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Erfolgreiche Nischenfonds : In vielen Märkten wird es zu eng

  • -Aktualisiert am

Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika: Die Börsen des Kontinents sind im vergangenen Jahr populär geworden Bild: picture alliance / dpa

Einige Fondsgesellschaften müssen Aktien und Anleihen schließen, weil sie zu erfolgreich sind. Besonders schnell wachsende Schwellenmärkte und Afrika sind betroffen: Dort werden große Fonds leicht marktbestimmend.

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          Anleger müssen sich darauf einstellen, dass sie in der nächsten Zeit den Fonds ihrer Wünsche unter Umständen nicht mehr kaufen können. Denn viele Fondsgesellschaften gehen dazu über, vorübergehend in dem einen oder anderen Fonds kein neues Anlegergeld anzunehmen. Grund ist der überbordende Erfolg dieser Fonds, die häufig in engen Nischen engagiert sind. Immerhin können manche Fonds weiter an der Börse Hamburg gekauft werden.

          Die britische Fondsgesellschaft Schroders beispielsweise nimmt seit Dezember kein neues Geld mehr für ihren Fonds Schroder ISF Asian Total Return an. Der Fonds investiert vor allem in die asiatischen Aktienmärkte und war so erfolgreich, dass er - zumindest vorübergehend - an seine Grenzen gestoßen ist. Rund 1,2 Milliarden Dollar (903 Millionen Euro) sind derzeit in dem Fonds investiert.

          Offener Umgang mit dem Vertriebsstopp

          Vor allem kleine, schnell wachsende Märkte sind von Fondsschließungen betroffen, da sie häufig wenig liquide sind und nur eine geringe Marktkapitalisierung aufweisen. Dies gilt besonders für Aktien, aber auch für Anleihen aus den aufstrebenden Regionen der Welt. So stellte Swiss & Global Asset Management im Dezember den Vertrieb des Julius Bär Global Emerging Markets Bonds ein.

          Auch bei Afrika, einem Anlagethema, das im vergangenen Jahr populär wurde, drosseln die Fondsgesellschaften die Vertriebsbemühungen. Dort sind zusehends Fonds auf den Markt gekommen, die Südafrika und den Norden ausklammern, um sich ganz auf die Wachstumschancen der Subsahara-Region zu konzentrieren, auf Nigeria, Ghana und Kenia beispielsweise. So hat JP Morgan Asset Management für den JP Morgan Funds Africa Equity einen Vertriebsstopp verhängt, nachdem der Fonds nun auf ein Vermögen von mehr als 660 Millionen Dollar gewachsen ist.

          Nur wenige Fondsgesellschaften gehen so offen mit einem Vertriebsstopp um wie JP Morgan Asset Management. Auf der Internetseite findet der Anleger unter dem Stichwort „Unsere Fonds“ die Rubrik „Kapazitätsbeschränkungen“. Dort listet die Fondsgesellschaft alle Fonds auf, die derzeit von einer Vertriebseinschränkung betroffen sind, und alle, die es in der Vergangenheit waren.

          Nigeria besitzt die drittgrößte Börse des Kontinents

          JP Morgan geht dabei nach einem klaren Konzept vor: Signalisiert das Risikomanagement, dass ein Markt zu eng geworden ist oder das Engagement des Fonds auf seinen speziellen Märkten zu groß, verfügt JP Morgan zunächst ein „Soft Closure“. Bei dieser sanften Schließung nimmt JP Morgan keine neue Kunden mehr an, bedient jedoch Bestandskunden weiter. So bleiben Anleger, die einen Sparplan mit dem entsprechenden Fonds bedienen, von dem Vertriebsstopp verschont. Erst bei einem „Hard Closure“ lehnt JP Morgan Asset Management jegliches neues Geld ab.

          Die meisten Fondsgesellschaften schrecken vor solchen Vertriebsstopps zurück. Und sind sie einmal verhängt, teilen sie diese auch nur ungern der Öffentlichkeit mit. Dabei sind diese Fondsschließungen im Interesse der Anleger, die in dem Fonds engagiert sind. Denn wächst ein Fonds zu stark, können neue Risiken entstehen. Ein Ausstieg aus dem betreffenden Markt ist oft kaum noch möglich - und wenn, dann oft nur unter hohen Kursverlusten, die durch die Verkaufsorders des Fondsmanagers ausgelöst werden.

          In engen Märkten werden große Fonds leicht marktbestimmend. Vorausschauende Fondsmanager versuchen diese Situation zu vermeiden. In Afrika ist dies wohl mancherorts der Fall. Nigeria beispielsweise besitzt nach Südafrika und Kairo die drittgrößte Börse des Kontinents. Doch auch dort beträgt die Marktkapitalisierung umgerechnet nur 41 Milliarden Euro. Das ist weniger als ein einzelner Dax-Wert. So kommt Daimler auf einen Börsenwert von 59 Milliarden Euro.

          Auch Jens Schleuniger bleibt seinem Thema treu

          Auch der DWS Invest Africa hat eine Größe erreicht, die es dem Fondsmanager Sebastian Kahlfeld erschwert, sich ungezwungen auf den afrikanischen Aktienmärkten zu bewegen. Lange blieb der 2008 aufgelegte Fonds unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Heute zählt er mit einem Volumen von 372 Millionen Euro zu den größeren. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die DWS den Vertrieb dieses Fonds drosseln wird.

          Solche zeitweiligen Einschränkungen behindern nicht die Auflage neuer Produkte. Trotz der Schließung des Asian Total Return bringt Schroders derzeit den ISF Frontier Markets, einen Aktienfonds, der stark in die Börsen des Nahen Ostens investiert. Auch Kahlfelds Vorgänger für den Afrika-Fonds der DWS, Jens Schleuniger, bleibt seinem Thema treu. Er wechselte zur Frankfurter Investmentgesellschaft Altira und legt dort nun einen neuen Afrika-Aktienfonds auf. Anfangs wird der VCH Africa jedoch ein Fondsvermögen haben, das wohl kaum über wenige Millionen Euro hinausgehen wird und ihm noch viel Handlungsfreiheit lässt.

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