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Aktienfonds : Was ist los mit dem Uniglobal?

Union-Investment-Zentrale in Frankfurt Bild: Picture-Alliance

Der Vorzeige-Fonds der Volksbanken läuft schlechter als der Aktienmarkt. Das trifft viele Riester-Sparer.

          2 Min.

          Auf Sparkonten bekommt man keine Zinsen mehr, bei Bundesanleihen ist es nicht viel besser – der geschulte Bankberater empfiehlt seinem Kunden deshalb seit geraumer Zeit Aktienfonds. Und weil sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass eine gewisse Streuung bei dieser Form der Geldanlage von Vorteil sein soll, finden globale Aktienfonds, die in zahlreiche Unternehmen aus aller Welt investieren, bei Privatanlegern zunehmend Verbreitung.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unter den Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken erfreut sich vor allem ein Fonds einer außergewöhnlichen Beliebtheit: der Uniglobal, aufgelegt von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken. Der Fonds gehört mit einem Volumen von mehr als 10,6 Milliarden Euro zu den größten in Deutschland. In ihm steckt auch viel Geld aus der Altersvorsorge der Deutschen: Viele Riester-Sparer, die nicht auf Versicherungen, sondern auf Fonds setzen, investieren in ihn.

          Allerdings: In letzter Zeit läuft es nicht so richtig rund mit dem Uniglobal. Seine Wertentwicklung lässt zu wünschen übrig. Und auch die Gebühren sind so gestiegen, dass die Fondsrating-Agentur Morningstar eine „auffällig erhöhte Kostenquote“ kritisiert.

          Was ist da los? Bei der Performance, also der Wertentwicklung, liegt der Fonds seit Anfang des Jahres deutlich hinter dem Index der weltweiten Aktienmärkte, dem MSCI World. Der ist seine „Benchmark“, also sein Maßstab. Während der Index in diesem Jahr ein Plus von 12,72 Prozent verzeichnet, legte der Uniglobal nur um 10,71 Prozent zu. In früheren Jahren war der Fonds oft besser als der Index gewesen. Vom letzten großen Kursanstieg aber profitierten die Anleger weniger, als wenn sie sich einfach einen börsengehandelten Indexfonds („Exchange Traded Funds“, kurz ETF) auf den MSCI World gekauft hätten. Ähnlich war es allerdings bei vielen aktiv gemanagten globalen Aktienfonds: Im Durchschnitt blieben sie laut Morningstar seit Jahresbeginn zwei Prozentpunkte hinter dem Anstieg des Index zurück. Bis Ende August lag der Uniglobal sogar noch unter dem Durchschnitt; bezieht man die ersten Septemberwochen mit ein, schaffte es der Uniglobal immerhin wieder knapp über den Durchschnitt dieser Fondskategorie.

          Die Fondsgesellschaft Union Investment verteidigt ihren Fonds mit der Vorsicht ihrer Manager: „Unsere Strategie ist bewusst so gehalten, dass wir im Interesse der Anleger in bestimmten Phasen weniger aggressiv Risiken eingehen.“ Man habe auf besonders schwankungsanfällige Titel mit Absicht verzichtet und dafür eine schwächere Rendite in Kauf genommen.

          Ob das stimmt und diese Rechnung aufgeht, wird man letztlich erst im Abschwung verbindlich beurteilen können.

          Messen kann man hingegen bereits heute die Gebühren, die für den Fonds fällig werden. Morningstar hat verglichen, wie hoch die Gesamtkostenquote („Total Expense Ration“, kurz TER) für den Fonds im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre ausfiel – und wie hoch die jetzt ausgewiesene Kostenquote ist. Die Ratingagentur kommt auf eine Erhöhung der ausgewiesenen Kostenquote um 0,24 Prozentpunkte auf 1,58 Prozent pro Jahr – und kritisiert das.

          Die Fondsgesellschaft begründet die Preisaufschläge unter anderem mit gestiegenen Kosten, die ihr von Dritten in Rechnung gestellt würden. Man habe die Konditionen allerdings nur auf ein „branchenübliches Niveau“ angepasst. Außerdem wurden die Verfahren, mit denen die Gebühren berechnet und ausgewiesen werden, umgestellt. Unter anderem gibt es jetzt eine Pauschalgebühr, die verschiedene Kosten bündelt, und eine neue Gebührenkennzahl. Aus Sicht der Fondsgesellschaft Union Investment wäre es angemessener, die derzeitigen Kosten nicht mit dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre zu vergleichen – sondern mit dem Stand Ende des vergangenen Geschäftsjahres. Aber auch das würde immerhin noch eine Gebührensteigerung um 0,19 Prozentpunkte bedeuten.

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