarden Dollar netto, also abzüglich der Mittelrückflüsse. Indexfonds auf Aktienindizes der Schwellenländer verzeichneten unter dem Strich Mittelrückflüsse von 10 Milliarden Dollar. Das gab es lange nicht mehr.

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