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Die Vermögensfrage : Vermögenspläne bringen Licht in die privaten Finanzen

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Bild: F.A.Z.-Kai

Der private Finanzplan ist das ideale Werkzeug, um die Struktur des Vermögens zu überprüfen. Die Beratung bei der „ganzheitlichen Vermögensplanung“ ist modern geworden. Oft wird jedoch nur neuer Wein in alten Schläuchen verkauft.

          Der private Finanzplan ist das ideale Werkzeug, um zu Beginn des Jahres Kassensturz zu machen und die Struktur des Vermögens zu überprüfen. Bei dieser Inventur kommen, bevor auch nur ein Euro umgedreht wird, alle Finanzverträge auf den Tisch. Das sind nicht nur Aktien, Anleihen, Bargeld, Beteiligungen und Immobilien, sondern auch Arbeitseinkünfte und Pensionen.

          Die Einkommen sind bei Angestellten die Löhne und Gehälter und bei Selbständigen die Gewinne. Sie werden wegen der Unsicherheit mit einem Satz von 8 bis 10 Prozent abgezinst, so daß die Barwerte wie Aktien behandelt werden. Die Pensionen werden, weil sie sicherer sind, lediglich mit 4 bis 5 Prozent diskontiert, so daß die Beträge mit den Werten festverzinslicher Anleihen vergleichbar sind.

          Inventur bei den Privatfinanzen: Soll und Haben

          Ähnlich werden - im weitesten Sinne des Wortes - sämtliche Verpflichtungen inventarisiert. Schulden sind nicht nur die Darlehen, die bei Banken, Bausparkassen und Versicherungen bestehen, sondern auch privater Konsum und Versicherungsprämien. Die Kredite der Banken werden mit dem Nominalwert erfaßt und um die Vorfälligkeitsentschädigung erhöht. Beim Privatkonsum und bei den Versicherungen werden die künftigen Ausgaben mit 4 bis 5 Prozent auf die Gegenwart abgezinst und dem Vermögen gegenübergestellt.

          Die private Vermögensbilanz, links die Guthaben, rechts die Schulden und das Eigenkapital, liefert dem Anleger die Informationen, wie hoch das Vermögen ist und wie das Gebäude finanziert worden ist. Noch wichtiger als die Privatbilanz ist freilich der Vermögensplan, in dem der künftige Verlauf der Finanzverträge dargestellt wird. Die wichtigsten Eckpunkte dieser Übersicht sind der Gegenwartswert (Barwert) und der Zukunftswert (Endwert) des Vermögens. Sie bieten dem Besitzer drei Erkenntnisse. Erstens weiß er, wie hoch das heutige Nettovermögen ist. Zweitens sieht er, was aus dem Vermögen werden wird, wenn er nichts tut und alles beim alten beläßt. Drittens kann er abschätzen, wie stark sich der Nettoendwert ändern wird, falls er das Vermögen doch umbaut. Gleichzeitig wird die Frage beantwortet, ob sich die ganze Arbeit lohnen wird, ob Risiko und Ertrag in angemessenem Verhältnis zueinander stehen oder nicht.

          Die Aufstellung des Vermögensplans ist mit einiger Arbeit verbunden, so daß die meisten Menschen, die im Jahr vielleicht 50.000 oder 10.000 Euro verdienen, über den Aufwand nur den Kopf schütteln. In ihren Augen kommen Vermögenspläne für Leute in Frage, die mehr als 250.000 Euro pro Jahr verdienen oder mehr als 500.000 Euro auf dem Konto haben. Das ist aber nicht richtig. Es ist völlig gleichgültig, ob es um den Einstieg ins Berufsleben, den Aufbau der Altersversorgung oder die Kapitalanlage nach dem Verkauf des Unternehmens geht, und genauso unbedeutend ist die Frage, wie viele Nullen an den Geldbeträgen hängen. In sämtlichen Fällen geht es um die nüchterne Frage, wie die Geldanlagen, Kredite und Versicherungen so miteinander verknüpft werden, daß die Geschichte unter dem Strich eine runde Sache ist.

          Die schlichte Erkenntnis, daß die Konzeption in der Regel wichtiger als Kondition ist, hat in vielen Banken in jüngster Zeit zu erstaunlichen Veränderungen geführt. Die Kreditinstitute haben viel Geld in die ganzheitliche Vermögensplanung gesteckt, weil sie die Hoffnung hegen, auf diese Weise ihr Image als parteiliche Produktverkäufer abstreifen zu können. Im Mittelpunkt stehen, so lautet der neue Vorsatz, nicht mehr Produkte, sondern Konzepte und Strategien, wie Vermögensfragen "ganzheitlich" gelöst werden können. Von diesem Bazillus sind aber nicht nur Banken und Versicherungen, sondern auch Finanzberater und Vermittler aller Schattierungen befallen, weil sie hoffen, damit mehr Erfolg zu haben.

          Ganzheitliche Finanzplanung: Oft nur neuer Wein in alten Schläuchen

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