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Derivate : Optionsschein-Fonds sind zu Recht ausgestorben

  • Aktualisiert am

Auch der letzte Optionsschein-Fonds hat dieser Tage seine Pforten geschlossen. Der Misserfolg wirft auch einen Schatten auf Optionsscheine allgemein.

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          Optionsschein-Fonds darf man getrost als die Dinosaurier der Fondsbranche bezeichnen. Denn sie sind inzwischen ausgestorben. Mit dem Invesco European Warrant Fonds wurde zum 12. Oktober der letzte in Deutschland zugelassene Vertreter seiner Kategorie geschlossen und in den Nebenwerte-Fonds Invesco GP Pan European Enterprise Fund überführt.

          Offiziell hieß es zur Begründung, der Fonds sei zu klein gewesen. Das mangelnde Interesse der Anleger für derartige Fondskonstrukte hängt vermutlich mit der schwachen Performance zusammen. So blickt der Invesco-Fonds auf ein Minus von über 80 Prozent in den vergangenen fünf Jahren zurück.

          Zu enges Regel-Korsett

          Mit dieser Bilanz steht das Invesco-Produkt, das im Bullenmarkt mit exorbitanten Gewinnen noch zu den Überfliegern zählte, sogar noch vergleichsweise gut da. Andere Optionsschein-Fonds haben jedenfalls noch mehr verloren. Die allgemein schwache Bilanz hängt vermutlich auch mit regulatorischen Einschränkungen zusammen. So ist Fonds eine Spekulation auf fallende Kurse mit Puts laut Kapitalanlagegesetz nicht gestattet. Diese dürfen nur zur Absicherung tatsächlicher Aktienbestände gekauft werden.

          Was bleibt, ist somit nur die Wette auf steigende Kurse. In einem Bärenmarkt, wie wir ihn derzeit erleben, lässt sich damit natürlich kein Blumentopf gewinnen. "Diese Fonds mussten schlecht abschneiden, weil ihre Strategien einseitig auf steigende Kurse ausgerichtet waren," gibt daher auch Harald Gabel, Ressortleiter Optionsscheine bei der Zeitschrift "Der Aktionär" zu bedenken.

          Nur Experten haben eine Gewinnchance

          Dieser Umstand wurde auch schon dem am 30. November 2001 aufgelösten K+W Universal Fonds OS zum Verhängnis. Dieser Fonds, bei dem einst der durch seine Vorstandschaft bei Kinowelt bekannt gewordene Michael Kölmel als Berater fungierte, versuchte mit Optionsscheinen auf japanische Aktien sein Glück. Eine unglückliche Entscheidung, wie sich herausstellte, denn der Aktienmarkt in Japan befindet sich bekanntlich seit über einem Jahrzehnt im Bärenmarkt.

          Trotz der negativen Performance-Werte, die selbst Profis bei den Optionsschein-Fonds einfuhren, bricht Gabel eine Lanze für gezielte Einzelengagements in diesem Segment. "Wer Optionsscheine richtig anpackt, kann jedes Jahr Gewinne machen." Erfolgreich werden dabei laut Gabel allerdings nur Anleger sein, die ihre Lektionen gelernt haben und die wichtigsten Kennziffern zur Beurteilung und Auswahl von Optionsscheinen kennen. So weist der Optionsschein-Experte Gabel darauf hin, dass Anleger mit so genannten Discount-Zertifikaten durchaus die Chance gehabt hätten, im Bärenmarkt erfolgreicher zu agieren als mit einem Direktengagement.

          Optionsscheine bergen allgemein hohe Risiken

          Weitaus skeptischer steht dieser Anlagekategorie Georg Nauerz, Gründer und Vorstand der auf Alternative Investments spezialisierten Nauerz & Noell AG gegenüber. Kurzzeitig habe man zwar auch schon einmal selbst über die Auflage eines Optionsschein-Fonds nachgedacht, diese Idee aber sehr schnell wieder verworfen. "Das Aufgeld bei Optionsscheinen birgt ein immenses Verlustrisiko. Hier arbeitet man als Anleger immer gegen die Zeit und das ist ein Risiko, das wir nicht eingehen wollen", lautet sein Fazit.

          Den Fonds, die derartige Produkte angeboten haben, muss man zu Gute halten, dass sie die Risiken nie verschwiegen haben. Auf Anfrage hieß es etwa bei Universal: "Aus unserer Sicht sollten Optionsschein-Fonds einem Wertpapierdepot immer nur beigemischt werden; sie sind keinesfalls als Basisinvestment geeignet." Auch bei Invesco lautete die Marschroute von vorneherein eindeutig, dass Optionsschein-Fonds nichts für Kleinanleger sind. Die Mindestanlagesumme von 100.000 Dollar dürfte dann auch verhindert haben, dass sich viele Kleinanleger die Finger verbrannt haben.

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