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Finanzmärkte : Eine gigantische Geldvernichtung

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Harte Zeiten für die Händler an der Wall Street: Sie müssen unvorstellbar hohe Wertverluste verkraften
          2 Min.

          Angesichts der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten mag den einen oder anderen ein ungutes Gefühl beschleichen. Auf der einen Seite geraten Banken und andere Finanzunternehmen gleich reihenweise in Schwierigkeiten, die Preise von Vermögenswerten wie Aktien und Zertifikaten gehen in den Keller, und immer deutlicher machen sich die Folgen der von mangelndem Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit potentieller Kontrahenten ausgehende Kreditklemme auch in der Realwirtschaft bemerkbar.

          Die Verbraucher reduzieren ihre Nachfrage, Unternehmen treten auf die Ausgabebremse und legen gleichzeitig immer öfter Kapazitäten still. Auch die Preise von Energie- und Rohstoffen korrigieren deutlich, nachdem sie in den vergangenen Jahren noch zu unübersehbaren inflationären Impulsen geführt hatten.

          Deflationäre oder inflationäre Impulse?

          Solche Entwicklungen deuten auf disinflationäre oder gar deflationäre Tendenzen hin. Genau diese hatten im vergangenen Jahrhundert zu einer wirtschaftlichen Depression geführt. Sie sorgen heute in Japan selbst Jahrzehnte nach dem Platzen der damaligen Immobilien- und Spekulationsblase zu einer unterdurchschnittlichen wirtschaftlichen Entwicklung. Da das Land bisher die notwendigen Reformen nicht umgesetzt hat und die Verbraucher nicht genügend über Steuersenkungen entlastet oder über höhere Zinseinkommen stimuliert, ist es von der Performance der international tätigen Unternehmen abhängig. Und genau die geraten bei aufwertender Währung und schwacher Weltwirtschaft in die Defensive.

          Bild: FAZ.NET

          Auf der anderen Seite öffnen die Zentralbanken ihre Geldschleusen und „fluten“ die Märkte, wie es so schön heißt. Am Mittwoch haben sie sogar in einer koordinierten Aktion die Leitzinsen beinahe weltweit nach unten geschraubt, um gegen die wirkenden Kräfte anzugehend und um die nervösen Märkte zu beruhigen. Ob das gelingt, ist offen.

          Undifferenzierte Berichte über die Aktivitäten der Zentralbanken mögen auch zu Inflationssorgen führen. Die jedoch scheinen im Moment unbegründet zu sein. Denn erstens geben die Zentralbanken die Liquiditätsspritzen nur gegen die Hinterlegung entsprechender Sicherheit - wie gut deren Qualität auch immer sein mag. Zweitens sind die Laufzeiten entsprechender Vereinbarungen in der Regel begrenzt. Das heißt, sie können kurzfristig beendet werden. Drittens stehen dieser Notenbankliquidität riesige Verluste an den internationalen Börsen gegenüber, die Anleger einfahren, indem sie durch Verkäufe Liquidität schöpfen müssen.

          Marktkapitalisierung seit Oktober: Minus 26 Billionen Dollar

          Seit Ende Oktober des vergangenen Jahres ging die Marktkapitalisierung an den Börsen bis Mittwoch weltweit um knapp 26 Billionen Dollar zurück. Knapp sieben Billionen an der Wall Street, jeweils 1,7 Billionen in Großbritannien und China, 1,5 Billionen in Japan und Hongkong, 1,3 Billionen in Frankreich, knapp eine Billion in Deutschland und zwischen 700 und 800 Milliarden Dollar in Brasilien und Kanada. Die restlichen Börsen der Welt kommen zusammen auf einen Verlust an Marktkapitalisierung von 8,7 Billionen Dollar. Das sind gigantische Summen. Zum Vergleich: Die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung betrug zuletzt 3,3 Billionen Dollar im Jahr. Der Euroraum kommt auf ein Bruttoinlandsprodukt von 12 Billionen Dollar.

          Noch scheint nicht klar zu sein, ob sich die Vertrauenskrise und damit indirekt die disinflationären Impulse werden überwinden lassen. Sie scheinen das primäre Problem zu sein. Erst danach kommen die Sorgen über inflationäre Gefahren. Sie dürften erst dann wieder aufkommen, wenn sich die Lage an den Finanzmärkte wieder normalisiert und die Realwirtschaft wieder Fuß gefasst hat.

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