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Erbschaftsteuer : Familien im Vorteil

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Bild: FAZ.NET

Kinder, Enkel, Ehepartner und eingetragene gleichgeschlechtliche Paare sind die Gewinner der geplanten Erbschaftsteuerreform. Ein Vermögen von 400.000 Euro sollen Kinder nunmehr steuerfrei erben oder geschenkt bekommen können. Das ist beinahe doppelt soviel wie bisher.

          Am 1. Juli soll das neue Erbschaftsteuerrecht vermutlich in Kraft treten. Enge Verwandte von Vererbenden und Schenkern werden von der geplanten Reform stark profitieren. Der Ehepartner kann vom verstorbenen Gatten sogar ein Vermögen von einer halben Million Euro erben, ohne einen Cent Steuern zu zahlen. Kinder dürften sich auf einen Steuerfreibetrag von 400.000 Euro freuen.

          Große Profiteure der Reform werden außerdem Erben sein, die mit dem Vererbenden in einer gleichgeschlechtlichen eingetragenen Partnerschaft zusammengelebt haben. Auch sie werden in den Genuss des Freibetrags von 500 000 Euro kommen. Bisher lag dieser bei nur 5.200 Euro.

          Geschwister kommen schlechter weg

          Doch es gibt auch Verlierer der Reform: Dazu gehören Geschwister, nicht verheiratete Partner, Nichten und Neffen sowie Freunde. Sie müssen im Vergleich zur jetzigen Regelung zum Teil deutlich höhere Steuern vom Erbe an den Fiskus zahlen. Zwar steigen ihre mageren Freibeträge künftig auf 20.000 Euro an. Sobald aber diese Grenze erreicht ist, müssen sie von dem darüber liegenden Betrag 30 Prozent an das Finanzamt abführen. Das ist in den meisten Fällen viel mehr als zuvor. Grund dafür sind die vorgesehenen erhöhten Steuersätze für diese Erbengruppen.

          Kinder sollen Elternhaus steuerfrei erben

          Wie viel Erben und Beschenkte an Steuern zahlen müssen, hängt nicht nur vom Verwandtschaftsgrad, sondern auch von der Art und Höhe des vermachten Vermögens ab. Bei Immobilien haben Ehegatten, Kinder und Enkel dank der erhöhten Freibeträge häufiger als bisher die Chance, ein geerbtes oder vorzeitig übertragenes Einfamilienhaus steuerfrei zu bekommen. Für sehr wertvolle Immobilien werden sie aber tiefer in die Tasche greifen müssen als bisher, weil diese beim Finanzamt künftig mit dem vollen Verkehrswert zählen.

          Betriebsvermögen steuergünstig unter Auflagen

          Mit den erhöhten Freibeträgen können alle Erben und Beschenkte auch einen deutlich höheren Anteil des Kapitalvermögens steuerfrei erhalten als bisher. Für nahe Verwandte ist der Vorteil besonders groß. Firmenerben bekommen bis zu 85 Prozent des Betriebsvermögens steuerfrei. Dafür müssen sie unter anderem die Arbeitsplätze im vererbten Betrieb mindestens zehn Jahre erhalten.

          Die Lohnkosten dürfen in dieser Zeit nicht unter 70 Prozent der Lohnkosten der Vorjahre liegen. Durch die Freibeträge ist zum Beispiel der erbende Enkel in einer besseren Lage als ein Neffe, der die Firma übernimmt (vgl. auch „Da werden Sie irre, wenn Sie das durchrechnen“).

          Option bringt keinen Vorteil

          Die Erbschaftsteuerreform soll nach den jetzigen Plänen ab 1. Juli dieses Jahres in Kraft treten. Bis dahin sind noch einzelne Änderungen möglich. Für die geltende Regelung bei den Erbschaftsteuern soll es eine Übergangsphase geben: Erben, die 2007 geerbt haben oder bis Inkrafttreten des Gesetzes noch erben, sollen wählen können, ob sie nach den bisherigen oder den neuen Vorgaben besteuert werden.

          Aber diese Wahl bringt vielen Erben von Privatvermögen nichts. Auch wer sich ab Sommer für die neue Regelung entscheidet, muss sich mit den niedrigeren Freibeträgen nach altem Recht zufriedengeben. Für Schenkungen gilt das neue Gesetz erst, wenn es in Kraft getreten ist. So lange bleiben die aktuellen Bewertungsregeln, Steuersätze und Freibeträge bestehen.

          Tipps

          Vermögende . Wenn Sie schon wissen, wem Sie einmal etwas vermachen wollen, lohnt es sich jetzt, über eine Schenkung nachzudenken. Wichtig ist das vor allem, wenn etwa ein Freund oder Neffe Ihr Haus bekommen soll. Er steht künftig schlechter da als heute. Wenn Sie vor Inkrafttreten des neuen Steuerrechts handeln, können Sie noch das bisherige Gesetz nutzen. Überstürzen Sie aber nichts und befragen Sie beispielsweise einen Anwalt für Erbrecht.

          Schenkung revidiert . Beachten Sie beim Verschenken, dass es rechtliche Möglichkeiten gibt, Geschenke zurückzufordern. Etwa dann, wenn Sie sich arm geschenkt haben und Ihnen zum Leben nichts mehr bleibt. Haben Sie das Vermögen weniger als zehn Jahre vor ihrem Tod an Freunde verschenkt, können Angehörige, deren Pflichtteilsanspruch Sie so geschmälert haben, Geschenke zurückfordern. Mehr Informationen dazu finden Sie im Finanztest Spezial Erben und Vererben.

          Doppelter Freibetrag . Wenn Sie Ihrem Kind ein Haus schenken, kann Ihr Kind seinen Freibetrag von 400 000 Euro zweimal ansetzen. Einmal für den Teil des Geschenks, der vom Vater kommt, und einmal für den Teil, der von der Mutter kommt. Voraussetzung ist: Das Haus gehört beiden Ehepartnern.

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