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Direktanlagen : Die übersehenen Risiken

Container in Schanghai: Und wo steht Ihrer? Bild: dpa

Die Insolvenz von Magellan Maritime hat die Risiken von Direkt-Investments verdeutlicht. Derzeit ist die Lage unübersichtlich, der vorläufige Insolvenzverwalter rät zur Besonnenheit.

          3 Min.

          Direktanlagen haben derzeit Konjunktur. Statt in komplizierte Wertpapiere oder geschlossene Fonds investieren Anleger lieber gleich selbst in Rinder, Computerserver oder Schiffscontainer. Nicht nur sind die in Aussicht gestellten Renditen von häufig 6 Prozent und mehr vielversprechend. Auch das Gefühl, im Falle eines Falles „etwas in der Hand zu haben“, suggeriert Sicherheit.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie fraglich das ist, müssen derzeit die Anleger erfahren, die bei der Magellan Maritime Services Schiffscontainer gekauft haben. Das Investment lief so ab: Die Anleger erwarben Container und vermieteten diese an Magellan zurück. Die Firma lieh die Container wiederum an internationale Reedereien aus, vor allem nach Taiwan und China. Magellan kassierte die Mieten, zahlte sie an die Anleger aus und kaufte am Ende der Laufzeit die Container zurück. Das Angebot kam gut an. Insgesamt 9000 Investoren sollen rund 350 Millionen Euro in 160.000 Containern angelegt haben.

          Nach der Insolvenz stellte sich unmittelbar die Frage, was den mit dem Container zu tun sei, der ja grundsätzlich dem Anleger gehört. Mit einer Kündigung des Mietvertrags mit Magellan - falls überhaupt möglich - würde der Anleger zum Mini-Unternehmer in einer weltweit agierenden Branche, ohne Sachkenntnis und Kontakte. Mithin eine Situation, die so mit Sicherheit nicht gewünscht war.

          Ein Widerruf wäre wohl mit der Begründung einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung wohl möglich. Doch weil der Anleger dann das Eigentum am Conatiner aufgibt, hätte er nur noch eine Forderung gegen das insolvente Unternehmen. Ob das die bessere Wahl ist, bleibt fraglich.

          Es bleibt den Anlegeren daher nicht viel anderes übrig, als zu warten. Aufgabe des vorläufigen Insolvenzverwalters Peter-Alexander Borchardt ist es zunächst, die Gelder zu sichern - also die Mieten einzuziehen und sich zunächst ein Bild zu verschaffen, wem hier was zusteht.

          Dazu müsse man aber die Verträge, die Magellan mit den Anlegern geschlossen hat, erst noch prüfen, sagt Borchardt. Man habe ergänzend zu den eigenen Prüfungen auch ein Rechtsgutachten einer unabhängigen, renommierten Kanzlei beauftragt.

          Dabei gehe es darum, sich überhaupt ein Bild zu verschaffen, welche Rechte und Pflichten sich aus den Verträgen ergeben. Nach bisherigem Stand enthielten die Verträge sowohl Elemente von Dienstleistungs- als auch von Mietverträgen. Was das bedeutet, ist noch nicht klar und Vermutungen über das Ergebnis will Borchardt nicht anstellen. Sicher ist indes, dass es Zahlungen an Anspruchsberechtigte erst nach Eröffnung des endgültigen Insolvenzverfahrens geben dürfte und das heißt wohl nicht vor September dieses Jahres. Indes macht Borchardt den Anlegern Hoffnung, dass alles doch noch gut ausgeht. Die Fortsetzung des Geschäftsbetriebs sei gewährleistet, nicht zuletzt, weil Magellan auch über weitere eigene Einnahmen aus eigenem Geschäft verfüge.

          Damit wären die Anleger fürs Erste die drängendsten Sorgen um ihre Container los. Zudem die Mietverträge für die Container in der Regel über 5 bis 13 Jahre laufen und befinden sich damit bis auf weiteres im Einsatz. So schnell muss also wohl kein Anleger fürchten, dass ihm eine Rechnung eines chinesischen Hafens über Standgebühren für seinen Container ins Haus flattert.

          Borchardt versucht sein Möglichstes, die Anleger zu beruhigen. „Gerade im Internet kursieren derzeit die wildesten Gerüchte“, sagt der Insolvenzverwalter, der derzeit auch keine Hinweise auf Straftatbestände vorliegen sieht. Das könne letztlich aber erst nach Abschluss der Ermittlungen beurteilt werden. Strafrechtlich sei das ohnehin Sache der Staatsanwaltschaften.

          Der Fall macht die Risiken von Direktanlagen mehr als deutlich. Für diese besteht erst seit diesem Jahr eine Prospektpflicht, der die Anbieter eher zögerlich nachkommen. Daher sind die Informationsgrundlagen oft eher weniger umfangreich und wurden auch formal nie geprüft.

          Die Insolvenz des Vermittlers und Dienstleisters kann unabsehbare Folgen haben.

          Sollte Magellan wider Erwarten nicht saniert werden können, könnte sich für die Anleger ein im wahrsten Sinne des Wortes schwerwiegendes Problem ergeben. Denn dann stünde kein Dienstleister - oder Mietvertragspartner - und vor allem kein Käufer mehr zur Verfügung, der den Container abnimmt. Spätestens nach Ablauf der Mietverträge würde sich dann die Frage stellen: Was mache ich mit meinem Container?

          Ähnliche Fragen stellen sich auch bei anderen Direkt-Investments. Brillianten mögen noch im Wortsinn handhabbar sein und vielleicht kann man auch noch Edelholz stapeln. Falls man, wie im Fall des wie Magellan insolventen Anbieters Lignum, als Anleger Zugriff auf die Bäume bekommt, die man erworben hat.

          Weitaus schwieirger wird es mit Güterwaggons, Grundstücksanteilen oder Rindern. Im unwahrscheinlichen Fall einer Insolvenz könne eine Verwertung der Rinder zwar auch ohne das Zutun eines Dienstleisters wie Agri Terra erfolgen, so Geschäftsführer Carsten Pfau, dessen Unternehmen für die Abwicklung dieser Geschäfte in Paraguay zuständig ist. Jedoch wäre die Einschaltung einer ähnlich aufgestellten Firma oder auch eines deutschsprachigen Anwalts vor Ort notwendig oder sinnvoll. Insofern stellt sich auch hier die Frage nach der Wirtschaftlichkeit.

          Prospekte für Direktanlagen könnten diese Form der Geldanlage zwar besser regeln und auch die schwärzesten Schafe vom Markt fernhalten. Es ist allerdings fraglich, ob diese Anleger vor falschen Entscheidungen bewahren würde. Gegen Fehlinvestitionen und unüberlegte Entscheidungen ist kein Kraut gewachsen.

          Die Magellan-Anleger müssen sich jetzt in Geduld üben und auf das endgültige Insolvenzverfahren warten. Dann erst wird sich herausstellen, ob sich das Container-Geschäft gelohnt haben wird. Derzeit ist jedenfalls nicht gesichert, in welcher Höhe Auszahlungen erfolgen können.

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