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Energie : Ende der Ölpreisvolatilität nicht in Sicht

  • -Aktualisiert am

Ölhandel in New York Bild: AFP

Es lässt sich nur vermuten, wohin die Reise der Ölpreise geht. So müssen Unternehmen und Konsumenten lernen, mit der Volatilität zu leben. Die Schwankungen der Energiepreise führen jedoch zu realen Kosten.

          7 Min.

          Der Ölmarkt gebärdet sich selbst für die Verhältnisse dieser launenhaften Branche erstaunlich chaotisch. Im vergangenen Sommer noch auf einem Allzeithoch von 77 Dollar pro Barrel, sackte der Ölpreis auf fast 52 Dollar ab und fiel am 18. Januar an der Rohstoffbörse New York Mercantile Exchange gar unter 50 Dollar, bevor er bei 50,50 Dollar schloss.

          In diesem neuen volatilen Umfeld profitieren vor allem jene Unternehmen, die das Geschäft mit dem Risiko am besten beherrschen - jene an der Wall Street. Investmentbanken wie Goldman Sachs machen ein Bombengeschäft mit dem Verkauf maßgeschneiderter Hedging-Instrumente an Ölverbraucher, die sich gegen die Achterbahnfahrt des Ölmarktes absichern wollen. Mit den gegenwärtig auf dem Markt befindlichen 530 Energie-Hedge-Fonds gegenüber lediglich 180 im Oktober 2004 ist das Engagement des Finanzsektors im Ölhandel - und seine Fähigkeit, aus Preisbewegungen in beide Richtungen zu profitieren - so groß wie nie zuvor.

          Preisbewegungen von zwei Dollar pro Tag - das gab es noch nie

          Ist die Wall Street nun aber für die Volatilität verantwortlich, aus der sie Kapital schlägt? Manche sind dieser Ansicht. „Wir erleben nun größere Preisbewegungen von mittlerweile zwei Dollar pro Tag. Das gab es noch nie“, sagt Peter Fusaro, Mitgründer des Energy Hedge Fund Center, einer Energiehandels-Informationswebsite zur Beobachtung von Hedge-Fonds im Energiesektor.

          Für die langfristigen starken Preisausschläge sind Finanzinvestoren indes zum größten Teil nicht verantwortlich; sie machen die in der realen Welt vorhandene Volatilität lediglich sichtbar. Die blitzschnellen Käufe und Verkäufe dieser neuen Generation von Ölmarktinvestoren lassen die Ölpreise rascher auf tatsächliche Entwicklungen reagieren. Dies ist positiv zu werten, da Ölproduzenten und -verbraucher hierdurch schneller an entscheidungsrelevante Informationen gelangen, etwa wenn es um die Erschließung einer neuen Ölquelle geht. „Die Finanzmärkte sind die eigentlichen Nachrichtenboten. Sie haben die schon immer vorhandene Volatilität transparenter gemacht“, sagt Peter Hancock, Mitgründer des amerikanischen Strategieberaters Integrated Finance Ltd.

          Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass die Ölvorräte begrenzt sind, weshalb jede Störung auf der Angebots- oder Nachfrageseite die Preise nach oben oder nach unten treiben kann. Und Störungen gibt es zuhauf. Zu den Preistreibern zählen unter anderem die politische Instabilität in Nahost, die starke Ölnachfrage Chinas, das häufigere Auftreten von Stürmen infolge der globalen Erwärmung sowie eine lauernde Angst, dass die Ölproduktion ihren Zenit überschritten hat. Preissenkend wirken dagegen zusätzliche Förderkapazitäten durch Inbetriebnahme neuer Ölfelder, milde Winter und die Möglichkeit eines Preiskriegs innerhalb der Opec.

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