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DWS-Chefanleger im Interview : „Die EZB allein hilft nicht“

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Stefan Kreuzkamp, 49, ist vom kommenden Dienstag an Chefanleger der Deutschen Asset & Wealth Management. Bild: Patricia Kühfuss

Stefan Kreuzkamp, der neue Chefanleger der DWS, spricht über steigende Aktienkurse und den schwachen Euro.

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          Herr Kreuzkamp, die Europäische Zentralbank (EZB) will ihre lockere Geldpolitik noch ausweiten. Ein kapitaler Fehler?

          Wir haben ja nicht ohne Grund eine ultralockere Geldpolitik. Das liegt auch an den Banken. Sie geben die niedrigen Zinssätze nicht ausreichend an diejenigen Unternehmen weiter, die es brauchen können. Wenn die Banken ihr Eigenkapital erhöhen und die Möglichkeit nutzen, mehr Kredite an die kleinen und mittleren Unternehmen zu vergeben, sind wir einen Schritt weiter.

          Zwingt die EZB die Banken nicht quasi dazu, Kredite zu vergeben, indem sie den Banken immer mehr Strafzinsen auf ihre Einlagen aufbrummt?

          Herr Draghi hat dieses Fass wieder aufgemacht. Indem er den Einlagensatz weiter senken will, verstärkt er den Druck auf die Banken, Kredite zu vergeben. Insofern macht die EZB das Richtige. Es stellt sich nur irgendwann die Frage, wie sie am Ende aus der Nummer wieder herauskommt.

          Werden die Banken diese Negativzinsen demnächst an den Sparer weitergeben?

          Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Banken ihren Privatkunden diesen negativen Zins in Rechnung stellen. Sonst würde der konservative deutsche Privatkunde sein Geld vom Konto abheben und in den Tresor legen.

          In Europa werden die Aktienkurse doch eigentlich nur von der EZB getrieben, oder nicht?

          Ich glaube nicht, dass die ultralockere Geldpolitik der EZB allein weiter ausreichen wird, um die Kurse nachhaltig nach oben zu ziehen. Bisher hat sie sehr geholfen. Aber jetzt müssen die Unternehmensgewinne in der Eurozone nachziehen, um weiter höhere Bewertungen zu rechtfertigen.

          Und wo sehen Sie den Dax dann Ende nächsten Jahres?

          Wir sehen für den Dax ein Potential von fünf bis sieben Prozent. Derzeit liegt unser Kursziel bei 11.700 Punkten.

          Also heißt die Devise: Weiterhin viel konsumieren und Aktien kaufen?

          Beides würde helfen. Wir raten zu konservativeren Dividendentiteln. Wenn man sich die Dividendenrendite vieler Aktien anschaut, dann liegt die um eine Vielfaches höher als der aktuelle risikofreie Zins. Im Euro Stoxx liegen wir bei drei Prozent Dividendenrendite, das bildet einen stabilen Puffer gegen potentielle Schwankungen.

          Und welche Aktien sind die attraktivsten?

          Wir bevorzugen Werte aus den Industrienationen gegenüber jenen aus Schwellenländern. Und wir bevorzugen Deutschland und Europa sowie Japan gegenüber den Vereinigten Staaten. Amerikanische Aktien sind aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,5 hoch bewertet, der Dax hat mit etwas mehr als 14 ein gewisses Aufholpotential. Wenn wir nur ein KGV von 15 annehmen, bedeutet das ungefähr 800 zusätzliche Indexpunkte im Dax.

          Also Finger weg von amerikanischen Aktien?

          Gemach - nicht unbedingt. Wir schauen uns zum Beispiel die Aktien jener Unternehmen an, die einen Großteil ihres Umsatzes in ihrem Heimatmarkt erzielen und daher wenig oder gar nicht von Wechselkursschwankungen betroffen sind. Und die haben teilweise eine Marktkapitalisierung wie das größte Dax-Unternehmen Bayer.

          Aber die extremen Kursschwankungen in den Sommermonaten stecken noch in den Köpfen der Anleger.

          Wir erwarten für 2016, dass die Schwankungen größer werden und sich die Risiken erhöhen. Zum einen hat 2015 die Wachstumsphantasie in China nachgelassen. Zum anderen wird am 16. Dezember die amerikanische Notenbank die Zinsen erhöhen.

          Darauf sind doch längst alle eingestellt!

          Das stimmt. Aber Zinserhöhungen führen dazu, dass die Märkte skeptischer reagieren. Es bleibt abzuwarten, ob die Fed ihren Zinsschritt auch so moderieren wird, dass die Märkte nicht eine Serie von Zinserhöhungen befürchten.

          Die Fed tut so, als ob sie handelt. Aber wird sie nicht von den Märkten getrieben?

          Ich glaube, die Fed ist eine Getriebene. Eigentlich müsste der Zinssatz bei diesem Wirtschaftswachstum in Amerika schon jetzt mehr als drei Prozent betragen. Wir sind aber immer noch auf der Nulllinie. Die Fed läuft also der Wirtschaft und der Inflationsentwicklung hinterher. Die Zinserhöhung ist der letzte Pfeil, den sie im Köcher hat. Erhöht sie die Zinssätze zu früh und die Wirtschaft fällt hinten runter, dann wird sie schlecht zurückrudern können und sagen, hoppla, wir haben wohl einen Fehler gemacht.

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