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Enttäuschende Wertentwicklung : Finger weg von Mischfonds

Mischfonds halten oftmals nicht das, was sie versprechen. Bild: iStock

Fonds, die auf Aktien und Anleihen setzen, versprechen das Beste aus beiden Welten. Die Rechnung geht nur selten auf. Gute Mischfonds sind rar.

          3 Min.

          Mischfonds sind eigentlich die ideale Geldanlage. Gerade jetzt, wo die Anleger rätseln, wie lange die Aktien noch von einem Rekord zum nächsten eilen, bevor vielleicht ein großer Absturz kommt. Denn Mischfonds können mehr oder weniger frei zwischen Aktien, Anleihen und Barem hin und her wechseln. Wenn es brenzlig zu werden droht, werden eben Aktien vorsorglich verkauft. Und all das macht ein professioneller Fondsmanager, der die Märkte analysiert und rechtzeitig merkt, wenn es gefährlich wird. Schneller, als dies ein Privatanleger hinbekommen könnte. Der muss sich um nichts kümmern – bequemer geht es kaum.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So weit die Theorie. Eine Theorie, die die Anleger zuletzt sehr überzeugt hat. Keine Fondsgattung sammelte bisher in diesem Jahr mehr Geld ein. Große Mischfonds wie der Carmignac Patrimoine oder der M&G Optimal Income verwalten mehr als 20 Milliarden Euro. Doch die Idee hat sich in der Realität nicht bewährt. Die Wertentwicklung der Mischfonds ist enttäuschend. Flaggschiffe wie der Carmignac-Fonds haben in den vergangenen Jahren trotz kräftigen Aktienaufschwungs kaum hinzugewonnen. Sie haben auf die falschen Aktien gesetzt, im Fall des Carmignac-Fonds auf die Schwellenländer und Goldminenaktien.

          „Die Fondsmanager nutzen ihre Freiheiten nicht“

          Besonders schlecht haben sich ausgerechnet die flexiblen Mischfonds entwickelt, die eigentlich am erfolgreichsten sein müssten, denn sie sind keinerlei Beschränkungen unterworfen, wie viel Aktien oder Anleihen sie halten dürfen. So könnten sie sich ideal der Marktlage anpassen. Die aggressiven Mischfonds (so der Spezialbegriff) müssen hingegen einen starken Aktienanteil halten, die defensiven viele Anleihen. Die ausgewogenen Mischfonds gewichten Aktien und Anleihen ungefähr gleich. Und all das, egal in welcher Form sich die Börsen gerade befinden. Die eigentliche Idee des Mischfonds, dass ein Profi sich entsprechend der Situation an den Finanzmärkten positioniert, wird damit pervertiert.

          Bild: F.A.Z.

          Die ausgewogenen Fonds sind aber trotzdem noch vergleichsweise gut unterwegs. Sie gewannen in den vergangenen fünf Jahren 6,4 Prozent im Jahr. Das ist zwar deutlich schlechter als die Vergleichsindizes, die aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen bestehen und fast 11 Prozent schafften. Aber sie sind viel besser als die flexiblen Mischfonds, die nur 4,7 Prozent im Jahr erzielten. „Die Fondsmanager nutzen ihre Freiheiten nicht. Sie reagieren, statt zu antizipieren“, urteilt Ali Masarwah von der Fondsratingagentur Morningstar. Er meint damit: Die Fondsmanager sind meist zu spät dran. Sie verkaufen Aktien, wenn die Kurse bereits gefallen sind, aber nicht vorher. Und sie kaufen erst dann, wenn die Kurse schon eine Zeitlang gestiegen sind. Dadurch ist die Wertentwicklung noch schlechter, als wenn sie gar nichts tun würden.

          Die aktuelle Positionierung der Fonds macht wenig Hoffnung, dass sie sich in Zukunft anders verhalten werden. Nach Daten, die Morningstar für diese Zeitung ermittelt hat, halten die Mischfonds derzeit 46 Prozent des Kapitals in Aktien – so viel wie seit drei Jahren nicht. Und das, obwohl die Kurse schon stark gestiegen, die Aktien hoch bewertet und damit teuer sind und die Hausse schon im sechsten Jahr ist. Eine Reduzierung der Aktienquote, zumindest aber keine weitere Erhöhung, könnte daher durchaus angebracht sein. In den Jahren zuvor, als die Bewertungen noch nicht so hoch waren und die Hausse noch etwas jünger, haben sich die Fondsmanager hingegen nicht zu einer höheren Quote als jetzt durchgerungen.

          Selbst mischen ist am preiswertesten

          Und nun? Was könnte der Ausweg sein? Zunächst einmal muss klar sein: An einer Aufteilung des Kapitals in riskantere Aktien und sichere Anleihen führt weiter kein Weg vorbei, um Risiken zu begrenzen. Die Lösung kann nicht sein, 100 Prozent auf die eine oder die andere Anlageklasse zu setzen.

          Eine riskante Lösung ist es, sich den wenigen guten Mischfonds anzuvertrauen. Zuletzt waren das zum Beispiel der Multiple Opportunities des Vermögensverwalters Flossbach von Storch, der in den vergangenen fünf Jahren 16 Prozent im Jahr zugelegt hat. Oder der Global Challenges von der Nord LB, der im gleichen Zeitraum fast 18 Prozent im Jahr erzielte. Aber aller Erfahrung nach sind Fonds nie dauerhaft gut – wie der lange erfolgreiche Carmignac-Fonds zeigt. Vor allem hohe verwaltete Volumina werden zum Problem.

          Besser ist: selbst mischen oder zumindest nicht mit Hilfe eines teuren Fondsmanagers. Wer sich Arbeit sparen will, der kann sich Mischfonds in Form eines Indexfonds kaufen wie etwa den Arero Weltfonds oder die Easyfolio-Fonds. Sie haben starre Aktien- und Anleihequoten zwischen 50 und 70 Prozent und probieren gar nicht, die Entwicklung der Märkte vorherzusehen, wie es klassische Mischfonds versuchen. Durch den Verzicht auf Fondsmanager sind solche Indexfonds deutlich günstiger und in der Wertentwicklung auch nicht schlechter.

          Am preiswertesten ist es, selbst zu mischen. Das ist auch gar nicht so schwer. Dazu muss man nur zwei Indexfonds von Gesellschaften wie iShares, Lyxor oder db x-trackers kaufen. Für Aktien erwirbt man einen Indexfonds auf den MSCI World (Aktien der Industrieländer) oder besser noch den MSCI All Countries (Aktien aus Industrie- und Schwellenländern). Anleihen sind gut mit dem Barclays Euro Aggregate Bond Index (Euro-Anleihen) abgebildet. Gibt man jedem Index 50 Prozent, macht man auf lange Sicht vieles richtig. Man sollte nur einmal im Jahr darauf achten, dass sich die Gewichte nicht zu sehr verschoben haben – und falls doch, sie durch Käufe und Verkäufe anpassen. Ein solches Depot hätte in den vergangenen Jahren fünf Jahren 8,9 Prozent erzielt – mehr als die meisten klassischen Mischfonds.

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