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Deutsches Schwarzgeld : Geständnisse eines Schweizer Bankers

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Bei den Leuten, die ihr Geld und ihr Gewissen partout nicht reinwaschen wollen, handelt es sich oft um Unternehmer, die sich vor einer Selbstanzeige fürchten, weil die Steuerfahnder in der Folge auch ihre Firma genau unter die Lupe nehmen könnten. Und irgendetwas finden die ja immer. Und dann ist da noch die Angst vor dem Verlust des eigenen Ansehens. Der Bürgermeister oder Kämmerer eines Dorfs in Süddeutschland ist erledigt, wenn herauskommt, dass er sich selbst als Steuersünder angezeigt hat. Also hält er lieber still und hofft bangend, dass man ihm nicht noch auf die Schliche kommt.

Wir setzen den offenkundig steuerunehrlichen Kunden jedenfalls sprichwörtlich die Pistole auf die Brust. Darüber sind die natürlich stinksauer. „Jahrelang habt Ihr bestens an uns verdient – und jetzt schmeißt Ihr uns raus!“ So lautet der Vorwurf. In Frankreich ist es schon vorgekommen, dass Kollegen bei entsprechenden Gesprächen mit Kunden einen Sicherheitsmann an der Seite hatten. Sie fürchteten, der Kunde könne vor lauter Zorn gewalttätig werden. Dabei kommt doch 2017 der grenzüberschreitende, automatische Informationsaustausch, dann ist sowieso Schluss mit der ganzen Steuerhinterziehung. Dann ist man nirgendwo mehr sicher. Wer also jetzt nicht eine Weißgeldstrategie fährt und Amnestieprogramme nutzt, ist selbst schuld.

Der junge Erbe des digitalen Zeitalters hat ganz andere Ansprüche

Für uns Banken ist diese ganze Entwicklung sehr schwierig. Und zwar auf mehreren Ebenen. Wir haben große Anteile an Kundengeldern verloren. Damit fehlen uns wichtige Erträge. Uns fließt zwar auch neues Geld zu, aber die Margen haben sich gegenüber früher sehr stark reduziert. Der ausländische Kunde verhandelt hart über die Konditionen. Und er fragt sich, warum er sein Geld überhaupt noch in die Schweiz tragen soll. Wo ist der Mehrwert gegenüber der heimischen Bank vor seiner Tür? Diese Frage ist auch deshalb so berechtigt, weil die Qualität unserer Beratung vielfach noch nicht den Ansprüchen genügt. Bis 2008 kamen die Kunden ganz von allein, da haben wir einfach nur die Hand aufgehalten. Das spornt schon mal nicht zu Leistung an.

Danach, in der Finanzkrise, waren wir vor allem mit uns selbst beschäftigt. Und jetzt müssen wir erkennen, dass viele unserer Leute den Anforderungen des modernen Bankgeschäfts nicht gewachsen sind. Im digitalen Zeitalter will der reiche, junge Erbe ganz anders angesprochen und beraten werden als dessen Vater. Wenn es irgendwo im Anlageportfolio brennt, wird der Kunde künftig automatisch per Mail informiert werden. Und gleich danach muss sein Berater erreichbar sein und eine Handlungsempfehlung parat haben, sei es am späten Abend oder gar am Wochenende.

Dazu müssen wir viel Geld in die Schulung der Mitarbeiter und in die neue digitale Technik investieren. Und dass obwohl unsere Kostenquoten steigen. Ein schwieriger Spagat, den alle Schweizer Vermögensverwalter proben müssen, um in der Zukunft zu bestehen. So mancher wird sich dabei das Genick brechen – oder sein Heil in den Armen eines Wettbewerbers suchen. Diejenigen jedoch, die den Transformationsprozess überstehen, werden gestärkt aus dem Wandel hervorgehen und dem Schweizer Finanzplatz jene Bedeutung in redimensionierter Form zurückgeben, welche er in der Vergangenheit hatte – allerdings aus anderen Gründen.

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