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Schwellenländer : Es gibt noch gute

Das neue China? Bild: Stefanie Schramm

China und Indien müssen mittlerweile als Geldanlageziele für Anleger als zu gefährlich gelten. Als bessere Alternativen werden derzeit die Türkei und Taiwan empfohlen.

          3 Min.

          So viel hatte sich bisher bei den meisten Anlegern herumgesprochen: Wer viel Rendite haben möchte, muss sein Geld in den Schwellenländern investieren. Das sind Brasilien, Russland, Indien und China - die sogenannten BRIC-Staaten. Weil China als die größte Wachstumshoffnung unter diesen Ländern gilt, waren vor allem seine Aktien bei Sparern im Westen sehr beliebt. Doch die Zeiten haben sich geändert.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Inzwischen droht in China eine Inflation, die Zentralbank hebt die Leitzinsen an - schon haben professionelle Anleger Angst, dass das Wachstum schwächer wird. Zumal die Kurse schon seit einem Jahr stagnieren. Als dann auch noch im Januar die Unruhen in Arabien begannen, zogen die Profis Milliarden Dollar aus Schwellenländern ab - vor allem eben aus dem einst so beliebten China. In vielen Ländern sanken im Januar die Kurse.

          Hin und Her macht die Taschen leer

          Das bedeutet nicht, dass Privatanleger ihr Geld jetzt auch zurückholen sollten - zumal die ersten Profis schon wieder darüber nachdenken, ob sie in einigen Wochen nach China zurückkehren. Das zeigt schon: Es lohnt sich nicht, Aktien nach der Marktlage zu handeln. Wer ständig Aktien kauft und wieder verkauft, mehrt am Ende nicht den eigenen Wohlstand, sondern den der Bank - das haben viele Studien in den vergangenen Jahren gezeigt. Schließlich kostet jeder Handel Transaktionsgebühren. Trotzdem lehrt die Situation in China: Auch bei Schwellenländern ist es oft nicht sinnvoll, sich auf ein einziges zu kaprizieren. Wer jetzt Geld anzulegen hat, steckt lieber einen Teil in andere Länder.

          Bild: F.A.Z.

          Darum beginnt jetzt die Suche nach anderen Staaten, die genauso wachstumsstark sind wie China. Nur in wachstumsstarken Ländern können Anleger darauf hoffen, dass die Währung aufwertet - und die Währung bringt sogar den Großteil der Gewinne einer Investition in anderen Ländern. Gleichzeitig sollten aber die Aktien noch nicht so teuer sein wie in China, damit die Aktie und ihre Dividende ebenfalls Rendite bringen.

          Die drei T

          Wer so ein Land gefunden hat, für den kann die Zeit zum Kauf jetzt sogar günstig sein. Denn in den vergangenen Wochen sind die Kurse in vielen Schwellenländern um ein paar Prozent gesunken, jetzt bekommt man die Aktien wieder günstiger. „Insgesamt gesehen sind die Schwellenländer nicht übermäßig teuer“, sagt Rainer Lemm, Geschäftsführer beim luxemburgischen Vermögensverwalter GS&P.

          Wenn Lemm die Attraktivität von Ländern beurteilt, achtet er auf das Alter der Bevölkerung, denn junge Länder wachsen eher. Er analysiert, ob das Wachstum der Länder die Börse noch überraschen kann - daher kämen die Kurssteigerungen. Und er investiert nur in Länder mit stabilem Rechtssystem, um sicherzugehen, dass er seine Gewinne auch behalten darf - deshalb scheidet Russland für ihn aus. Am Ende seiner Überlegungen bleiben allerdings noch einige attraktive Länder übrig. Er mag vor allem drei, die mit T anfangen: die Türkei, Taiwan und Thailand.

          Istanbul ist billiger als Frankfurt und Schanghai

          Die Türkei läuft schon seit einigen Jahren gut. Eigentlich sollte sie schon gar nicht mehr zu den Schwellenländern zählen, sagte der Anlagechef von Goldman Sachs, Jim O'Neill, kürzlich im F.A.Z.-Interview (vgl. Jim O'Neill: „Die Aktienkurse steigen dieses Jahr um 20 Prozent“). Doch die Wirtschaft dort wächst nach wie vor kräftig. 2010 ist die Wirtschaftsleistung um fast acht Prozent gestiegen.

          Trotzdem sind die Firmen im türkischen Leitindex noch günstig. Gemessen an den aktuellen Gewinnen, sind sie sogar günstiger als die Firmen im Deutschen Aktienindex - und eben deutlich billiger als die in China. Angesichts dessen können Anleger verschmerzen, dass auch die Türkei gegen die Inflation kämpft, die Zinsen steigen und der Internationale Währungsfonds für die nächsten Jahre ein etwas schwächeres Wirtschaftswachstum erwartet.

          In Taiwan sind die Aktien ebenfalls deutlich günstiger als in China - dabei ist Taiwan eine Insel vor der Küste Chinas, das Verhältnis zur Volksrepublik ist bis heute nicht ganz geklärt. Trotzdem hat sich die Wirtschaft prächtig entwickelt. Firmen wie der Laptop-Bauer Acer und der Handyhersteller HTC beliefern auch Deutschland mit Technik. Und weil die taiwanische Währung schneller aufwertet als die chinesische, bleibt die Inflation im Rahmen - gleichzeitig können Europäer auf Währungsgewinne hoffen. Das Wachstum Taiwans scheint nicht zu leiden.

          Manchmal gibt es nur Zertifikate

          Bleibt das dritte „T“ von Vermögensverwalter Rainer Lemm, „Thailand“. Doch da stoßen Anleger schnell an die Grenzen dessen, wie sie anlegen können. Während es für die Türkei und Taiwan noch Fonds und teils sogar Indexfonds gibt, die sich auf Aktien aus diesen Regionen konzentrieren, gibt es solche für Thailand kaum. Anlegern bleiben Zertifikate, zum Beispiel von der Deutschen Bank (Isin DE000DB5SET6) - die sind allerdings wertlos, wenn die Bank pleite ist, selbst wenn es Thailand dann prächtig geht.

          Ähnlich ist es mit Peru: Auch dessen Aktienmarkt hält Vermögensverwalter Lemm für interessant, aber ein Fonds aus diesem Land ist nicht zu kaufen, und ein Lateinamerika-Fonds hilft nicht unbedingt weiter, denn schon das benachbarte Chile gilt unter Experten als heiß gelaufen. Ein Zertifikat gibt es von der Royal Bank of Scotland (Isin DE000AA0PEU5).

          Dafür gibt es auch in den alten, großen Schwellenländern noch interessante Aktien. Die schaut sich Stephen Tong an, Leiter der Schwellenländer-Anlage bei der Schweizer Privatbank Vontobel. Er empfiehlt den chinesischen Computerbauer Lenovo, der seine Vorkrisenrekorde bei Umsatz und Gewinn übertroffen hat.

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