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Renditen von Fondspolicen : Das leere Versprechen

  • -Aktualisiert am

Enttäuschend: Von sechs bis sieben Prozent Fondsrendite bleiben nur zwei bis drei Prozent beim Kunden hängen. Bild: dapd

Lebensversicherer, die in Aktienfonds anlegen, werben mit hohen Renditen. Vom Gewinn an der Börse kommt beim Kunden nicht mal die Hälfte an.

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          Totgesagte leben bekanntlich länger, und vor allem in der Finanzbranche überlebt so manches Produkt, das viele bereits abgeschrieben hatten. Zum Beispiel die gute alte Lebensversicherung. Trotz aller Unkenrufe, die Lebensversicherung sei tot, trotz der Senkung und Abschaffung der Garantiezinsen und trotz der regelmäßigen Klagen der Branche über niedrige Zinsen und schrumpfende Erträge wittert die Versicherungszunft ein gutes Geschäft: mit fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen. Die sollen, wenn man den Entscheidern in den Versicherungsgesellschaften glaubt, das wichtigste Produkt der kommenden Jahre werden. Und sie werden derzeit heiß umworben und hunderttausendfach verkauft.

          Fondspolicen sind im Grunde nichts anderes als ein Fondssparplan im Versicherungsmantel. Der Kunde bekommt für das Geld, das er regelmäßig einzahlt, eine bestimmte Anzahl von Fondsanteilen, die dann bis zum Ende der Laufzeit in seinem Depot liegen und im Wert steigen sollen. Falls ihm vorzeitig etwas zustößt, zahlt die Versicherung eine Todesfallleistung an seine Hinterbliebenen aus.

          Erlebt er das Ende des Vertrages, wird das angehäufte Kapital in eine Monatsrente umgemünzt. Wie viel dabei herauskommt, richtet sich nach dem Wert der Fondsanteile zu diesem Zeitpunkt. Denn anders als bei klassischen Policen garantiert der Versicherer hier nichts – schon gar keine Garantiezinsen. Im allerhöchsten Fall verspricht die Gesellschaft nur den Beitragserhalt, so heißt es im Versicherungsdeutsch, wenn der Sparer am Ende mindestens das Geld herausbekommt, das er über die Jahre eingezahlt hat.

          Rendite-Aussichten gelten nicht für deutsche Sparer

          Dafür aber werben die Anbieter mit dem riesigen möglichen Kursgewinn, den am Ende die Fondsanteile einbringen würden, wenn Aktienfonds gekauft werden. Genau das ist das Hauptargument, mit dem sich die Fondspolicen über 800000 Mal im Jahr verkaufen. Inzwischen ist schon jede sechste Lebens- und Rentenversicherung eine auf Fondsbasis.

          In ein paar Jahren wird die Fondspolice die klassische Kapitallebensversicherung mengenmäßig überholt haben. Denn während Kunden die klassischen Verträge meiden, weil die schon seit Jahren immer mickrigere Erträge abwerfen, laufen die Aktienmärkte seit Jahren prächtig, deshalb klingt die Idee mit den Fondspolicen natürlich verlockend.

          Aber Moment mal, war da nicht was? Genau, mit ebendiesem Versprechen wurden Fondspolicen schon um die Jahrtausendwende stark beworben, als sie gerade aufkamen und die Aktienmärkte brummten. Dann platzte die New-Economy-Blase, die Fondskurse stürzten ins Bodenlose und der Policenabsatz dümpelte jahrelang dahin.

          Inzwischen haben deutsche Sparer die Kurserholung, eine Finanzkrise und einen weiteren Börsenboom erlebt, und viele wissen: An den Aktienmärkten geht es auf und ab, aber es ist dennoch mit guten Erträgen zu rechnen. Auf lange Sicht liegt die Rendite von breitgestreuten Aktienfonds bei sechs bis sieben Prozent pro Jahr, sagt die Finanzwissenschaft. Und fondsgebundene Versicherungen setzen ja gerade auf lange Zeiträume, weil die Verträge 12, 20 oder 30 Jahre laufen. Das Problem ist nur: Für sie gelten diese Renditeaussichten trotzdem nicht.

          Große Enttäuschung

          Rechnet man nach, was bei Fondspolicen bei 100 Euro monatlicher Einzahlung am Ende für den Sparer herauskommt, ist die Enttäuschung groß. In zwölf Jahren Vertragslaufzeit hätte er 14.400 Euro eingezahlt. Die besten Anbieter stellen den Kunden dafür derzeit ein Endkapital von 18.200 Euro bis 19.300 Euro in Aussicht, ermittelte ein aktueller Vergleich des Branchendienstes Map-Report anhand von Versichererdaten. Der Branchenschnitt liegt bei rund 17.000 Euro. Das entspräche einer Jahresrendite von nur zwei, maximal 2,87 Prozent.

          Bei 20-Jahres-Policen sieht es nicht viel besser aus, die 30-jährigen kämen auch bloß auf drei Prozent Rendite. Damit lägen die Fondspolicen im besten Fall nur minimal über dem, was Kunden zuletzt für Klassikpolicen ausgezahlt bekamen, sagen die Ablaufanalysen des Map-Reports. Nun sind die Zahlen lediglich Hochrechnungen für die Zukunft – aber sie beruhen auf den Daten der jüngsten Vergangenheit. Und gerade in den abgelaufenen zwölf Jahren liefen die Aktienmärkte prächtig.

          So prächtig, dass ein Anleger mit einer Einmalanlage in einen Dax-Fonds sein Kapital von September 2004 bis heute mehr als verdoppelt hätte. Zwischen 2003 und 2015 wäre es sogar noch mehr gewesen. Und auf 30 Jahre gesehen waren – trotz aller Kurseinbrüche – mit deutschen oder internationalen Aktien tatsächlich sechs oder sogar knapp sieben Prozent Rendite im Jahr drin, belegen die Wertentwicklungsdaten von DAI und vom Fondsverband BVI. Wo also sind die üppigen Aktienmarktrenditen bei den Fondspolicen geblieben?

          Nur zwei von sechs Prozent Rendite bleiben beim Kunden hängen

          Ganz einfach: Sie bleiben bei den Versicherern hängen. Die zwacken nämlich nicht nur Verwaltungskosten und Vermittlerprovisionen ab, sondern auch Kosten für die Fondsverwaltung und zusätzliche Sicherheitsabschläge für den Fall, dass ein Versicherter während der Sparphase stirbt oder in der Rentenauszahlphase zu lange lebt. Wie hoch die Kosten insgesamt sind, legt keine der Versicherungen im Detail offen, das kritisieren Branchenexperten häufig.

          Doch das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften Ulm errechnete schon vor einigen Jahren, wie viel von der Wertentwicklung der Fonds tatsächlich beim Kunden ankommt: Es seien „nicht selten unter 50 Prozent“, war die erschreckende Bilanz. Im Extremfall sogar nur knapp 28 Prozent. So bleiben von sechs bis sieben Prozent Fondsrendite eben nur zwei bis drei Prozent beim Kunden hängen. Deshalb kritisieren Verbraucherschützer die fondsgebundenen Versicherungen schon seit Jahren als völlig überteuert.

          Auch der jüngste Map-Report errechnete Effektivkosten von bis zu 3,5 bis 4Prozent, um die das Kundenvermögen bei einigen Versicherern Jahr für Jahr geschmälert wird. Das heißt umgekehrt: Würde man die gleiche Summe von 14400 Euro auf eigene Faust in einen Fondssparplan stecken, hätte man nach 12 Jahren – und nach Abzug aller Fondskosten und Ausgabeaufschläge – im Schnitt rund 3000 Euro mehr zusammen als mit der Versicherung.

          Nach 20 Jahren käme man schon mit einem mittelmäßigen Fonds auf 5000 Euro Überrendite im Vergleich zum aktuell besten Versicherer, mit den besten Fondsgesellschaften sogar auf noch viel mehr. Bei der DWS etwa konnte man 24000 Euro sogar verdoppeln auf 49000. Nach 30 Jahren Sparzeit kamen hier sogar 127000 Euro zusammen. Da reichen die allerbesten Fondspolicen nicht einmal ansatzweise heran.

          Einen noch größeren Gewinn hätten nur Einmalanleger gemacht, die zu guten Zeitpunkten große Aktienpakete kauften: Das wäre der Fall gewesen, wenn sie zu den winzigen Kursständen von 1986 und 1996 gekauft und seither sämtliche Kursschwankungen ausgesessen hätten. Denn seit diesen frühen Jahren hat sich der Deutsche Aktienindex verfünffacht beziehungsweise verzehnfacht und so für Traumrenditen gesorgt. Anhänger von Fondspolicen sollten von solchen Summen lieber nicht träumen, sondern die Hoffnung auf irgendwelche Überrenditen lieber heute als morgen begraben.

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