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Dividendenfonds : Dividendentitel sind noch lange nicht ausgereizt

Unvorhersehbar: Unfälle, wie hier die defekte BP-Bohrplattform, können zu heftigen Kurseinbrüchen führen. Bild: AP

Gegen Kurseinbrüche, Unfälle und Krisen hilft nur, seine Anlagen breit zu streuen. Das sagt Fondsmanager Thomas Meier. Daher sucht er Aktien mit stabilen Dividenden - und riskiert dafür auch etwas.

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          Im Niedrigzinsumfeld sind Aktienfonds mit Schwerpunkt auf hohe Dividenden schon eine ganze Weile „in“. Viele sprechen inzwischen sogar von Dividenden als dem neuen Zins. Manche dagegen halten die beste Zeit der Dividendenaktienfonds schon für vorbei, weil die Zinsen zu steigen beginnen und damit gegenüber Dividenden aufholen. Thomas Meier hält beides für falsch. „Dividenden werden noch lange sehr wichtig sein für die Rendite, denn die Zinsen werden wegen schwachem Wirtschaftswachstum noch länger niedrig bleiben. Aber mit einem Zins darf man die Dividende trotzdem nicht vergleichen. Aktien und damit auch Dividenden sind unternehmerische Beteiligungen mit hohen Schwankungen. Das kann man nicht wegdiskutieren“, sagt Meier.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der 44 Jahre alte Fondsmanager gilt als Architekt des im Jahr 2011 aufgelegten und recht erfolgreichen Fonds Deka Dividendenstrategie. Inzwischen ist Meier nach einem Intermezzo bei Loys und einer privaten Auszeit zur Fondsboutique Mainfirst gewechselt und hat dort einen Fonds konzipiert, in dem derzeit 70 Aktien stecken. Volkswagen ist nicht dabei, aber Porsche war eine Position, die Meier allerdings sofort nach dem Wochenende auf den Markt warf, an dem der Diesel-Betrug bekanntwurde.

          Nicht wie andere Dividendenfonds

          „Vor Unfällen und Krisen, die plötzlich Kurseinbrüche nach sich ziehen, ist niemand gefeit“, sagt Meier und erinnert an die defekte Bohrplattform von BP und die Finanzkrise. „Gegen solche Kurseinbrüche hilft nur, das Vermögen breit zu streuen. Deshalb haben wir 70 verschiedene Aktien im Fonds, achten darauf, dass sie aus verschiedenen Regionen und Branchen kommen und unterschiedliche Marktgröße haben“, sagt Meier über seinen neuen Aktienfonds „Global Dividendstars“.

          Mit dem neuen Fonds geht Meier bewusst das Risiko ein, auch in kleine und mittlere und damit weniger liquide Aktienunternehmen zu investieren. Immerhin ein Drittel des Fondsvermögens steckt in Aktien von Unternehmen, die größtenteils Familien gehören. So ist der Autovermieter Sixt zusammen mit dem großen britischen Ölwert Royal Dutch (beide je mit 3,9 Prozent Gewicht) im Fonds die größte Position. Sixt ist ein Unternehmen, das bei anderen Fondsgesellschaften wegen seiner geringen Größe unter dem Radar durchfällt. Meier aber mag es, weil Sixt gerade seine Leasing-Sparte teilweise über die Börse verkauft hat, was zeigt, dass Sixt „punktuell“ und nicht alles auf Wachstum setzt. Dies lasse kontinuierliche Dividendensteigerungen erwarten.

          Es gibt Dividendenfonds, die relativ mechanisch ihre Aktien auswählen: Sie kaufen nur solche, die jedes Jahr die Dividende erhöht haben oder die Dividende in zehn Jahren nie gesenkt haben. Auf diese Weise wird versucht, diejenigen Werte auszusortieren, die aus schlechten Gründen eine hohe Dividendenrendite aufweisen. Dazu zählt etwa, dass sie zu wenig in Forschung und Entwicklung investieren und deshalb kurzfristig einen hohen Gewinn erzielen. Ebenso zählen dazu Unternehmen, die aus der Substanz Dividende erzielen, deren Dividende also nicht vom Gewinn gedeckt ist. Oder schlicht Unternehmen wie die deutschen Energieversorger RWE und Eon, die wegen eines kräftigen Kursverfalls bei (auf Dauer eher unwahrscheinlich) unveränderter Dividende optisch eine hohe Dividendenrendite aufweisen.

          Deutsche Unternehmen sind am stärksten vertreten

          Meier versucht, Unternehmen mit stabilen, besser noch steigenden Dividenden auf andere Weise zu finden. Keine Mechanik, nicht einmal eine Mindestdividendenrendite gibt er vor. Vielmehr prüft der Fondsmanager zum Beispiel, ob ein Unternehmen in einem Markt aktiv ist, der hohe Eintrittsbarrieren hat. Das Geschäft des Schweizer Aromen- und Parfümherstellers Givaudan etwa könne man nur mit erheblichem Kapitaleinsatz kopieren, glaubt er, und die operative Marge von 25 Prozent verspreche dauerhaft hohe Dividenden.

          Betrachtet nach Regionen, haben deutsche Unternehmen mit derzeit 28 Prozent das höchste Gewicht im Fonds. Ihr Anteil könnte aber bald zugunsten der für Meiers Geschmack noch zu hoch bewerteten amerikanischen, vor allem aber der japanischen Unternehmen sinken. Denn Japan hat es Meier angetan: „Dort tritt gerade eine neue Managergeneration an, die den weltweiten Wettbewerb annimmt und viel für Aktionäre tut.“

          Die gerade unter starken Kapitalabflüssen leidenden Schwellenländer wie China oder Brasilien sieht Meier nicht überaus kritisch, obwohl er derzeit keine Aktie aus einem Schwellenland hat. Er versucht aber, in westliche Unternehmen zu investieren, die etwa in Asien stark sind wie die amerikanische Tupperware oder die Deutsche Post. Die am stärksten vertretene Branche im Fonds ist der Finanzsektor. Aber hier versucht Meier, in verschiedene Geschäftsmodelle zu investieren: in Börsenbetreiber wie die Deutsche Börse, in Immobilienbanken wie die Deutsche Pfandbriefbank, aber auch in den amerikanischen Vermögensverwalter Blackrock. Energieversorger hat Meier mit Ausnahme der spanischen Endesa nicht im Portfolio. Von „Dividendenflops“ wie Eon und RWE, die seit Jahren ihre Dividenden senken, versucht er sich fernzuhalten.

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