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Emissionshandel : Verdienen mit Kohlendioxid

Wenn die Kohlekraftwerke auf Hochtouren laufen, steigen die Preise von CO2-Zertifikaten. Bild: AP

Kohlendioxid dürfen Unternehmen nur ausstoßen, wenn sie dafür Emissionsrechte gekauft haben. Die werden an der Börse gehandelt. Privatanleger können mithandeln.

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          Es ist ein unmoralisches Angebot: Je mehr Kohlendioxid die Industrie in die Luft bläst, umso besser für die Anleger. Zumindest für die, die ihr Geld in CO2-Zertifikate stecken. Denn dann steigt der Preis der Papiere.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Investieren können auch Privatanleger. Sie nehmen indirekt Teil am Handel der EU mit Verschmutzungsrechten. Damit erwerben Firmen die Erlaubnis, eine bestimmte Menge CO2 auszustoßen. Die, die viel emittieren, müssen mehr Zertifikate kaufen. Die, die Energiesparmaßnahmen ergreifen, haben Verschmutzungsrechte übrig, die sie verkaufen können.

          Privatanleger können über Zertifikate investieren

          Wird viel Kohlendioxid ausgestoßen, wächst die Nachfrage nach diesen Papieren und ihr Preis steigt. Das ist etwa dann der Fall, wenn die Konjunktur gut läuft und die Industrie viel produziert. Oder wenn der Winter kalt ist und viel Wärmeenergie benötigt wird. Oder wenn - wie 2011 - Deutschland den Atomausstieg beschließt und damit Gas- und Kohlekraftwerke wieder verstärkt im Einsatz sind. Gehandelt werden die Papiere an Energiebörsen wie der EEX in Leipzig und vor allem der ICE in London, mit 91 Prozent Anteil am Handelsvolumens unangefochtener Marktführer.

          Privatanleger können dort nicht direkt aktiv werden. Sie können aber Zertifikate kaufen, die den Preis für Kohlendioxid an diesen Energiebörsen abbilden. Solche Zertifikate gibt vor allem die Commerzbank aus. Von den 76 an der führenden Zertifikatebörse in Stuttgart gelisteten CO2-Zertifikaten stammen 74 von der gelben Bank. Hinzu kommt ein Papier der Royal Bank of Scotland und der Unicredit. Alle Zertifikate bilden nicht den aktuellen Preis von Kohlendioxid ab, sondern den für Dezember erwarteten. Denn sie investieren in den Dezember-Future für Kohlendioxid, das liquideste Anlageinstrument für das Abgas.

          Auf fallende CO2-Preise setzen

          Im vergangenen Jahr ist der Preis für Kohlendioxid dramatisch eingebrochen. Denn die Industrie hat weniger ausgestoßen, weil die Konjunktur einbrach, der Winter warm war und der Anteil der erneuerbaren Energien deutlich zugelegt hat. Ein Preisverfall muss aber nicht schlimm sein, denn die Anleger können auch auf fallende Preise spekulieren. Die Commerzbank hat dazu ein paar Papiere im Angebot. Sie gewinnen, wenn der CO2-Preis sinkt.

          Derzeit ist es sehr spannend, in den Papieren anzulegen. Denn alle warten auf die vermutlich im Juni anstehende Entscheidung der EU, ob der Emissionshandel verschärft wird. In der Diskussion ist, den Unternehmen weniger Emissionsrechte zuzuteilen. Denn das Ziel, bis 2020 rund 20 Prozent Kohlendioxid gegenüber 1990 einzusparen, ist in Gefahr, schreibt die Commerzbank in einer Studie. Der niedrige Preis für das Gas senkt den Anreiz, energiesparende Maßnahmen zu ergreifen. Und das ist das Ziel des Emissionshandels. Würden die Handelsbedingungen verschärft, würde der Preis steigen. Dafür sieht die Commerzbank erst im zweiten Halbjahr Potential.

          CO2-Zertifikate korrelieren wenig mit Aktien und Anleihen

          Es ist also derzeit vor allem eine politische Wette. Sowohl für Anstieg wie für einen Rückgang gibt es Zertifikate, teilweise für risikobereite Anleger mit einem Hebel. Dann steigt das Zertifikat manchmal zwei- bis zehnmal so stark, wenn der CO2-Preis klettert.

          Egal, wie diese Wette aufgeht, einen Vorteil haben die Zertifikate auf jeden Fall: Sie korrelieren wenig mit anderen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen. Daher sind sie gut geeignet, das Risiko im Depot zu reduzieren.

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