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Deutsches Schwarzgeld : Geständnisse eines Schweizer Bankers

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Finanzplatz Zürich: Deutsche, die früher ihr Schwarzgeld in der Schweiz abgegeben haben, müssen sich seit einigen Jahren nach Alternativen umschauen – manche Banken brauchen ein neues Geschäftsmodell. Bild: KARIN HOFER/The New York Times/R

Wie war das, als die Deutschen ihr Schwarzgeld noch in der Schweiz horteten? Ein Schweizer Vermögensverwalter, der anonym bleiben will, plaudert aus dem Nähkästchen. 

          Früher war alles so einfach. Aus ganz Europa kamen die Kunden zu uns in die Schweiz und eröffneten ein Konto. Sie wussten: Hier herrscht Diskretion. Die Kunden kamen mit einem Koffer voller Bargeld in die Schalterhalle und zahlten das Geld ein. Woher das Geld kam, ob es ordentlich versteuert war oder nicht – das wollten wir gar nicht wissen. Im Gegenzug hat der Kunde, ob nun Deutscher, Franzose, Italiener oder Holländer, nie nach den Konditionen gefragt oder darüber verhandelt. Oft konnten wir in der Vermögensverwaltung mehr als 1,5 Prozent verlangen. Bei einer Anlage von einer Million Euro brachte uns das mindestens 15.000 Euro im Jahr. Wir haben also prächtig verdient.

          Dem Kunden war das egal. Ihm war vor allem wichtig, dass wir ihn in aller Stille betreuten. Kontoauszüge wollte er keinesfalls zugeschickt bekommen. Also lagerten wir diese in der Bank. Und bei Telefonaten redeten wir konsequent um den heißen Brei herum. Nie fielen die Worte „Steuer“, „Euro“ oder „Schweiz“, denn wir wussten: Gespräche von Schweizer Bankern ins Ausland wurden überwacht und nach Stichwörtern gefiltert.

          Nicht jeder, der Teile seines Geldes bei uns in Sicherheit gebracht hat, tat dies mit dem Ziel, Steuern zu sparen. So mancher Kunde wollte sein Vermögen vor einem etwaigen willkürlichen Zugriff seitens seiner Regierung schützen. Dank des Bankgeheimnisses war dies in der Schweiz gewährleistet. Ein Firmenpatron hatte still und heimlich ein paar Millionen auf die Seite geschafft – und nicht einmal seine Frau darüber informiert. Nach seinem Tod kam niemand vorbei, um das Konto für sich zu reklamieren. Es wusste ja keiner etwas davon. Das nennen wir nachrichtenloses Vermögen. Nach zehn Jahren landet es in einer Spezialabteilung.

          Allein die Kontaktaufnahme hat so manchen erschüttert

          Von 2008 an ging es dem Bankgeheimnis an den Kragen. Den Anfang machte der Fall Zumwinkel. Dann kamen die CDs mit den gestohlenen Kontodaten deutscher Kunden. Die hatten plötzlich panische Angst. Sie wollten von uns wissen, ob morgen die Polizei vor ihrer Tür steht. Lange vor dem Fall Uli Hoeneß griffen viele Kunden zum Instrument der strafbefreienden Selbstanzeige. Aber längst nicht alle Steuersünder wollten von sich aus reinen Tisch machen. Also haben wir nachgeholfen und Druck gemacht. Es ist wirklich wahr: Wir wollen mit Steuersündern nichts mehr zu tun haben. Wir haben jahrelang weggesehen – und mussten dafür schwer büßen, mit Geldstrafen und einem großen Verlust an Reputation. So kann, so darf das nicht weitergehen.

          Wir haben jeden einzelnen Kunden im Ausland aufgefordert, uns einen Nachweis darüber zu bringen, dass die landesüblichen Steuern für Vermögen und Erträge auf unseren Konten entrichtet worden sind. Allein die Kontaktaufnahme hat so manchen erschüttert, der sonst alle Jubeljahre in konspirativem Ton von der Telefonzelle aus anrief. Wer unsere Aufforderung ignorierte, dem haben wir gekündigt und um die Koordinaten eines anderen Kontos gebeten. Darauf wollten wir das abzuschiebende Vermögen überweisen. Das sorgte bei den Betroffenen für Unmut und Angst. Denn im Moment der Überweisung ist der heimische Fiskus alarmiert.

          Angst, dass die Kunden gewalttätig werden

          Manche Kunden haben daraufhin das Geld in bar bei uns abgehoben. Doch das ist riskant. Die Zöllner an der Grenze sind psychologisch gut geschult, fühlen Verdächtigen geschickt auf den Zahn. Ein älterer Herr allein in seinem Mercedes mit deutschem Kennzeichen wird garantiert gefilzt. Sobald die Beamten größere Beträge in Cash finden, alarmieren sie die Finanzbehörden. Und noch bevor der Kunde zu Hause ist, stehen bei ihm die Steuerfahnder in der Tür. Es gibt auch Steuerhinterzieher, die mieten sich ein Haus im Schwarzwald und eine Wohnung im Thurgau und schleusen im einfachen Leihwagen jeden Tag kleinere Beträge über die Grenze, wobei sie verschiedene Übergänge nutzen. Auch das kann schiefgehen.

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