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Rentable Kapitalanlagen : Das deutsche Problem

Deutsche neigen im internationalen Vergleich zur Vorsicht. Das geht auf Kosten der Rendite. Bild: Bloomberg

Deutschen neigen zur Vorsicht. Nur eine Minderheit an Kapitalanlegern investiert im Ausland. Die geringe Fähigkeit hohe Renditen zu erzielen und damit Vermögen zu bilden, sticht international heraus.

          Es gibt sie sehr wohl: Deutsche Kapitalanleger, die im Ausland Immobilien besitzen oder, zum Beispiel über Fonds für Private Equity, an Unternehmen beteiligt sind und damit still und leise über Jahrzehnte stattliche Renditen vereinnahmen. Manche für die Betreuung von Familienvermögen spezialisierte Berater besitzen auf diesem Gebiet sogar eine besondere Expertise. Deutsche Anleger besitzen zudem ausländische Aktien oder Anteile an auf ausländische Aktien spezialisierte Investmentfonds. Aber das ist nur eine Minderheit.

          Die deutsche Präferenz für Renditeverzicht und vermeintliche Vorsicht zeigt sich auch in der Kapitalanlage im Ausland. Ende 2015 beliefen sich nach Angaben der Deutschen Bundesbank die Auslandsvermögen der Deutschen auf 7871 Milliarden Euro, von denen aber nur rund ein Viertel auf Anlagen in Eigenkapital entfielen. Die Renditechancen von Eigenkapital gelten langfristig als vergleichsweise günstig, aber auch als risikobehaftet und überdies sind manche Anlagen wie Immobilien und Unternehmensbeteiligungen nicht schnell verkäuflich, also wenig liquide.

          So erstaunt es denn nicht, dass rund drei Viertel der deutschen Auslandsvermögen in scheinbar sicherem Fremdkapital angelegt sind; zum Beispiel in Anleihen oder in Bankguthaben. Als Anleger sind die Deutschen lieber Gläubiger als Eigentümer. Nur müssten die vergangenen Jahre gelehrt haben, dass solche Anlagen nicht nur häufig wenig rentabel sind, sondern auch ziemlich unsicher sein können. Es waren deutsche Gelder, die nicht unwesentlich zum Aufpumpen der Immobilienblasen in den Vereinigten Staaten, Spanien und Irland beigetragen hatten. „Deutschland lieferte Porsche und bekam Lehman-Zertifikate“, sagte der Ökonom Hans Werner Sinn einmal. Und es waren nicht wenige deutsche Gelder, die zum Kauf von Staatsanleihen nach Griechenland und Italien geflossen sind. Nach Ausbruch der Finanz- und Eurokrise wurde deutlich, dass viele der scheinbar zuverlässig angelegten Gelder verloren waren. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt die Verluste auf Auslandsanlagen für die Jahre 2000 bis 2013 auf rund 400 Milliarden Euro. Im Ausland lacht man schon lange über „dummes deutsches Geld“.

          Bescheiden im internationalen Vergleich

          Diese Fehlleistungen tragen dazu bei, dass die Deutschen bei internationalen Vergleichen über die durchschnittlichen Vermögen in einem Land eher bescheiden abschneiden. Die Transformation im internationalen Vergleich hoher Durchschnittseinkommen in im internationalen Vergleich hohe Durchschnittsvermögen gelingt seit langer Zeit nicht kontinuierlich. Das ist das eigentliche deutsche Problem. Zum zweiten trägt die Verwaltung der Auslandsvermögen zur starken Spreizung der Vermögen innerhalb Deutschlands bei, denn viele vermögende Deutsche wissen sehr wohl, wie man mit langfristigen Anlagen in ausländisches Eigenkapital ansehnliche Renditen erzielt. Es ist eher der normale Anleger, der die Zeche für schlechte Kapitalanlagen im Ausland, durch Direktanlagen wie durch Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen, zahlen muss.

          Ein Vergleich mit den Vereinigten Staaten ist lehrreich. Die amerikanischen Auslandsvermögen waren Ende 2015 mit 23.341 Milliarden Dollar deutlich höher als die deutschen. Das ist nicht erstaunlich, weil die amerikanische Wirtschaft deutlich größer ist als die deutsche. Instruktiv ist ein Vergleich der Nettopositionen eines Landes mit dem Ausland. Er entsteht, wenn man die Auslandsvermögen eines Landes mit seinen Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland vergleicht, die im wesentlichen den Kapitalanlagen von Ausländern im eigenen Land entsprechen. Deutschland kam im Jahr 2015 auf ein hohes Nettovermögen von 1476 Milliarden Euro, zu dessen Entstehung die Leistungsbilanzüberschüsse wesentlich beigetragen haben.

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