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Entwicklung auf dem Finanzmarkt : Vermögen der Deutschen steigt um 220 Milliarden Euro

Bild: F.A.Z.

Das Vermögen der Deutschen erreichte im vergangenen einen Rekordwert von 4,88 Billionen Euro. Hohes Sparvolumen und gute Börsenentwicklung haben diese Entwicklung möglich gemacht.

          Die privaten Haushalte in Deutschland haben im vergangenen Jahr ihr Geldvermögen um 4,7 Prozent oder 220 Milliarden auf 4,88 Billionen Euro gesteigert. Zu diesem Ergebnis kommen die Volkswirte der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Ihren Angaben zufolge lag das Vermögen der Deutschen noch nie so hoch. Im Durchschnitt verfügt nun jeder Bundesbürger über 59 900 Euro, das sind fast 3000 Euro mehr als Ende 2009.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bereits im Vorjahr hätten die Deutschen ihre Vermögensverluste aus dem Krisenjahr 2008 ausgleichen können. Damals wuchs das Vermögen sogar um 5 Prozent. In den beiden vergangenen Jahren lag das Vermögenswachstum über dem Durchschnitt der ersten zehn Jahre des neuen Jahrhunderts. Von 2000 bis Ende 2009 wuchs das Vermögen der Deutschen mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 3,3 Prozent. In den achtziger und neunziger Jahren belief sich das durchschnittliche Wachstum allerdings noch auf rund 7 Prozent.

          Viel gespart

          Den Vermögensaufbau im abgelaufenen Jahr führt die im Versicherungskonzern für Kapitalanlagen zuständige AGI auf die hohe Sparquote und das per saldo gute Börsenjahr zurück. "Die sogenannte Geldvermögensbildung dürfte sich 2010 auf rund 150 Milliarden Euro belaufen haben, nach 147,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Weitere rund 70 Milliarden Euro sind auf Bewertungsgewinne zurückzuführen", wird die Volkswirtin und Autorin der Studie Renate Finke in der Pressemitteilung zitiert.

          Ihren Worten zufolge hatte der kräftige Anstieg des Dax einen großen Anteil an den Bewertungsgewinnen. Das höhere Sparvolumen begründet Finke mit der von 11,1 auf 11,3 Prozent gestiegenen Sparquote und mit der Zunahme der verfügbaren Einkommen um 2,6 Prozent. Dieser Anstieg resultierte aus dem Abbau der Kurzarbeit, der steuerlichen Absetzbarkeit von Krankenversicherungsbeiträgen und vor allem dem Beschäftigungszuwachs im Zuge der Konjunkturerholung.

          Weniger Investitionen in Wertpapiere

          Rund 38 Prozent ihres Geldvermögens haben die Deutschen als Sicht-, Termin- oder Spareinlagen bei Banken oder Sparkassen geparkt. Dieser Anteil ist gegenüber dem Jahr 2000 um 2,7 Prozentpunkte gestiegen. In Wertpapieren, also Aktien, Investmentfonds, Anleihen oder Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen, waren knapp 28 Prozent angelegt. Seit dem Jahr 2000 ist das Vertrauen der Deutschen in den Kapitalmarkt deutlich zurückgegangen. Denn damals hatten sie noch fast 35 Prozent ihres Vermögens in Wertpapiere investiert. Fast 29 Prozent ihres Vermögens haben die Deutschen in Versicherungen und knapp 6 Prozent in Pensionsfonds angelegt.

          Die Anlageentscheidungen der Bundesbürger blieben von Vorsicht bestimmt, sagen die AGI-Volkswirte. Obwohl die Konjunktur und die höheren verfügbaren Einkommen die Deutschen optimistisch stimmten, schichteten sie ihr Geld weiterhin auf kurzfristig verfügbare Konten um. Mit einem Bestand von rund 750 Milliarden Euro hätten die täglich verfügbaren Gelder den Bestand an Spareinlagen von gut 600 Milliarden Euro übertroffen, berichtet Finke.

          Sicherheit ist ein wichtiges Kriterium

          Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im September 2008 hätten Sicht- und Spareinlagen Mittelzuflüsse von knapp 330 Milliarden Euro verzeichnet. An Attraktivität hätten laut Finke dagegen die Termineinlagen und Sparbriefe verloren. Die Deutschen zogen im vergangenen Jahr aus diesen Anlagen 30 Milliarden Euro ab. Im Vorjahr hatte sich der Mittelabfluss hier sogar auf 120 Milliarden Euro belaufen. Finke macht dafür die geringe Verzinsung, gepaart mit terminlicher Bindung, verantwortlich.

          Die Zurückhaltung bezüglich der Aktienanlage hat sich laut Allianz-Studie auch im zurückliegenden Jahr fortgesetzt. Zwar hätten die Wertzuwächse wieder zu einem höheren Aktienvermögen im Portfolio der privaten Haushalte geführt, dennoch schauten die Privatanleger in ihrer Suche nach Rendite nicht unvoreingenommen auf den Aktienmarkt. Auch bei der Fondsanlage setzen die Deutschen zuerst auf Sicherheit. Hier hätten im vergangenen Jahr besonders Mischfonds Boden gutmachen können. Als sicherer Hafen hätten die Bundesbürger im Jahr 2010 Versicherungen betrachtet. Dieser Trend habe sich auch in den Riester-Verträgen niedergeschlagen, die um 5,7 Prozent auf 14 Millionen gestiegen sind.

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