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Erneuerbare Energien : Sonnenkraft wird vielen Anlegern zu heiß

  • -Aktualisiert am

Solar statt Kohle Bild: dapd

Die geplante Kürzung der Subventionen für Solarstrom trifft die Beteiligungsbranche schwer. Viele neue Projekte rechnen sich nicht mehr.

          Die geplante Kürzung der staatlich garantierten Preise für Strom aus Solaranlagen trifft die Initiatoren geschlossener Beteiligungen unerwartet und schwer. Eine weitere Senkung der Abnahmepreise war in der Branche zwar erwartet worden. Doch das Ausmaß der Streichungen überraschte offenbar viele Investoren. Wegen der ohnehin für dieses Jahr geplanten Kürzungen erreichte der Ausbau bei Solarenergie im vergangenen Jahr mit 7500 Megawatt noch einen Rekordwert. Dennoch sammelten Initiatoren geschlossener Beteiligungen schon im vergangenen Jahr weniger Geld für erneuerbare Energien ein. Das plazierte Eigenkapital sankt laut Feri Euro Rating um 27 Prozent auf 923 Millionen Euro.

          „Die garantierten Preise wurden zum 1. Januar schon um 15 Prozent gesenkt“, sagt Manfred Kittelmann, einer der beiden Leiter Erneuerbare Energien bei Altira Renewable Energies in Frankfurt. „Insgesamt treten damit die Absenkungen deutlich höher und früher als erwartet ein.“ Nach dem aktuellen Gesetzentwurf würden die garantierten Einspeisepreise für Strom aus Freiflächensolaranlagen jetzt von gut 18,9 Cent pro Kilowattstunde auf 13,5 Cent gesenkt und vom 1. Mai an monatlich um weitere 0,15 Cent. Im vergangenen Jahr lag der Garantiepreis bei 22 Cent. An der Strombörse EEX in Leipzig wird die Kilowattstunde aktuell zu rund 4,2 Cent gehandelt.

          Viele Projekte gefährdet

          „Die Reform wird erhebliche Auswirkungen auf die Branche haben“, sagt auch Markus Lentz, Energieexperte der Ratingagentur Scope in Berlin: „Solarparks mit einer Leistung von mehr als 10 Megawatt rechnen sich in Deutschland künftig nicht mehr, weil sie aus der Förderung komplett rausfallen.“ Denn auch wenn Solarstrom in den vergangenen Jahren günstiger geworden ist, sind die Preise immer noch nicht wettbewerbsfähig. Als das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000 in Kraft trat, lag die Einspeisevergütung bei mehr als 40 Cent je Kilowattstunde.

          Kittelmann sieht nun viele neue Projekte gefährdet. „Eine Reduzierung der Tarife in diesem Umfang stellt die Zukunft der gesamten Solarindustrie für Großanlagen - weit über die Modulhersteller hinaus - kurz vor der Zielgeraden in Frage“, sagt der Altira-Experte. Dabei hält er solche Großprojekte für notwendig, um die Stromnetze zu stabilisieren.

          Erneuerbare-Energien-Fonds Bilderstrecke

          Dass große Solaranlagen in Deutschland weniger gefördert werden, befürworten allerdings manche Branchenvertreter. „Eine dezentrale Stromversorgung, zum Beispiel auf Hausdächern zur Selbstversorgung, ist sinnvoll“, sagt Hartmut Betke, Geschäftsführer der Deutschen Cleantech in Frankfurt: „Aber diese großen Solarparks sind bei uns in Deutschland nicht sehr sinnvoll.“ Sie rechnen sich laut Betke nur, wenn die Preise für Solarmodule nochmals stark fallen würden.

          „Momentan scheint es so zu sein, dass die Kosten nicht entsprechend den Absenkungen reduziert werden können“, beklagt Kittelmann. „Damit würden große Solaranlagen für institutionelle Investoren wie Versicherer, Pensionskassen oder Family Offices nicht mehr wirtschaftlich errichtet und betrieben werden können.“ Dabei hätten diese für Anleger den Vorteil, dass die Rendite nicht mit der von Aktien korreliere. Mit Hilfe erneuerbarer Energien werde ein Portfolio somit weniger anfällig für das Auf und Ab der Kurse auf den Aktienmärkten.

          Im Gegenzug hängen Investoren in Solaranlagen an staatlichen Förderungen. In Spanien oder Tschechien wurden diese zum Teil rückwirkend gekürzt oder gestrichen, während in Deutschland bisher nur neue Projekte von den Subventionsstreichungen betroffen sind. Dennoch gefällt manchen Investoren diese Abhängigkeit nicht. Südeuropa sehen viele Investoren nicht als Alternative. Auch dort rechnen sich Solaranlagen nicht ohne Subventionen. Und vielen Investoren sei die Region wegen der Euro-Schuldenkrise zu unsicher, sagt Betke.

          Manche Investoren setzen auf Diversifikation: „Wir würden nicht ausschließlich in Solarenergie investieren, um uns nicht zu sehr von staatlichen Förderungen abhängig zu machen“, sagt Dieter Rentsch, geschäftsführender Gesellschafter von Aquila Capital: „Ohne das EEG würde niemand in Deutschland Solarmodule installieren.“ Photovoltaik rechne sich nur, wenn der Investor einen garantierten Preis bekomme. Um sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien, legt Aquila derzeit einen Fonds für institutionelle Großanleger auf, der sowohl in Solar wie auch in Wind und Wasserkraft investiert. „So haben wir drei Energiequellen im Fonds, die sich ergänzen, auch über ein Jahr hinweg“, sagt Rentsch. Sonnenkraft allein ist vielen Investoren wohl politisch zu heiß.

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