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Deutscher Aktienmarkt : Auch beim Dax haben politische Börsen kurze Beine

  • -Aktualisiert am

Kein Kanzlerkandidat verzückt die Börsianer Bild: AP

An der Börse spielen die Bundestagswahlen eine eher untergeordnete Rolle. Mehr Sorgen bereitet die Lage der Weltwirtschaft.

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          Die Bundestagswahlen sind natürlich auch für die Börsianer ein Grund, über den Ausgang und die damit verbundenen Kurssignale nachzudenken.

          Doch zu viel Energie sollten die Marktteilnehmer besser nicht mit diesen Gedankenspielen verschwenden. Denn es spricht einiges dafür, dass der Wahlausgang den grundlegenden Trend an der Börse nicht nachhaltig beeinflussen wird.

          Experten relativieren Kurseinfluss der Wahlen

          Die Experten bei der Dresdner Bank legen sich jedenfalls schon vorher fest. Auf die Frage, ob die Anleger ihre Aktiendepots neu mischen müssen, lautet ihre klare Antwort: „Nein, denn politische Börsen haben kurze Beine.“

          Auch andere Analysten geben sich ähnlich gelassen: „Die Bundestagswahl ist kein Thema für Anlageentscheidungen“, lässt Eberhardt Unger von der SEB Bank wissen. Und HSBC Trinkaus & Burkhardt hat ein extra ausgearbeitetes Bundestagswahl Spezial mit der Überschrift betitelt: „Große Show - kleine Wirkung“.

          Kein Richtungswechsel zu erwarten

          Die Gelassenheit der Börsianer basiert auf verschiedenen Überlegungen. So muss konstatiert werden, dass es heutzutage nicht mehr um einen grundlegenden Richtungsentscheid geht. Die großen Parteien unterscheiden sich in ihren Programmen nicht so entscheidend, dass durch eine Wachablösung eine andere Republik entstehen würde. Schon alleine aus fiskalpolitischen Zwängen heraus sind neuen Ideen ein enges Korsett vorgegeben.

          Hinzu kommt die Globalisierung. Diese bewirkt eine starke wechselseitige Abhängigkeit und Verflechtung der einzelnen Volkswirtschaften mit den weltweiten konjunkturellen Entwicklungen. Die wechselseitigen Interdependenzen gelten umso mehr für die Länder der Europäischen Union. Auch aus diesem Grund stellt wiederum die Dresdner Bank fest: „Der Einfluss von Wahlen auf die Aktienmärkte ist heute geringer als noch vor 20 Jahren. Durch die Globalisierung sind große Aktiengesellschaften immer weniger abhängig von den Entwicklungen der einzelnen Ländern.“

          Schwarz-Gelb bei den Börsianern einen Tick beliebter

          Trotzdem kann es natürlich auch heute noch zu kurzfristig spürbaren Kurseffekten kommen. Übernimmt Schwarz-Gelb das Zepter, würden dies die Börsianer wohl lieber sehen als eine Fortsetzung einer Rot-Grünen-Regierung. Das hat damit zu tun, dass CDU/CSU geführte Regierungen in der Vergangenheit eine etwas bessere Performance brachten als es in Zeiten einer SPD-geführten Regierung der Fall war. Auch gilt Schwarz-Gelb noch immer als etwas kapitalmarktorientierter als Rot-Grün.

          Aber selbst im Falle eines Regierungswechsels, der nach den neuesten Umfragen ohnehin wieder ins Wanken geraten ist, wird es höchstens kurzfristig zu einem Kursplus kommen. Danach wird der Markt aber sehr schnell wieder zur Tagesordnung übergehen. Und die entscheidende Frage wird dann neben der anhaltenden Kriegsangst wieder lauten, ob die Bewertungsrelationen an den Börsen mit den Konjunkturaussichten übereinstimmen oder nicht.

          Auch den Einfluss auf einzelne Branchen nicht überbewerten

          Zu stärkeren Kursbewegungen als am Gesamtmarkt kann es kurzfristig betrachtet vielleicht bei ausgewählten Branchen kommen. Besonders viele Spekulationen drehen sich in dieser Hinsicht immer wieder um die Umweltaktien. Die Überlegung dabei ist, dass eine neue Regierung alle Vorteile, welche die damit verbundenen Unternehmen wieder kappen wird. Aber diese Annahme ist schon alleine deshalb töricht, weil sich heutzutage keine Regierung gleich welcher Farbe von der Förderung alternativer Energien grundsätzlich abwenden kann.

          Im übrigen wird bei diesen Theorien stets vergessen, dass die Umweltaktien auch nach vier Jahren Rot-Grün auf massiven Kursverlusten sitzen. Gerade dieses Beispiel unterstreicht eindrucksvoll, um wie viel wichtiger tragfähige Geschäftskonzepte und eine vernünftige Börsenbewertung verglichen mit den politischen Rahmenbedingungen sind.

          Dies gilt auch für den Versorgersektor. Ob der Ausstieg aus der Atomenergie nun beschlossene Sache bleibt oder nicht, mag zwar kurzfristig die Kurse beeinflussen. Langfristig müssen diese Unternehmen aber flexibel genug sein, um für beide Szenarien gerüstet zu sein. Und selbst eine wie von der CDU/CSU angedachte erneute Abschaffung der Steuerfreiheit für Veräußerungserlöse von Kapitalgesellschaften dürfte nach Experteneinschätzungen kaum noch große Kurswirkungen auslösen.

          Entscheidend ist die weltwirtschaftliche Entwicklung

          Noch mit am spannendsten könnte es an der Börse dann werden, wenn die Wahlen keine klaren Mehrheiten bringen oder wenn Rot-Grün nur geduldet von der PDS regieren kann. Speziell der letztere Fall dürfte ausländischen Beobachtern negativ aufstoßen und zu einem gewissen Abgabedruck führen. Aber selbst diese negative Ausgangslage wäre dann für die Börsianer schnell kein Problem mehr, wenn es demnächst positive Konjunktursignale aus den USA geben sollte. Denn dann würde der Wahlausgang in Deutschland bei der Entscheidungsfindung in Anlageentscheidungen ohnehin sehr schnell wieder in den Hintergrund treten.

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