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Derivate : CFDs - Sicherungen bitte sichern

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Bild: FAZ.NET

Aktiengeschäfte absichern geht. Doch die Sicherungsinstrumente sind manchmal noch tückischer als die zu sichernden geschäfte.

          Volatile Börsenzeiten sind nichts für die Nerven. Kaum hat man mühselig ein paar Euro verdient, ist durch einen Rücksetzer die ganze Wertentwicklung im Eimer.

          Es lohnt sich also durchaus, das Depot abzusichern. Dazu werden meist klassische Optionsscheine empfohlen. Doch dazu ist es notwendig, ein konkretes Produkt mit passender Laufzeit und passendem Basispreis zu finden. Obendrein kosten die Produkte auch noch Prämie.

          Eine Alternative dazu sind die sogenannten CFDs, die auf diversen außerbörslichen Plattformen gehandelt werden wie zum Beispiel CMC Markets, die kürzlich einen breit angelegten Werbefeldzug für den Handel gestartet haben.

          Viel Wert zum kleinen Preis

          CFD steht für „Contracts for Difference“. Diese Geschäfte sind in Großbritannien weit verbreitet. Die Kontrakte bauen auf der Differenz zwischen Geld- und Briefkursen auf. Mit dem Erwerb eines CFD können Anleger sowohl auf steigende als auch fallende Kurse setzen. Im letzteren Fall sind sie daher als Absicherungsinstrument geeignet.

          Erworben wird dabei niemals zum vollen Preis, sondern auf Kredit. Lediglich eine Sicherungsleistung in Höhe eines Prozentbetrages vom Basiswert ist zu leisten. Dies bedeutet, daß es sich um Hebelgeschäfte handelt - mit einem relativ geringen Barbetrag läßt sich ein Vielfaches des Wertes handeln.

          Beispielsweise interessiert sich ein Anleger für einen CFD auf Nokia um eine Position im Depot abzusichern. Aktuell wird das Papier mit einem Geldkurs von 13,92 Euro und einem Briefkurs von 13,93 Euro gehandelt. Ausgehend davon, daß die Aktie fallen könnte, verkauft er 200 CFDs zu 13,92 Euro - ohne diese zu besitzen, also leer. Diese Transaktion kostet ihn eine Provision von 0,05 Prozent des Handelsvolumens, in diesem Fall bei einem Handelsvolumen von 2.784 Euro 1,39 Euro. Als Sicherungsleistung hinterlegt er zum Beispiel fünf Prozent des Kaufwertes, also 139,20 Euro. Gehandelt wird dabei mit einem Hebel von 20.

          Fehlspekulationen werden kritisch

          Fällt der Kurs der Nokia-Aktie tatsächlich nun auf 13,85 Euro und entscheidet sich der Anleger die Position zu schließen, so kauft er nun 200 CFDs zum Preis von 13,85 Euro für einen Gesamtwert von 2.770 Euro. Der Gewinn beträgt nun 14 Euro. Dies entspricht genau der Differenz zwischen dem Geldkurs und dem aktuellen Kurs. Abzüglich der Gebühren von zweimal 13,92 Euro sind keine Verluste entstanden.

          Diese Absicherungsgeschäfte lohnen sich daher um so mehr, je größer die zu sichernden Positionen sind.

          Kritisch wird es indes, wenn der Kurs steigt anstatt zu fallen, beispielsweise auf 14 Euro. Auf der einen Seite profitiert der Anleger dadurch, daß die offenen Position Zinsen erbringt, weil er praktisch in Vorlage getreten ist. Berechnet werden diese zinstäglich. Liegt der Zinssatz zum Beispiel bei 0,5 Prozent, werden jeden Tag 3,9 Cents gutgeschrieben.

          Andererseits bleibt die Position offen. Diese läßt sich zwar zunächst offenhalten, doch steigt die zu schließende Lücke. Bei einem Kurs von 14 Euro, beträgt sie bereits 16 Euro und kann weiter wachsen. Verdoppelt sich der Kurs der Aktie liegt die Lücke bereits bei der ursprünglichen Kaufsumme.

          Die Nick-Leeson-Falle

          Bei wachsenden Verlusten in einer offenen Position beginnt auch der Broker nervös zu werden. Spätestens wenn die Verluste die Höhe des Sicherungsbetrags überschreiten, wird er einen Nachschuß zur Sicherungsleistung verlangen. Das ist bei einem Kursgewinn in Höhe des Prozentsatzes der Sicherungsleistung bereits der Fall, also in diesem Fall bei fünf Prozent. Kommt der Anleger der Aufforderung nicht nach oder verringert seine Position nicht, kann der Anbieter die Position ganz oder teilweise auflösen. Damit werden die Verluste realisiert.

          Das Gefährliche an dieser Handelsstrategie ist die Tatsache, daß sich durch Nachschießen Zeit kaufen läßt. Dies verführt unerfahrene Anleger bisweilen dazu, entgegen ihre ursprüngliche Spekulation zu handeln und gutes Geld dem schlechten nachzuwerfen. Mit zunehmenden Verlusten tendieren sie dann dazu, sich weiter gegen den Markt zu stemmen und in der Nick-Leeson-Falle zu enden.

          Der Broker, der 1995 die Barings Bank durch gegen den Markt laufende Spekulationen in den Ruin trieb hatte gegen den Markt gewettet und die Verluste über ein Fehlerkonto ausgebucht. Aufgrund des Zusammenwirkens von Hebel, Marktbewegung und vor allem unzureichender Kontrolle des Handelsteams in Singapur waren am Ende aus ursprünglichen Verlusten von 20.000 Pfund 1,3 Milliarden geworden. Insofern ist die Überwachung durch den Broker bei dieser Art von geschäften unbedingt notwendig. Leeson war seinerzeit nämlich gleichzeitig die geschäfte eingegangen und hatte sie buchhalterisch nachbearbeitet.

          Absichern nur mit Sicherung

          So genannte Long-Positionen, also Spekulationen auf steigende Kurse, sind unter diesen Umständen weniger problematisch. Denn in der Regel fällt eine Aktie nicht weiter als bis auf einen Cent. Allerdings gibt es Ausnahmen. Beim Betrug mit der Aktie der amerikanischen Infotopia wurde die Aktie mehrfach verschmolzen (reverse split). Auf diese Weise wurden die Aktienkurse rückwirkend hochgerechnet und das Papier fiel weiter. Zudem fallen bei offenen Long-Positionen tägliche Finanzierungskosten für den nicht gesicherten Teil der Position an. Bei einem Zins von circa acht Prozent, sind das im Beispiel täglich 62 Cents.

          Die Kosten des Handels sind von der jeweiligen Plattform abhängig auf der gehandelt wird (siehe Infografik). Gehandelt werden in aller Regel alle Aktien der wichtigsten Indizes.

          Das Interessante an CFDs ist ihre relativ einfache Verständlichkeit, die die von Optionsscheinen und Zertifikaten weit übertrifft. Auf der anderen Seite erfordert das Handeln damit einen hohen Grad an Disziplin und den Willen sich tagtäglich, am besten laufend mit den Positionen auseinanderzusetzen. Noch besser ist es, solche Positionen grundsätzlich mit im Vorhinein definierten Stop-Loss-Marken zu versehen.

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