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ETF-Anbieter : Der Markt für Indexfonds ändert sich erheblich

Den Dax können ETF-Anbieter auf zwei Arten abbilden Bild: REUTERS

Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank passt ihre Methode an die Kundenwünsche an. Ihre Wettbewerber reagieren unterschiedlich.

          3 Min.

          Die Deutsche Bank hat für ihre Indextochtergesellschaft DB X-Trackers klare Ziele. Auf mindestens ein Fünftel soll ihr Marktanteil bis Ende 2015 wachsen. Derzeit liegt er bei 12,5 Prozent. Dafür will sie ihre Methode ändern, mit der sie die Wertpapiere in ihren Exchange Traded Funds (ETF) abbildet. Das hatte diese Zeitung in ihrer gestrigen Ausgabe berichtet. Künftig wird sie bei 18 großen Aktienfonds nicht mehr die synthetische Methode anwenden, bei der sie Swaps nutzt, um die Wertentwicklung nachzuzeichnen. Stattdessen setzt sie wie der Marktführer iShares nun auf die physisch replizierende Methode, für die sie die im Index enthaltenen Aktien tatsächlich erwirbt und je nach Änderungen im abgebildeten Index zu- und verkaufen muss.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Im Markt gehen die Anbieter sehr unterschiedlich vor. Die ETF-Tochtergesellschaft ETFlab Investments der Deka-Bank etwa fährt zweigleisig. Grundsätzlich setzt sie einen Schwerpunkt auf die replizierende Methode. Das Management sieht diesen Ansatz für die institutionellen Investoren, bei denen ihr Anbieter 6,5 Prozent Marktanteil erreicht, als geeigneter an. Denn die Kunden tragen kein Kontrahentenrisiko. Anders bei Swapgeschäften: Dort kann bei einer Schieflage des Handelspartners auch der Fondsanbieter Schwierigkeiten bekommen.

          Lyxor ist größter Konkurrent der DB X-Trackers

          Zudem suchen viele institutionelle Anleger wie Pensionsfonds oder Versicherer die echten Erträge, die bei der physischen Methode aus den tatsächlich gehaltenen Aktien erzielt werden. Bei der synthetischen Methode verbleiben außerordentliche Erträge meist im Fondsvermögen. Zudem seien das genaue Anlageportfolio und die tatsächlichen Kosten beim physisch replizierenden Ansatz bekannt, ergänzt ein Sprecher. 29 verschiedene Fonds werden nach diesem Verfahren zusammengestellt. Immerhin kommt ein großer Teil der Mitarbeiter von ETFlab vom Marktführer iShares, der ETF-Marke der Fondsgesellschaft Blackrock, die ebenfalls auf diese Methode setzt. Für zwei Fonds indes setzt die Deka-Bank auf die Alternativmethode. Denn wie im „EuroStoxx 50 Daily Short“ notwendig, könnte sie andernfalls keine Leerverkäufe tätigen. Und der breit aufgestellte „MSCI Emerging Market“ ließe sich durch hohe Markteintrittsbarrieren und Transaktionskosten anders nicht abbilden.

          Dagegen kommt Lyxor, der größte Konkurrent der DB X-Trackers um den zweiten Platz im deutschen ETF-Geschäft, traditionell aus der synthetischen Welt. Dennoch hat das Fondsmanagement schon vor einem Jahr 15 ihrer Fonds auf die physische Methode umgestellt. Insgesamt bietet die Fondstochter der französischen Société Générale 180 verschiedene ETF an. „Wir schauen uns immer den Markt an, und fragen uns, welche Methode angemessener ist“, sagt Deutschland-Geschäftsführer Hermann Pfeifer. Wenn der Swap-orientierte Ansatz keinen Mehrwert biete, verwende er die physische Methode. Das sei etwa bei vielen Rentenfonds so, weil der Markt für Staatsanleihen breit und liquide genug sei, um auch physisch jederzeit bedient werden zu können.

          „Nachfrage gibt es nach beiden Systemen“

          „Für uns ist es wichtiger, was aus der Perspektive des Investors das beste ist“, sagt Pfeifer. Der Fonds müsse in drei Kriterien gut sein: Die Performance müsse der seines Vergleichsindex entsprechen, er dürfe keine viel höheren Schwankungen aufweisen und die Kosten der Liquidität müssten überschaubar bleiben. „Eine Kundennachfrage gibt es nach beiden Systemen, für sie stellt sich mehr die Frage der Effizienz als die der Methode“, sagt Pfeifer.

          Die stärkere Verbreitung der physisch unterlegten Fonds wird aber zumindest die Finanzaufsicht etwas beruhigen. Denn in den vergangenen Jahren zettelte sie eine Diskussion über die systemischen Risiken an, die von Swap-basierten Indexfonds ausgeht. Denn bei einem ETF auf den Dax etwa besitzt der Anleger statt der Aktie eine Forderung in derselben Höhe nach Dax-Aktien gegen einen Handelspartner. Durch das Gegenparteirisiko sind die Fondsgesellschaften verwundbar und die Finanzstabilität des Marktes kann geschwächt werden.

          Diese Diskussion scheint nicht fruchtlos geblieben zu sein. Bei der Fondsgesellschaft Invesco verzeichnet man ebenfalls eine wachsende Nachfrage nach physisch unterlegten ETF. Auch hier sieht man diese Methode generell der synthetischen überlegen. Dort wo es, anders nicht handhabbar wäre, bietet auch diese Gesellschaft ihren Kunden synthetisch erzeugte Fonds. Ob die Methode allein aber über die Ziele der DB X-Trackers entscheiden wird, zeigt sich spätestens Ende 2015.

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