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Erfolgreiche Mischfonds : Ein Fonds für schwierige Zeiten

  • Aktualisiert am
Mit steueroptimierten Fonds kann er nicht viel anfangen
          3 Min.

          Der Investmentansatz des „BWK Multi Global“ lässt sich ziemlich zügig auf den Punkt bringen. „Steueroptimierte Rentenanlage kombiniert mit risikoaversen Aktieninvestments“, formuliert Vermögensverwalter Karl-Heinz Walz von der Baden-Württembergischen Bank, der den Fonds seit Auflegung im September 1995 berät.

          Anleger sollen eine attraktive Nachsteuerrendite bei geringer Schwankungsbreite des Fonds erreichen und so ihren Stress im Zaum halten können. „Zu diesem Zweck setzen wir verschiedene Anlageinstrumente ein. Der Schwerpunkt liegt auf defensiven Wandelanleihen mit niedrigen Kupons, Genussscheinen und mit Optionen abgesicherten Aktienengagements“, erläutert der BW-Bank-Stratege. Dass der - nominell zumindest - Mischfonds nicht nur unter steuerlichen Gesichtspunkten Charme hat, zeigt die Wertentwicklung im Jahres-Vergleich. Das Plus betrug knapp sechs Prozent. Nur ein Konkurrent aus der Kategorie war besser.

          Für Haussespekulation "definitiv nicht geeignet"

          Der Fonds hat allerdings auch einen kleinen Haken. Den skizziert Vermögensverwalter Walz recht einprägsam: „Auf Grund seiner speziellen Strategie ist der Multi-Global in schwierigen Aktienzeiten immer an der Spitze der Mischfonds zu finden. Umgekehrt können wir auf Grund der extrem defensiven Anlagepolitik bei steigenden Aktienmärkten mit den klassischen Mischfonds, die eine Aktienquote von mindestens 50 Prozent haben, nicht Schritt halten.“ Fazit deshalb: Für Investoren, die auf haussierende Börsen setzen, ist der Multi-Global „definitiv nicht geeignet“.

          Nach Angaben von Walz zielt der Fonds auf Anleger mit einem Steuersatz von mindestens 40 Prozent, die ihren Sparerfreibetrag bereits ausgeschöpft haben. „Für alle anderen ist das Produkt nicht so interessant.“ Die Begründung dafür erschließt sich aus den Performance-Daten. Laut Walz beträgt die jährliche Durchschnittsrendite seit Auflegung 5,4 Prozent. Auf Grund der steueroptimierten Investments hätten Anleger mit einem Steuersatz von 50 Prozent im Jahresschnitt 5,1 Prozent Plus nach Steuern erzielt. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Eine vergleichbare Anlage hätte mehr als zehn Prozent Bruttorendite im Jahresschnitt erzielen müssen, um nach Steuern zum gleichen Ergebnis zu kommen.

          Auf der Aktienseite bildet Vermögensverwalter Walz „den Dax von A bis Z ab. Allerdings nicht immer gleichgewichtet.“ Beimischungen gebe es durch Vertreter der zweiten Börsenbundesliga, dem MDax. Das Dax-Portefeuille sei weitgehend mit Optionen abgesichert. Walz vergleicht diesen Ansatz mit einer Vollkaskoversicherung fürs Auto, deren Nutzen sich erst im Schadensfall zeigt.

          Zu Walz' bevorzugten Anleihen zählen etwa Genussscheine. Die hätten zwar größere Risiken als Staatsanleihen oder Pfandbriefe. Dafür böten sie in der Regel eine spürbar höhere Verzinsung und verbesserten die Nach-Steuer-Rendite des Fonds. Eine Spekulation mit Netz und doppeltem Boden auf steigende Börsenkurse sind Investitionen in Wandelanleihen. Deren Performance orientiert sich an der Aktienentwicklung des jeweiligen Unternehmens. „Läuft der Kurs gut, ist das auch für den Wandler positiv“, betont Walz. Zudem hätten solche „Convertibles“ niedrige Zinskupons. Folge: „Wenn die Märkte nach oben streben, erzielt man die Gewinne in erster Linie über steuerfreie Kurszuwächse und nicht über steuerpflichtige Zinseinnahmen.“

          Der „BWK Multi Global“ ist momentan wie folgt strukturiert: 20 Prozent von 138 Millionen Euro Kapital entfallen auf Wandelanleihen, 23 Prozent auf Genussscheine, 15 Prozent auf währungsgesicherte Yen-Anleihen, 19 Prozent auf Aktien, die über Optionsgeschäfte abgesichert sind, sechs Prozent sind „ungehedgte“ Aktienengagements, und 15 Prozent sind Barreserve oder in Kurzläufer oder geldmarktnahe Papiere investiert. Die zehn größten Aktienpositionen im Fonds stammen allesamt aus dem Elite-Index Dax. Das sind im Einzelnen Allianz, Deutsche Telekom, Münchener Rückversicherung, E.ON, SAP, Deutsche Bank, Siemens, Bayer, RWE sowie BASF. Allerdings machen die insgesamt nur rund zehn Prozent vom Fondsvermögen aus.

          Für Vermögensverwalter Karl Heinz Walz ist „die Nachsteuerrendite von mehr als fünf Prozent in den vergangenen sechs Jahren ein ordentliches Resultat.“ Er gibt aber auch zu, dass das „Gewesene für Neuengagements keine Bedeutung hat.“ Trotz des aktuell tiefen Zinsniveaus versuche man aber auch in Zukunft eine attraktive Rendite zu erwirtschaften.

          Die wichtigsten Fakten zum Fonds: Der „BWK Multi Global“ (WKN: 976 688) wurde am 1. September 1995 aufgelegt. Das Fondsvolumen beträgt momentan knapp 140 Millionen Euro. Anleger zahlen einen moderaten Ausgabeaufschlag von 1,5 Prozent. Die jährliche Managementgebühr beträgt 0,8 Prozent. Akzeptiert werden Einmalanlagen ab hundert Mark, auch Sparpläne sind möglich.

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