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Emerging Markets : China und Indien kommen unter Druck

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Optimistisch für Osteuropa: Arnab Banerji von F&C Management Bild: F&C Management

Polen, Brasilien und Südkorea, das sind die derzeitigen Favoriten von Arnab Banerji, Chefstratege bei der britischen Investmentgesellschaft F&C Management.

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          Die Aktienmärkte der Schwellenländer konnten sich in den vergangenen Wochen wieder von ihren Tiefstständen lösen. Überdurchschnittlich positiv entwickelten sich dabei die Börsen in Südkorea, Hongkong, Russland und Brasilien im November.

          In Osteuropa konnte auch der türkische Aktienmarkt zuletzt kräftig zulegen. Der Hintergrund waren aufkeimende Hoffnungen über weitere Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Aufgrund der in Angriff genommenen Reformen sei dieser Schritt gerechtfertigt, hatte der IWF verlauten lassen.

          Trendwende in Polen

          In Polen hat die Regierung ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2002 auf 1,2 Prozent bis 1,5 Prozent gesenkt. Die Inlandsnachfrage ist weiter schwach und eine Erholung ist noch nicht in Sicht. Die Notenbank hat reagiert und will zur Unterstützung der schwachen Wirtschaftslage die Leitzinsen weiter drastisch senken.

          Anlass genug für Analysten des polnischen Aktienmarkts, für das kommende Jahr ein Gewinnwachstum von 20 Prozent auf Seiten der Unternehmen zu prognostizieren. Besonders die Banken dürften dabei durch ein starkes Kreditgeschäft und Kostensenkungen gut abschneiden. Insgesamt könnte daher der Kursaufschwung seit Anfang Oktober eine Trendwende für die polnischen Aktien darstellen.

          Russland immer noch sehr günstig bewertet

          Die Beziehung zwischen den USA und Russland ist nach den Attentaten im September und dem Besuch von Ministerpräsident Putin in den USA enger geworden. Die Bedeutung Russlands in der Welt ist gestiegen, was auch das Vertrauen der Investoren in die russische Wirtschaft gestärkt hat. Außerdem gehend die Reformen im Land zügig voran. Der Aktienmarkt ist im Vergleich zu anderen Emerging Markets immer noch sehr günstig bewertet, selbst wenn ein Rückgang des Ölpreises auf 15 US-Dollar eintreten sollte.

          Sehr unterschiedlich entwickeln sich derzeit die lateinamerikanischen Aktienmärkte. Nachdem Argentinien an der Restrukturierung seiner Inlandsschulden arbeitet und kurz vor dem Staatsbankrott steht, ist das Vertrauen in die Regierung weiter gesunken. Der Aktienmarkt bleibt aufgrund der vielen Unsicherheiten weiterhin uninteressant.

          Brasilien mit guten Chancen im kommenden Jahr

          In Brasilien dagegen hat sich die Aktienbörse seit September 2001 wieder kräftig erholt. Das ist zum einen auf die Verbesserung der Lage in der Elektrizitätswirtschaft, aber auch auf den Aktienaufschwung in den USA zurückzuführen. Außerdem stieg der brasilianische Real gegenüber dem US-Dollar. Trotz dieser positiven Meldungen sind die ausländischen Investoren in Brasilien untergewichtet. Selbst die inländischen Fondsmanager sind nur mit sechs Prozent ihres Vermögens in brasilianischen Aktien engagiert. Es ist relativ wahrscheinlich, dass diese niedrige Aktiengewichtung im Dezember und Januar erhöht werden dürfte.

          Der brasilianische Aktienmarkt wird aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von acht gehandelt, was einem Abschlag von knapp 20 Prozent gegenüber dem Stand zu Jahresbeginn entspricht. Deshalb erwarten wir im kommenden Jahr einen deutlichen Kursanstieg der brasilianischen Aktien.

          In Asien überzeugt vor allem Südkorea

          Die meisten asiatischen Schwellenländer leiden noch unter der Konjunkturabkühlung in den USA und Japan, da sie stark vom Export in diese Länder abhängen. Die weltweite Wirtschaftsschwäche hat dabei auch vor China nicht halt gemacht. Der Export konnte im Oktober nur noch um 0,1 Prozent im Jahresvergleich wachsen. Um dem entgegen zu wirken, hat die Regierung eine Reihe von Maßnahmen wie zum Beispiel die Reduzierung der staatlichen Einflussnahme auf die Unternehmen beschlossen.

          Auch in Indien ist die Lage nicht mehr ganz so positiv. Das Bruttoinlandsprodukt wächst zwar nach wie vor, aber nur langsam. Für das Gesamtjahr erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von unter fünf Prozent. Obwohl es einige Aspekte gibt, die für Indien sprechen, bleiben Investoren doch vorsichtig. Das liegt vor allem an den nur schleppend voran gehenden Reformen und dem steigenden Haushaltsdefizit.

          Die finanzpolitischen Impulse, die in einigen Ländern noch nicht greifen, haben in Südkorea bereits ihren Zweck erfüllt. Analysten erwarten ein Wirtschaftswachstum von knapp vier Prozent für dieses Jahr. Zudem bleiben die Konsumausgaben dank günstiger Kredite auf einem hohen Niveau. Auch die Halbleiterpreise sind in den vergangenen Wochen um zirka 35 Prozent gestiegen. Dieser wichtige Wirtschaftszweig Südkoreas sollte den Export weiter ankurbeln. Positiv wirkt auch der vorhandene Handelsbilanzüberschuss, der für eine hohe Liquidität am Aktienmarkt sorgt. Insgesamt erwarten wir daher eine Fortsetzung der Aktienrally im vierten Quartal.

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