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Deutsche Oppenheim Family Office : „Diversifikation wirkt nicht mehr“

  • Aktualisiert am

Sitz der Deutschen Oppenheim Family Office in Keferloh bei München Bild: Unternehmen

Family Offices haben als Anleger einen guten Ruf. Marktführer Deutsche Oppenheim hält eine neue Krise am Finanzmarkt für möglich und empfiehlt, rechtzeitig auf Liquidität zu setzen. Oder noch besser gleich auf Qualität.

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          Family Offices haben unter Anlegern derzeit einen guten Ruf. Sie gelten als diskrete Büros, die Familienvermögen verwalten, und man mutmaßt, dass sie aus Eigeninteresse mit dem anvertrauten Geld verantwortungsvoller und weniger risikobereit umgehen, als man dies einem herkömmlichen Vermögensverwalter zutraut.

          An dieser Sichtweise ist zwar etwas dran, aber wie das so oft ist, greift sie zu kurz. „Die konkrete Vermögensanlage ist erst der zweite Schritt“, sagt Klaus Kuder, Vorstandsmitglied der Deutsche Oppenheim Family Office. „Zuerst muss man eine Strategie entwickeln.“ Die Deutsche Oppenheim sieht sich mit 80 Mitarbeitern und 100 Mandanten als Marktführer unter den sogenannten „Multi Family Office“ in Deutschland. Entstanden ist sie aus dem Zusammenschluss der Wilhelm von Finck Deutsche Family Office und der Oppenheim Vermögenstreuhand unter dem Dach der Deutschen Bank. Dort arbeite man allerdings eigenständig, entscheide selbst über die Vermögensverwaltung und treffe eine eigene Partnerauswahl. Natürlich nutze man auch das Know-how der Deutschen Bank und diese auch als Entrée zu Kunden.

          Vermögensstruktur wichtiger als Allokation

          Die Aufgabe seines Family Offices sieht Kuder im Grunde in der Steuerung der Familie per se. „Wenn ein neuer Mandant zu uns kommt, ist unsere allererste Aufgabe, die Struktur des Vermögens kennenzulernen“. Das bedeutet, dass die Familienverhältnisse klar gelegt werden müssen: Wem gehört das Vermögen, wer trifft Entscheidungen, wie sind die Ziele der Beteiligten, wie sehen Nachfolgeregelungen aus und vieles mehr.

          Den davon hängt auch letztlich die Vermögensanlage ab. Gerade im Immobilienbereich gebe es zahlreiche Beispiele von Fehlplanung. Während der eine Partner hohe Ausschüttungen will, setzt der andere auf Substanzerhalt. Beide blockieren sich gegenseitig und ruinieren so ihr Vermögen. „Wie das Vermögen angelegt wird, ist gar nicht so entscheidend. Eine unpassende Struktur richtet im Zweifel viel größere Schäden an als Fehler in der konkreten Vermögensanlage.“

          Niedrigstzinsniveau macht Kummer

          „Im Grunde unterhält jede Familie auch ein eigenes Family Office“, sagt Kuder. Versicherungsfragen, Erbschaftsangelegenheiten, Geldanlage oder Immobilienfragen – was eine Arbeitnehmerfamilie im Kleinen zu lösen hat, stellt sich auch als Aufgabe für Family Offices wie Deutsche Oppenheim. Nur sind die Zahlen in der Regel größer.

          Insofern sind auch die Sorgen ähnlich. Geht es um den Vermögenserhalt, so haben auch die Mandanten heute eine vornehmliche Sorge. „Die meisten haben zwar hohes Unternehmens- und Immobilienvermögen, doch das Niedrigstzinsniveau hat die Situation für die liquiden vermögen dramatisch verschlechtert“, sagt Stefan Freytag, wie Kuder Vorstandsmitglied der Deutschen Oppenheim. Traditionell sei viel in Anleihen gehalten worden, mittlerweile stecke erheblich mehr in liquiden Sachwerten, das heißt Aktien.

          Diversifikation ist wirkungslos

          Doch damit sind die aktuellen Sorgen nicht zu Ende. Inzwischen fragten sich die Mandanten, was geschehen werde, wenn die Niedrigzinsphase zu Ende gehe. Das Hauptdiskussionsthema sei derzeit der Ausstieg aus der aktuellen Strategie. Soll man diesen schon einleiten, soll man Absicherungen kaufen oder weitermachen? Das Problem ist – es gibt keine Diversifikationsmöglichkeit, die schützen kann.  „Wenn der Wechsel in der Geldpolitik nicht gut gemanagt wird, gibt es keinen Platz am Kapitalmarkt, an dem man sich verstecken kann“, sagt Freytag.

          Auch andere Dilemmata sind Privatanlegern wohl bekannt. Wenn die Renditen versiegten, wandere man an die Ränder. Das heißt, bei Immobilien geht man in zweitrangige Lagen, bei Anleihen in fremde Währungen und schwächere Bonitäten. Und niemand weiß, wie es ausgeht. Denn das Problem ist, dass gerade die Randmärkte in der Regel als erste und am schnellsten zurückfallen. Deswegen gehört Risiko-Management zu den tragenden Aufgaben eines Family Offices. „Wir leben in einer Welt, in der es beim Risiko nur An oder Aus gibt und in der Diversifikation nicht wirkt.“, sagt Freytag.

          Etikettenschwindel mit Mittelstandsanleihen

          Die Randmarktproblematik hält die Deutsche Oppenheim auch aus dem Markt für Mittelstandsanleihen fern. Aber auch ansonsten lässt Freytag an der Anlageklasse kaum ein gutes Haar. „Das ist ein Etikettenschwindel für Ramsch-Anleihen“, sagt er. „Dabei ist es eine gute Idee. Aber die könnte schnell kaputt gehen.“ Manche Verhaltensweisen von Emittenten und begleitenden Banken seien schwer zu akzeptieren. „Der Markt ist intransparent, wenig liquide und die Preisbildung oftmals unverständlich. Schade, dass der deutschen Unternehmensfinanzierung hier ein Bärendienst geleistet wird.“

          Aber rühmen sich viele Emissionsbanken nicht damit, dass gerade Family Offices in ihre Anleihen investieren? Eine konkrete Antwort hat Freytag darauf nicht. „Family Offices haben derzeit den Ruf die Créme de la Créme der Investoren zu sein. Da möchte man sich natürlich gern damit schmücken. Außerdem gibt es sehr unterschiedliche Family Offices. Unsere Kunden brauchen keine Mittelstandsanleihen.“

          Liquidität und Qualität

          Was also tun mit dem schon angekündigten und jetzt verschobenen Regimewechsel der Geldpolitik? „Man muss jetzt von Monat zu Monat denken. Bisher läuft es noch, auch die Unternehmensergebnisse passten bisher ins Bild.“ Hilft in diesem Szenario einer angekündigten Krise also nur die rechtzeitige Flucht in Liquidität?

          „Eine Alternative gibt es“, meint Kuder. „Und die heißt Qualität. Unsere Mandaten setzen derzeit immer stärker auf Substanz und machen ihre Vermögenstruktur stabiler, so dass nicht alles gleich einreißen muss. Ein so stabilisiertes Portfolio schützt vor unwiederbringlichen Verlusten.“

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