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Entry Standard : Eutex-Pleite macht Risiken des Entry Standards deutlich

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Bild: FAZ.NET

Mit dem Telekomunternehmen Eutex hat das erste Unternehmen im Wachstumssegment Entry Standard Insolvenz angemeldet. Das ist nicht der Untergang des Segments, macht aber seine Risiken noch einmal deutlich.

          Aus Schaden wird man bekanntlich klug. Nachdem sich der Neue Markt der deutschen Börse in den Jahren 2000 und 2001 zum Debakel entwickelte, ließ sich der größte deutsche Handelsplatz bei der Schaffung eines neuen Wachstumssegments Zeit.

          Erst mehr als zwei Jahre nach dem Ende des einstigen Erfolgssegments war der „Entry Standard“ aus der Taufe gehoben worden. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit gab man sich zurückhaltender: In dem neuen Segment als Teil des Freiverkehrs gälten zahlreiche zum Schutz der Anleger erlassene Transparenz- und Verhaltensregeln nicht, und so richte sich das Segment hauptsächlich an professionelle Investoren, die die Chancen und Risiken in einem nur wenig regulierten Marktsegment einschätzen können.

          Eutex kann Kapitalerhöhung nicht rechtzeitig abschließen

          Vor allem die Risiken haben es in sich, wie sich am Mittwochabend zeigte. Mit dem Telefonminuten-Großhändler Eutex European Telco Exchange stellte das erste Unternehmen aus dem Entry Standard einen Insolvenzantrag.

          Wie das Unternehmen aus Erkrath mitteilte, sah sich der Vorstand zu diesem Schritt gezwungen, da es „trotz erfolgreicher Umsetzung des Sanierungskonzepts und der vereinbarten Fusion mit dem Internet-Telefonie-Unternehmen Toplink nicht gelungen sei, Verhandlungen mit Investoren über die notwendige Zuführung von Eigenkapital im Zuge der laufenden Kapitalerhöhung fristgerecht abzuschließen“.

          Wer den Neuen Markt einst erlebt hat, dürfte dabei etwas aufschrecken. Denn als Anfang vom Ende des Segments gilt die Insolvenz des Telekommunikationsanbieter Gigabell im September 2000. Nach dem Höchststand im März bei 9.634,53 Punkten hatte der Nemax 50 zu diesem Zeitpunkt bereits rund ein Drittel seines Wertes verloren. Bis zum Jahresende fiel der Index um die Hälfte.

          Bereits als Sanierungsfall gestartet

          Auch der Entry Standard Index ist nach anfänglicher Euphorie stark eingebrochen. Mit aktuell 1107,81 Punkten notiert er zwar noch knapp zwölf Prozent über dem Ausgangsniveau, aber bereits ein Drittel unter seinem Höchststand vom Mai 2006.

          Indes ist das rasche Aufeinanderfolgen von Euphorie und Enttäuschung ein Kennzeichen aller Wachstumssegmente für kleine und mittelständische Unternehmen. Das liegt schlicht an den frühen Entwicklungsstadien, in denen sich die für diese Segmente typischen Unternehmen befinden und in denen eine große Zukunft ebenso möglich ist wie ein Scheitern.

          Eutex brachte bereits eine Hypothek mit. Schon bei Börsengang war klar, dass sich das Unternehmen in der Sanierung befand. Die Margen im Hauptmarkt Westeuropa waren deutlich gesunken, 2004 ein Lieferantendarlehen ausgefallen. Ein deutlicher Umsatzeinbruch wurde für 2005 bereits erwartet und fiel noch stärker aus, ebenso wie der Anstieg des operativen Verlustes.

          Eutex dürfte nicht der letzte Konkursfall sein

          Von vornherein war Eutex eine Turnaround-Chance. Und hier gibt es letztlich nur Gelingen oder Scheitern. Vorläufig stehen die Zeichen bei Eutex auf Scheitern, auch wenn eine Rettung des Unternehmens natürlich nicht auszuschließen ist.

          Im Nachhinein mag vielleicht etwas unschön erscheinen, dass Eutex im Bericht zum ersten Halbjahr keine Vergleichszahlen für die Vorjahresperiode lieferte, nach eigener Aussage, weil zu diesem Zeitpunkt noch kein Konzernabschluss erstellt worden sei. Wer indes die Zahlen genau las, musste zu dem Schluss kommen, dass man sich dem Turnaround nicht genähert hatte. Dass das Management größere Hoffnungen äußerte, ist ihm wohl kaum zu verübeln.

          Der Fall Gigabell lag da seinerzeit anders. Damals waren die hohen Verluste des Unternehmens normal - Hauptsache der Umsatz wuchs durch Übernahmen und neue Geschäftsfelder. Zwar wiesen Beobachter damals auch auf die schwierige Situation hin, aber die Investoren waren in ihrer Gesamtheit erheblich unkritischer.

          Eutex dürfte auf Dauer kein Einzelfall und nicht die einzige Insolvenz im Entry Standard bleiben. Von Gigabell hatten das „Fachleute“ einst noch behauptet und geurteilt, das Unternehmen hätte an der Börse keine Daseinsberechtigung gehabt. Der ehemalige Firmenchef Daniel David sah das anders. Gigabell habe ein Listing am Neuen Markt genauso verdient wie jede andere Firma. Viele Unternehmen an der Börse, so David im März 2001 zum Online-Finanzdienst „europeFN“, seien genauso schlecht wie Gigabell, wenn nicht sogar schlechter. Er sollte recht behalten.

          Entry Standard: Nur für Profis

          Auch wenn dem so sein wird, muss man deswegen nicht das Marktsegment verteufeln. Es handelt sich um ein wenig reguliertes Segment, dass dadurch kleinen und mittelständischen Unternehmen die günstige Eigenkapitalbeschaffung erleichtern soll. Dazu wurde es geschaffen.

          Das bedeutet für den Privatanleger, dass er sich gut überlegen muss, ob er das Risiko eingeht, überhaupt in einen Wert zu investieren, der in diesem Segment gelistet ist. Und wenn ja, dass er gut auswählen und die Höhe seines Investments dem Risiko und seiner Vermögensgröße anpassen muss.

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